Freitag, 19. Juli 2019

Selbstanzeige Steuerflucht nach vorn

3. Teil: Straffreiheit bei Selbstanzeige

Obwohl die Steuerberater keinen Fall pauschalisieren wollen, raten sie ihren Kunden in der Regel nicht ganz uneigennützig, ihre ausländischen Schwarzgeldkonten gegenüber den deutschen Steuerbehörden rasch offenzulegen. Denn so kommt man straffrei davon. Eine Selbstanzeige ist allerdings nicht ganz ungefährlich, weshalb es sich in den meisten Fällen empfiehlt, einen Fachmann zurate zu ziehen. Das erste Beratungsgespräch kostet gemäß Böhm bei einem solchen maximal 190 Euro plus Umsatzsteuer. Danach sind die wichtigsten Punkte oftmals schon geklärt.

Strafsteuern: Vom offengelegten Betrag bleiben in der Regel etwa zwei Drittel übrig
So setzt eine korrekte Selbstanzeige etwa voraus, dass man die ausstehenden Steuerschulden inklusive Zinsen in der Höhe von 6 Prozent für jedes Hinterziehungsjahr innerhalb kürzester Zeit zurückzahlen kann. Denn sonst droht trotz guten Willens ein strafrechtliches Verfahren. Zudem sollte man die nicht versteuerten Erträge bei der Selbstanzeige genau deklarieren, oder wenigstens großzügig schätzen. Stellt sich nämlich im Nachhinein heraus, dass die Einkünfte höher waren, dann gilt die Straffreiheit lediglich für den angegebenen Betrag. Darüber hinaus sollte man die hinterzogenen Gelder keinesfalls der Polizei melden, sondern einzig dem zuständigen Steueramt. Das Schreiben sollte man dabei nicht als "Selbstanzeige", sondern beispielsweise als "Berichtigungserklärung" deklarieren. Denn Ersteres könnte unter Umständen eine Strafverfolgung auslösen.

Unnütz ist die Selbstanzeige, wenn das Vergehen bereits von den Behörden entdeckt wurde. Manche Anwälte raten allerdings auch nach Auffliegen der Tat zur Selbstanzeige, da dies strafmildernd wirken kann.

Von dem Geld, das man beim Steueramt nach zehn Jahren nachdeklariert, bleibt gemäß den Steuerexperten üblicherweise zwischen 50 und 90 Prozent übrig. Im Schnitt geht laut Böhm rund ein Drittel, des Vermögens an den Staat. In besonders schweren Fällen, etwa wenn das Geld in sogenannten schwarzen Fonds angelegt wurde, welche die Erträge nicht veröffentlichen, kann allerdings auch der gesamte Betrag flöten gehen.

Trotz hoher Einbußen wählen in Deutschland immer mehr Menschen die Flucht nach vorne. Denn nach dem Verfahren, das im günstigsten Fall ein knappes halbes Jahr dauert, können sie endlich wieder ruhig schlafen. Denn aufgeflogen ist man schnell, und das nicht nur wegen einer Anzeige durch Neider, geprellte Geschäftspartner oder den Ex-Frauen oder -Männern. Auch dürfte es nach dem Datenklau in Liechtenstein viele Bankmitarbeiter geben, die heiße Daten für viel Geld an die Behörden verkaufen wollen. Ist man erst einmal entlarvt, drohen in schweren Fällen sechs Monate bis zehn Jahre Haft sowie hohe Geldstrafen. Unbedingte Haftstrafen werden in der Regel ab einem hinterzogenen Betrag von über einer Million Euro verhängt.

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