Dienstag, 25. Juni 2019

Dax-Geflüster Abgerechnet wird zum Schluss

Dank positiver Vorgaben aus Übersee schweben deutsche Bankaktien seit Wochen im siebten Himmel. Die Vorfreude auf die Zahlen zum ersten Quartal ist groß. Die Deutsche Bank macht kommende Woche den Anfang. Doch Analysten teilen die Euphorie nicht. Für so manches Institut gehe das Zittern jetzt erst richtig los.

So viel gilt als sicher: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird am kommenden Dienstag die Rückkehr seines Instituts in die Gewinnzone verkünden, daran zweifelt kein Analyst. Der deutsche Branchenprimus wird beim Nettoergebnis allerdings schon deutlich über den Schätzungen von etwa 700 Millionen Euro liegen müssen, will er die Experten und Märkte noch beeindrucken. Denn Vorschusslorbeeren für das erste Quartal hat die Börse der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen bereits über Gebühr gewährt. Getrieben von dem enormen Gewinnanstieg der US-Banken im ersten Quartal hat sich der Wert ihrer Aktie wie auch der anderer deutscher Banken seit März nahezu verdoppelt - trotz einiger Rücksetzer in dieser Woche.

Endstation Kurshimmel: Schön wär's, aber die meisten Analysten halten die Gewinne auch deutscher Bankenaktien nach wie vor fundamental für unbegründet. Gute Geschäfte und weniger Abschreibungen im ersten Quartal, das die meisten Institute in die Gewinnzone zurückführen dürfte, sollten die Investoren nicht über kommenden Gefahren hinwegtäuschen.
DDP
Endstation Kurshimmel: Schön wär's, aber die meisten Analysten halten die Gewinne auch deutscher Bankenaktien nach wie vor fundamental für unbegründet. Gute Geschäfte und weniger Abschreibungen im ersten Quartal, das die meisten Institute in die Gewinnzone zurückführen dürfte, sollten die Investoren nicht über kommenden Gefahren hinwegtäuschen.
Eines gilt ebenso als sicher: Die märchenhafte Gewinnvermehrung der US-Banken, die vor Monaten noch dem Untergang geweiht waren, kann keine Blaupause für die anstehende Berichtssaison der Banken in Deutschland und Europa sein. Von den US-Großbanken unabhängige Analysten führen den Großteil der Milliardengewinne jenseits des Atlantiks vor allem auf die enormen Bilanzierungserleichterungen zurück, mit denen die Institute - ganz legal - ihr Zahlenwerk schön gerechnet haben. "Da war mehr Schein als Sein, man darf die Ergebnisse nicht für bare Münze nehmen", sagt Konrad Becker von Merck Finck.

Dabei ist es nicht so, dass die Institute auf dem alten Kontinent keine Erleichterungen genossen hätten. Alle deutschen Großbanken haben im vergangenen Jahr illiquide Vermögenswerte in Milliardenhöhe zu historischen Anschaffungspreisen bilanziert - mit dem positiven Effekt, dass Abschreibungen auf diese Papiere entweder ausblieben oder deutlich geringer ausfielen. Die Deutsche Bank zum Beispiel erzielte durch diese Praxis im Jahr 2008 einen positiven Effekt auf das Vorsteuerergebnis von 3,3 Milliarden Euro. Gleichwohl besteht Konsens, dass die jüngsten Erleichterungen in den USA weit über die Bilanzierungsspielräume europäischer Institute hinausgehen.

Hinter dem Tempo des Kursanstiegs deutscher Bankenwerte, der seinen Ursprung ja ganz entscheidend jenseits des Atlantiks hat, ist also ein dickes Fragezeichen zu setzen. Kaufempfehlungen für deutsche Bankenwerte sind derzeit ohnehin Mangelware. Und so mancher Analyst zog zuletzt auch bei der Deutschen Bank die Reißleine. Olaf Kayser von der LBBW zum Beispiel stufte die heißgelaufenen Titel noch zu Wochenbeginn kurzerhand auf "Verkaufen".

Zwar bezweifelt kaum ein Branchenkenner, dass sich die Erlössituation der Banken im dem erfahrungsgemäß starken ersten Quartal verbessert haben wird. Ähnlich wie bei den US-Konkurrenten soll auch bei der Deutschen Bank der Handel mit Devisen, Renten und Rohstoffen gut gelaufen sein, berichtet der "Platow Brief". Doch das Geschäft gilt eben als anfällig, die Erlöse lassen sich keineswegs auf kommende Quartale fortschreiben.

© manager magazin 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung