Conergy Ammers Wette auf die Zukunft

Das angeschlagene Hamburger Solarunternehmen Conergy rechnet mit einem schwierigen Jahr 2009. Trotzdem gibt Vorstandschef Dieter Ammer die Hoffnung nicht auf: "Alle Konjunkturpakete haben eine Ökokomponente". Die Conergy-Aktie gehörte heute zu den Gewinnern des Tages.

Frankfurt am Main - Der verlustreiche Solarkonzern Conergy  setzt seine Hoffnungen auf eine Markterholung in absehbarer Zeit. "Alle Konjunkturpakete, die derzeit verabschiedet werden, haben eine Öko-Komponente", sagte Vorstandschef Dieter Ammer am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Zudem würden die sinkenden Modulpreise die Rentabilität der Projekte erhöhen. Nicht zuletzt sei die sogenannte Grid Parity, die Preisgleichheit von Ökostrom, Strom aus fossilen Brennstoffen und Atomstrom, nicht mehr weit. "Wenn das alles zusammenkommt, wird der Markt wieder radikal anziehen." An der Börse sorgten die Äußerungen für gute Stimmung. Die im TecDax  notierten Conergy-Aktie schoss über 24 Prozent nach oben und beflügelte auch die Titel der Konkurrenten Q-Cells, Solon  und Solarworld .

Neben den Kernmärkten Deutschland, Spanien, Italien und USA setzt Ammer besonders große Hoffnungen in China. "China wird ein Wachstumstreiber", sagte er. Allerdings sei derzeit schwer abzuschätzen, welche konkreten Auswirkungen das dort aufgelegte Solarprogramm haben werde. Kurzfristig erwartet Conergy dagegen schwächere Geschäfte.

Für dieses Jahr sagt der Konzern, der 2007 vor der Pleite stand, einen Umsatzrückgang voraus, nachdem die Erlöse im vergangenen Jahr noch um 40 Prozent auf rund eine Milliarde Euro gestiegen waren. Schon im ersten Quartal fiel der Umsatz um 70 Prozent auf 65 Millionen Euro, wie der Konzern erst unlängst mitgeteilt hatte.

Wegen hohen Sanierungskosten schloss das Unternehmen das vergangene Geschäftsjahr mit tiefroten Zahlen ab: Insgesamt belief sich das Minus auf 307 (Vorjahr: minus 248) Millionen Euro. Auf die Bilanz drückten zusätzlich Rückstellungen für einen Rechtsstreit mit der US-Firma MEMC über einen Vertrag zur Waferlieferung. Dieser könnte nach Einschätzung von Ammer möglicherweise sogar mehrere Jahre dauern. Details zu dem Verfahren wollte der Vorstandschef auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt aber nicht nennen.

An den Plänen für einen Verkauf eines Anteils am Werk in Frankfurt/Oder hält Conergy fest. Gespräche mit Investoren gebe es derzeit zwar keine. "Das kann aber jeden Tag passieren. Wir schließen den Einstieg eines Investors weiterhin nicht aus." Ursprünglich hatte die koreanische LG Electronics in der Solarfabrik einsteigen wollen. Die Verhandlungen wurden im Herbst aber auf Eis gelegt. In koreanischen Medienberichten war damals ein Kaufpreis für den Mehrheitsanteil von 130 Millionen Euro genannt worden. Das Hamburger Unternehmen hatte seinerzeit 250 Millionen Euro für den Aufbau der Produktionsstätte investiert.

Außerdem erhält Conergy ein neues Aufsichtsratsmitglied. Das Amtsgericht Berlin habe Bernhard Milow zum neuen Mitglied des Kontrollgremiums bestellt, teilte Conergy mit. Milow ist den Angaben zufolge derzeit Energiekoordinator beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

manager-magazin.de mit Material von reuters

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