DaimlerChrysler Eaton tritt ab, Schrempp ist am Ziel

Co-Chef Robert Eaton gibt Ende März wie erwartet seinen Posten ab. Damit wird der 55 Jahre alte Jürgen Schrempp den transatlantischen Automobilkonzern mit seinen 460.000 Mitarbeitern alleine führen.

Auburn/Stuttgart - Jürgen Schrempp ist am Ziel. Am 1. April wird der 55-Jährige allein den DaimlerChrysler-Konzern, das zweitgrößte Automobilunternehmen der Welt, führen. Robert Eaton, der seit November 1998 gemeinsam und gleichberechtigt mit Schrempp das transatlantische Unternehmen leitete, gab am Mittwoch kurz vor seinem 60. Geburtstag am 13. Februar bekannt, "dass jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen ist, in den Ruhestand zu gehen".

Ein wenig Ärger gab es dennoch. Mit der Ankündigung, auch DaimlerChrysler werde sich künftig auf sein Kerngeschäft konzentrieren, vornehmlich Autos bauen und sich von anderen Bereichen trennen, hatte Eaton vor wenigen Tagen noch für Stirnrunzeln in Stuttgart gesorgt.

Für Auburn wiederum war Eaton Garant dafür, daß die Deutschen den US-Autobauer nicht im Handstreich übernehmen - wichtig für das Selbstbewusstsein der amerikanischen Führungskräfte, deren Exodus zur Konkurrenz die Geschäfte des fusionierten Konzerns stark getroffen hätte.

Für Eaton ist der Zusammenschluss "erfolgreich geschafft". Ganz überraschend kam dieser Rücktritt allerdings nicht, denn Eaton selbst hatte im Mai 1998, bei der überraschenden Bekanntgabe der Fusion verkündet: "Es kann mittelfristig nur einen Chef geben - und der heißt Jürgen Schrempp".

Der Abgang Eatons ist für die Fachwelt der letzte Schritt" zurück zur Normalität", nachdem der Zusammenschluss von Daimler-Benz und Chrysler in einer Rekordzeit von 200 Arbeitstagen im November 1998 bewältigt war. Die Integration stand im Oktober 1999. Und das schwierige Kapitel der Vorstands- und Organisationsstruktur hatten Eaton und Schrempp im November 1999 erfolgreich abgehakt.

Jetzt war es Zeit, die Führung des Riesenkonzerns in eine einzige Hand zu legen. All dies lief zwischen Schrempp und Eaton ohne Knirschen. Beide verstehen sich gut und waren von Beginn der Fusion an Freunde.

Für Schrempp, der bei DaimlerChrysler als junger Ingenieur begann und am 28. Mai 1995 Edzard Reuter ablöste, ist somit ein wichtiges Etappenziel erreicht. Dass Schrempp immense Durchsetzungskraft hat, was er künftig mehr denn je brauchen wird, hat er in den vergangenen Jahren bewiesen.

Er hat den alten Daimler-Benz-Konzern umgekrempelt, sich von Verlustbringern wie AEG und Fokker getrennt. Auch seine Kritiker räumen ein, dass er es geschafft hat, zunächst Daimler-Benz und später zusammen mit Bob Eaton den DaimlerChrysler-Konzern zum führenden Autounternehmen der Welt zu machen. Die Zahlen können sich sehen lassen. DaimlerChrysler ist heute an der Börse mit einem Wert von über 70 Milliarden US-Dollar bewertet. Das heißt, der transatlantische Konzern ist die Nummer Zwei nach Toyota. Auch der Operating Profit stimmt. Finanzanalysten erwarten für das Geschäftsjahr 1999 rund 20 Milliarden Mark, das wären drei Milliarden mehr als im Vorjahr.

Der Autonarr Eaton strebt nach seinem Ausscheiden bei Chrysler keinen neuen Vollzeitjob bei einem anderen amerikanischen Unternehmen an. Er will jagen, fischen und Golf spielen, wie er gut gelaunt kurz nach seiner Rücktrittserklärung vor Journalisten sagte. Er strebt auch keinen Aufsichtsratsposten im DaimlerChrysler-Konzern an. Das Haus DaimlerChrysler sieht er unter der Führung von seinem "Freund Jürgen" bestens bestellt: Die Modell-Pipeline sei voll.

Auch Eaton hat sein Ziel erreicht. Er wollte den drittgrößten Autohersteller Chrysler, den er seit 1993 führte, zu einem weltweit führenden Autokonzern machen. Dies war ihm im Mai 1998 mit der Verschmelzung gelungen. Das Rekordjahr 1999 des DaimlerChrysler-Konzerns mit einem Umsatz von 148 Milliarden Euro gab ihm Recht.

Mit dem Ausscheiden von Bob Eaton aus dem DaimlerChrysler-Vorstand wird dieses Gremium künftig 13 Mitglieder umfassen. Für Eaton nunmehr "ein perfektes Team von amerikanischen und deutschen Managern, die alle an einem Strang ziehen".

"DaimlerChrysler hat das Ziel, das beste Automobil- und Transportunternehmen der Welt zu werden", rief er den versammelten Managern bei seiner Abschiedsrede zu. Jürgen Schrempp gefiel das ganz gut, denn diese Herausforderung nimmt der künftige DaimlerChrysler-Boss sicherlich gerne an.