Montag, 27. Januar 2020

Kreditausfälle Kartenriese Amex stürzt ab

Beim US-Kreditkartenkonzern American Express ist der Gewinn zum Jahresauftakt eingebrochen. Der Finanzriese leidet wie viele Banken unter der rasant steigenden Arbeitslosigkeit in den USA. Ohne Job zahlen immer mehr Bürger ihre Kartenrechnungen und Kredite nicht mehr ab. Analysten hatten allerdings Schlimmeres erwartet.

New York - Das schlägt sich in den Zahlen des Unternehmens nieder: Der Überschuss von American Express Börsen-Chart zeigen (Amex) brach im ersten Quartal zum Vorjahr um 63 Prozent auf 361 Millionen Dollar (277 Millionen Euro) ein, wie der Konzern am Donnerstagabend in New York mitteilte.

American-Express: Die Kreditkartenbranche grät auch politisch unter Druck
Amex musste im ersten Quartal weitere 1,8 Milliarden Dollar als Risikovorsorge für Kreditausfälle zurückstellen. Die Erträge sackten um 18 Prozent auf 5,9 Milliarden Dollar ab. Der Finanzkonzern gehört zu den mit einer Milliardenspritze vom Staat gestützten Instituten und baut rund 10 Prozent seiner Stellen ab. Amex-Chef Kenneth Chenault wertete es angesichts der Krise als Erfolg, dass sich sein Haus in der Gewinnzone halten konnte. Im reinen US-Kartengeschäft schrieb Amex jedoch rote Zahlen.

Die Quartalsbilanz stieß an der Börse gleichwohl auf ein gutes Echo, denn Analysten hatten wegen der Wirtschaftskrise einen noch kräftigeren Rückgang befürchtet. Im nachbörslichen Handel legten die Aktien des Instituts deutlich zu.

Das Kursplus kommt in der Höhe trotzdem überraschend, denn der Kreditkartenanbieter steht vor schwierigen Zeiten: US-Präsident Barack Obama kündigte am Donnerstag einen massiven Vorstoß gegen Auswüchse der Branche in den USA an. Mit einem Gesetz will er gegen überzogene Zinssätze, horrende Gebühren und Knebelverträge vorgehen. Obama hatte dazu eigens die Chefs der größten Kartenanbieter und Banken ins Weiße Haus zitiert.

Die enormen Belastungen etwa durch Zinssätze von teils 30 Prozent und mehr nehmen vielen Bürgern in der Rezession den letzten finanziellen Spielraum. Dies hatte zuletzt für zunehmende öffentliche Empörung gesorgt. Bei vielen Experten gelten die enormen Schulden der US-Verbraucher auf Kreditkarten noch immer als "tickende Zeitbombe".

Die Marktführer Visa und Mastercard legen ihre Zahlen nächste Woche vor. Sie leiden bisher weit weniger als Amex unter der Krise. Denn sie tragen das Risiko unbezahlter Kreditkartenschulden nicht selbst; es liegt stattdessen bei ihren Partnerinstituten und Mitgliedsbanken, die Visa- und Mastercard-Karten ausgeben.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung