Warren Buffett Das "Orakel von Omaha" ist ratlos

Die Wirtschaftskrise vermiest Warren Buffett das Geschäft. "Ich habe mich nicht mit Ruhm bekleckert", sagte der Multimilliardär auf der Hauptversammlung seiner Holding Berkshire Hathaway. Neben fallenden Aktienpreisen macht dem legendären Investor vor allem das Geschäft mit Derivaten zu schaffen.

Omaha - Das wegen der Wirtschaftskrise zuletzt ungewohnt schwache Abschneiden des legendären US-Investors Warren Buffett lässt seine Anhängerschar nicht schwinden. Rund 35.000 Aktionäre pilgerten am Wochenende erneut zum Sitz seiner Holding Berkshire Hathaway  nach Omaha (Nebraska), um bei der Hauptversammlung live dabei zu sein.

Nach dem bisher schlechtesten Jahresergebnis der Gesellschaft 2008 fiel der operative Gewinn jedoch auch im diesjährigen ersten Quartal um rund 10 Prozent auf etwa 1,7 Milliarden Dollar Milliarden (1,3 Milliarden Euro). Die meisten Beteiligungen außer den Versicherern und Versorgern hätten gelitten, sagte Buffett am Samstag vor den Aktionären. Genaue Zahlen legt die Holding diese Woche vor.

Das Treffen zählt in den USA alljährlich zu den wirtschaftlichen Top-Ereignissen und sorgt stets für enormen Medienrummel. Für unzählige Anleger in Amerika und aller Welt ist Buffett, den sie "Orakel von Omaha" nennen, eine Kultfigur. Viele machte er reich. Allerdings brach die Berkshire-Aktie 2008 um fast ein Drittel ein. Die Stimmung war daher laut US-Medien nach den früheren Begeisterungsstürmen diesmal ein wenig nüchterner.

Neben fallenden Aktienpreisen macht Berkshire vor allem das Geschäft mit Derivaten zu schaffen, für sein Unternehmen und die gesamte US-Wirtschaft gab der zweitreichste Mensch der Welt einen durchwachsenen Ausblick. Die US-Häuserpreise hätten den Tiefpunkt noch nicht erreicht und die Einzelhändler würden noch längere Zeit unter Druck stehen, erklärte Buffett. Die Lage des Bankensektors beurteilte der Investment-Guru dagegen positiv. Besonders Wells Fargo, an dem Berkshire beteiligt ist, befinde sich im Vergleich zu anderen US-Banken in einer hervorragenden Wettbewerbssituation.

Die Maßnahmen der US-Regierung zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise stoßen bei dem einflussreichen Multimilliardär auf Zustimmung. Niemand könne die perfekte Reaktion erwarten, da sich die Wirtschaft im vergangenen Jahr in einem "finanziellen Orkan" befunden habe, sagte Buffet. Er könne auch nicht vorhersagen, wann sich Konjunktur und Märkte wieder nachhaltig erholen würden.

Seit langem wird heftig über die Nachfolge des 78-jährigen Buffett spekuliert. Alle vier Kandidaten für den Posten des Holding-Chefs arbeiteten schon für Berkshire, sagte Buffett der Wirtschaftsagentur Bloomberg. Namen nannte er nicht. Buffetts weitere Ämter sollen später einmal aufgeteilt werden: Als nächster Verwaltungsratschef ist sein Sohn Howard Buffett vorgesehen.

23 Milliarden Dollar Cash

Die ebenfalls vier Anwärter für den zentralen Posten des obersten Investors für ein Portfolio von derzeit mehr als 50 Milliarden Dollar hätten sich im Jahr 2008 "nicht mit Ruhm bekleckert", sagte Buffett. "Aber ich mich selbst auch nicht", betonte er.

Die Erfolgsgeschichte des schrulligen Investors begann 1962 mit der Übernahme der kleinen Textilfirma Berkshire Hathaway. Damals kostete die Aktie sieben Dollar - derzeit liegt sie trotz des zuletzt heftigen Rückgangs immer noch bei rund 92.000 Dollar. Die Holding kontrolliert inzwischen mehr als 70 Tochterfirmen, die meisten in den USA. Sie hält zudem riesige Aktienpakete von großen Konzernen wie etwa Coca-Cola .

Der Investor liegt auf der Superreichen-Liste des US-Magazins "Forbes" auf Platz zwei hinter Microsoft-Gründer Bill Gates. Buffett hat allerdings fast sein gesamtes Vermögen der Stiftung von Gates und dessen Frau Melinda zugesagt. Die Organisation widmet sich weltweit dem Kampf gegen Ungleichheit, Armut und Krankheiten wie Aids.

In der Finanzkrise sorgte Buffett mit einigen milliardenschweren Kapitalspritzen für Aufsehen, so bei der Investmentbank Goldman Sachs  und dem Mischkonzern General Electric . Der gewiefte Verhandler ließ sich das von den Empfängern dringend benötigte und für ihn riskante Investment hoch verzinsen. Der Bargeldbestand von Berkshire etwa für neue Übernahmen lag zum Quartalsende bei knapp 23 Milliarden Dollar.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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