Autoindustrie Rekordjahr beim Export - aber Risiken im Inland

Die deutschen Autohersteller haben im vergangenen Jahr so viel exportiert wie noch nie und 17.000 neue Stellen geschaffen. Der anhaltende Exportboom bleibt auch 2000 der wesentliche Treibstoff für den Branchenmotor.

Frankfurt am Main - Trotz günstiger Prognosen für die Gesamtwirtschaft lauern dagegen im Inlandsgeschäft der Branche unwägbare Risiken. Unter dem Strich erwartet der Verband der Automobilindustrie (VDA) aber immerhin 3,7 (1999: 3,8) Millionen Pkw-Zulassungen und ein Produktionsvolumen nur leicht unter dem Vorjahresniveau von 5,3 Millionen neuen Pkw. "Die Party ist also durchaus nicht zu Ende, auch wenn im deutschen Markt die Musik etwas leiser spielen könnte", sagte VDA-Präsident Bernd Gottschalk am Donnerstag.

Für die in den vergangenen Jahren in kleinen Schritten wieder aufgestockten Belegschaften dürften sich damit keine neuen Gefahren auftun: Nachdem 1999 nochmals 17.000 neue Stellen bei Herstellern und Zulieferern entstanden, gebe es 2000 "eine stabile Beschäftigung", prognostizierte Gottschalk. "Eine dramatische Entwicklung sehe ich nicht." Insgesamt sind zurzeit rund 727.000 Frauen und Männer für die Autoindustrie tätig.

Zunehmende Sorge bereiten den Spitzenmanagern der Branche allerdings die harten Bandagen, mit denen in den heimischen Autosalons um die Kundschaft gebuhlt wird. Während sich Käufer über Rabatte und Preisnachlässe freuen, hinterlässt die Absatzförderung zunehmend ärgerliche Schrammen in den Bilanzen der Hersteller. "Die gute Quantität schlug sich also nicht immer in guter Qualität nieder", mahnte Gottschalk. Angesichts des verschärften Wettbewerbs musste der Markt "erkämpft, manchmal leider auch erkauft werden". Nicht immer zeigten die Anbieter ein "normales Wettbewerbsverhalten" - sondern "manche Blüte", die er "nur sehr ungern" fortgesetzt sehe.

Trotz der Ökosteuer, die Gottschalk heftig kritisierte, scheint sich das flatterhafte Inlandsgeschäft zum Jahresende 1999 wieder gefangen zu haben. "Nachdem die inländische Nachfrage im Herbst des vergangenen Jahres stark lahmte, zeigte sich im Dezember erstmals wieder saisonbereinigt eine leichte Belebung." Unter dem Strich fielen die inländischen Bestellungen damit im Gesamtjahr lediglich um ein Prozent geringer aus als 1998. Die Auslandsorder zogen dagegen 1999 um elf Prozent an. Damit habe die weiter steigende "Exportrakete" dem Autojahr 1999 die eigentliche Prägung verliehen.

Insgesamt rollten im vergangenen Jahr 5,31 Millionen Pkw und Kombi in Deutschland von den Bändern, ein Prozent weniger als 1998. Der Export legte dagegen um fünf Prozent auf einen neuen Rekord von 3,44 Millionen Personenwagen zu. Damit erhöhte sich die Exportquote auf annähernd 65 Prozent. Einschließlich Nutzfahrzeuge wurden in Deutschland 5,69 Millionen Kraftwagen hergestellt.

Ein ähnliches Bild erwartet der VDA für 2000. Nur wenig sinkende Zulassungszahlen auf dem deutschen Markt, stattliche Geschäfte in Europa und ein leicht rückläufiges Niveau in den USA seien die "Fixpunkte", so Gottschalk.