Hessen-CDU Flick-Geld in der Schweiz gebunkert?

Die hessische CDU hat 1983 etwa zehn Millionen Mark mehr Schwarzgeld ins Ausland geschafft als bislang bekannt. Das gab Ministerpräsident Roland Koch überraschend in Wiesbaden bekannt.

Stuttgart - Die Herkunft des Geldes sei nach wie vor unklar. Zum Zeitpunkt des Transfers war der spätere Ministerpräsident Walter Wallmann CDU-Vorsitzender.

Danach wurden im Dezember 1983 rund 19,2 Millionen Mark in bar von einem Parteikonto bei der Frankfurter Metallbank abgehoben. 1,5 Millionen Mark davon seien im Kreislauf der hessischen CDU geblieben und in den Büchern korrekt ausgewiesen worden. Der größte Teil des Restbetrags wurde in die Schweiz auf Personenkonten des früheren CDU- Steuerberaters Horst Weyrauch transferiert.

Ob es sich um den kompletten Restbetrag handele, sei derzeit nicht klar, da noch Kontounterlagen aus den Jahren 1983 bis 1986 fehlten. Weiteren Aufschluss solle ein Bericht Weyrauchs am Freitag geben.

Der frühere Generalsekretär und Landeschef der Partei, Manfred Kanther, hatte vor rund zwei Wochen von "sieben bis acht" Millionen Mark gesprochen. Dies sei offensichtlich falsch, sagte Koch.

Die jetzt angegebenen Summen hätten sich aus der Prüfung der Konten bei der Frankfurter Metallbank ergeben, sagte Koch. Der frühere CDU- Steuerberater Weyrauch habe sogar von rund 20 Millionen Mark gesprochen. Woher das ins Ausland geschaffte Geld kam, könne er noch nicht beantworten, meinte Koch.

Es habe zwischen 1982 und 1983 - dem Jahr der Überweisung - eine stark angewachsene Wahlkampfkostenerstattung gegeben. Er schließe aber weiter nicht aus, dass Mittel aus der "Staatsbürgerlichen Vereinigung" der Flick- Spenden-Affäre geflossen seien.

In dem Zusammenhang mit dem Schwarz-Konto der Hessen-CDU hat die Staatsanwaltschaft Wiesbaden ein Ermittlungsverfahren gegen den früheren Bundesinnenminister und CDU-Landeschef Manfred Kanther wegen des Verdachts der Untreue eingeleitet. In Hessen waren bislang lediglich der frühere CDU-Schatzmeister Casimir Prinz Sayn-Wittgenstein und der Finanzberater der Partei, Horst Weyrauch, ins Visier der Strafverfolgungsbehörden geraten.