Donnerstag, 17. Oktober 2019

Ludwig von Mises Der nicht mit den Wölfen heulte

2. Teil: "Es ist uns eingeboren, dass wir das Glück suchen"

"Man kann Mises' Bedeutung für die Ökonomie und die Sache der Marktwirtschaft nicht verstehen, wenn man sich nicht mit seiner Widerlegung des Sozialismus befasst", schreibt Detmar Doering, Leiter des Liberalen Instituts der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Potsdam, in seiner Einleitung der im vergangenen Herbst erschienenen Neuauflage des Buches "Vom Wert der besseren Ideen".

Ludwig von Mises: "Vom Wert der besseren Ideen. Sechs Vorlesungen über Wirtschaft und Politik."; Olzog - Aktuell, Dezember 2008, 142 Seiten, 19,90 Euro.
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Das Buch, dessen Originalausgabe 1979 von Mises' Frau Margit herausgegeben worden war, bündelt sechs Vorlesungen, die der Ökonom Ende der 50er Jahre nach dem ersten Sturz Juan Peróns in Buenos Aires gehalten hatte.

Neben der bereits erwähnten Kritik am Sozialismus sprach von Mises vor den argentinischen Studenten unter anderem über die kapitalistischen Grundprinzipien, die "Segnungen" staatlicher Einmischung und die Gefahren der Inflation, gerade in Zeiten wie diesen eine durchweg lohnende Lektüre. Denn auch wenn - so schrieb es die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in einer Rezension - die Ausführungen "bisweilen etwas befremdlich" wirkten, sei es "wohltuend, sich mit Mises' klaren Gedanken auseinanderzusetzen".

An Klarheit lässt es von Mises in seinen Vorlesungen wahrlich nicht mangeln: "Die berühmte alte Geschichte, […] dass die Fabriken Frauen und Kinder beschäftigten, und dass die Frauen und Kinder, bevor sie anfingen in Fabriken zu arbeiten, unter befriedigenden Verhältnissen gelebt hätten, ist eine der größten Geschichtsverfälschungen. Die Mütter, die in den Fabriken arbeiteten, hatten nichts zu kochen. […] Und die Kinder kamen nicht aus bequemen Kinderzimmern, sie hungerten und starben."

Doch von Mises, bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1938 Hochschullehrer und Direktor der Österreichischen Handelskammer in Wien und von 1934 bis 1940 Professor am Institut des Hautes Études in Genf, konnte nicht nur scharf, sondern auch philosophisch argumentieren. "Die Wissenschaft beantwortet alle Fragen, die das Leben stellt; sie schweigt nur, wenn die Frage aufgeworfen wird, ob das Leben wert ist, gelebt zu werden", stellt er im Schlusswort der "Gemeinwirtschaft" fest. Und weiter: "Es ist uns eingeboren, dass wir nicht leiden wollen, dass wir unbefriedigt sind und nach Behebung des Unbefriedigtsein streben, dass wir das Glück suchen."

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