Elf Aquitaine Ölkonzern schmierte angeblich deutsche Politiker

Über 105 Personen sind 1992 angeblich aus schwarzen Kassen des französischen Ölkonzerns finanziert worden. Darunter seien in Verbindung mit dem Leuna-Kauf mindestens zwei hochrangige deutsche Politiker, so ein Pressebericht.

Paris - Zu den Begünstigten zählten auch der ehemalige FDP-Wirtschaftsminister Hans Friderichs und die frühere Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium, Agnes Hürland-Büning, berichtet die französische Zeitung "Le Monde" in ihrer Samstag-Ausgabe. Die Zahlungen in ungenannter Höhe seien alle im Zusammenhang mit den Verkaufsverhandlungen zwischen Elf Aquitaine und der ostdeutschen Leuna-Raffinerie erfolgt und von der früheren Schweizer Elf-Filiale Elf Aquitaine International (EAI) ausgegangen.

Das Blatt berichtet, die beiden mit den Schmiergeld-Skandalen bei Elf befassten Richter hätten in alten Akten der EAI nach angeblich zu Unrecht gezahlten Gehältern an die Privatsekretärin des früheren französischen Wirtschaftsminister Dominique Strauss-Kahn recherchiert und dabei eine Liste von über 105 ebenfalls finanziell begünstigten Persönlichkeiten gefunden.

Friderichs hatte 1992 im Auftrag der Treuhandanstalt den Vorsitz der Aufsichtsräte von Leuna und der Tankstellenkette Minol übernommen, war aber gleichzeitig Berater der französischen Elf Aquitaine. Über die enge Vertraute von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl, Agnes Hürland-Büning, war bislang bekannt, dass sie für Beratungen zum Verkauf der Leuna-Werke an Elf vom heutigen Thyssen-Krupp-Konzern 1992 acht Millionen Mark Honorar bekommen haben soll. Etliche Persönlichkeiten auf der EAI-Liste sind nach Angaben der Zeitung mit Hilfe fingierter Berater- oder Scheinanstellungsverträgen geschützt worden.

In dem Bericht von "Le Monde" wurde kein direkter Bezug zu den Gerüchten um Gelder hergestellt, die angeblich aufgrund einer Absprache zwischen dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl und dem inzwischen verstorbenen französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand 1992 für den CDU-Wahlkampf über Elf Aquitaine nach Deutschland geflossen sein sollen. Es hieß aber, der damals amtierende Präsident der Schweizer Elf-Filiale, Alfred Sirven, habe zum "engen Kreis" von Mitterrand gehört. Der heute flüchtige Sirven wird von den Untersuchungsrichtern als zentrale Figur in der Schmiergeldaffäre von Elf Aquitaine betrachtet und mit internationalem Haftbefehl gesucht.

In Zusammenhang mit Evelyne Duval, der Privatsekretärin des früheren französischen Wirtschaftsministers Strauss-Kahn, enthüllte "Le Monde", gegen ihn sei am vergangenen Mittwoch ein Ermittlungsverfahren wegen "Mitwisserschaft" sowie "Veruntreuung von Geldern" eröffnet worden. Dabei gehe es um 190.000 Franc (rund 57.000 Mark), die Strauss-Kahn von der Schweizer Elf-Filiale als Jahresgehalt für Duval verlangt haben soll, obwohl diese nach eigenen Angaben für Elf niemals gearbeitet hat. Das Verfahren ist bereits das zweite gegen den im November 1999 zurückgetretenen Strauss-Kahn innerhalb von sechs Wochen. Im ersten geht es um Urkundenfälschung und Nutzung gefälschter Dokumente. Der Ex-Minister steht im Verdacht, durch zurückdatierte Schreiben Beraterdienste für die französische Studenten-Krankenkasse gerechtfertigt zu haben.

Das britische Finanzblatt "Financial Times" berichtete am Freitag über 25 Milliarden Franc (rund 7,5 Milliarden Mark), die Elf Aquitaine Anfang der 90er Jahre wegen Veruntreuung von Geldern, fehlgeleiteten Investitionen sowie Betrug verloren haben soll. Die Zeitung berief sich auf "innerste Zirkel" innerhalb des Großkonzerns. Ein Sprecher von Elf Aquitaine bezeichnete den Bericht am Freitag als "journalistische Interpretation" und lehnte jeglichen Kommentar ab. Er räumte lediglich ein, Elf habe zwischen 1994 und 1998 auf Grund "außergewöhnlicher Umstände" durch Umstrukturierungen des Konzerns Kosten in Höhe von 21 Milliarden Franc zu verzeichnen gehabt.