Devisen Euro auf neuem Rekordtief

Der Euro hat am Freitag ein neues Rekordtief erreicht. New Yorker Devisenhändler bezeichneten den neuerlichen Kursdruck auf den Euro als einen Test, wie weit die EZB die Kurse ohne Gegenmaßnahmen fallen lasse.

Frankfurt am Main/New York - Kurz nach Börseneröffnung sank die Gemeinschaftswährung am Freitag in Frankfurt am Main auf ein neues Rekordtief von 0,9837 Dollar. An der New Yorker Devisenbörse wurde der Euro am Donnerstagabend nur noch mit 0,9886 Dollar gehandelt. Nach Einschätzung des Chefvolkswirts der Deutschen Bank, Norbert Walter, liegt der Grund für die Euroschwäche in der Attraktivität des Dollar-Marktes. Trotz kleiner Krisen sei dort "Grundvertrauen vorhanden", weil die "wirtschaftliche Entwicklung dynamisch blieb", sagte Walter dem ZDF.

Kurskorrekturen zu Gunsten der europäischen Gemeinschaftswährung erwartet der Ökonom in der zweiten Jahreshälfte. Ferner rechnet er damit, dass die Europäische Zentralbank wegen steigender Importpreise "demnächst" die Zinsen erhöhen wird. Einen Zusammenhang zwischen der Euroschwäche und den politischen Skandalen in Deutschland sieht Walter nicht. Entscheidend für den Kurs sei "die Weichenstellung auf der anderen Seite des Atlantiks", sagte er.

New Yorker Devisenhändler bezeichneten den neuerlichen Kursdruck auf den Euro als einen Test der Europäischen Zentralbank (EZB). Jetzt wolle der Devisenhandel sehen, wie weit die EZB den Euro-Kurs sinken lasse, ohne Gegenmaßnahmen zu ergreifen. "Die Märkte sind etwas enttäuscht, dass es in der EZB keine Euro-Strategie und keine Vorstellung von einem angemessenen Kursniveau zu geben scheint", sagte Bob Sinche, Devisenmanager bei der Citigroup. "Es besteht der Eindruck, dass man die Dinge treiben lässt." Im vergangenen Jahr wurde die Euro-Schwäche auf die bessere Konjunktur in den USA zurückgeführt. Inzwischen aber haben sich die Wachstumsperspektiven in Europa aber aufgehellt.