Übernahmeangebot Zweiwochenfrist für HRE-Aktionäre

Der Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin hat den Aktionären der angeschlagenen Bank Hypo Real Estate ein offizielles Übernahmeangebot gemacht. Den Eignern bleiben zwei Wochen Zeit, das Angebot anzunehmen. In einem nächsten Schritt könnte ihnen die Enteignung drohen.

Berlin - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat den Weg für eine Verstaatlichung des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE)  frei gemacht. Der Staat machte am Freitag allen Aktionären ein Übernahmeangebot zum Preis von 1,39 Euro pro Aktie.

Die Behörde habe das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot der Bundesrepublik Deutschland an die Aktionäre genehmigt, teilte der Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin mit. Der Preis beinhalte eine Prämie von rund 10 Prozent auf den gesetzlichen Mindestpreis von 1,26 Euro. Die Annahmefrist beginnt am Freitag und endet am 4. Mai 2009.

Angestrebt wird der Erwerb von 100 Prozent der Anteile, eine Mindestannahmeschwelle existiert nicht. Sollten die Aktionäre nicht auf das Angebot eingehen, will der Bund die Bank verstaatlichen - dann aber zum gesetzlichen Mindestpreis von 1,26 Euro. Fraglich ist vor allem, ob der Großaktionär J. C. Flowers seinen Anteil von knapp 22 Prozent freiwillig abgibt. Andernfalls droht ihm eine Enteignung. Diesen Schritt will die Bundesregierung aber eigentlich vermeiden.

Der Bund hat die milliardenschwere Rettung der HRE verteidigt. Eine Insolvenz des Instituts hätte angesichts seiner Größe "substanzielle und kaum abschätzbare" Effekte auf die Interbanken- und Pfandbriefmärkte sowie auf die Vermögens- und Ertragslage diverser anderer Finanzinstitutionen gehabt, hieß es in der am Freitag veröffentlichten Angebotsunterlage des Soffin.

Zudem hätte eine Pleite einen "gravierenden Vertrauensverlust" an den nationalen und internationalen Finanzmärkten zur Folge gehabt, da die Bereitschaft des Bundes zur Rettung sämtlicher deutscher Banken in Frage gestellt worden wäre.

Die HRE ist einer der größten Pfandbriefemittenten in Deutschland. Sie hat über 88 Milliarden Euro an Pfandbriefen im Umlauf, deckt also mehr als 10 Prozent des gesamten deutschen Marktes ab. Auch im Derivatehandel ist die HRE ein signifikanter Marktteilnehmer: Ende 2008 hatte das Derivatebuch ein Volumen von nominal 900 Milliarden Euro, wie aus der Angebotsunterlage hervorgeht. Ende des vergangenen Jahres wurden zudem 47 Milliarden Euro an unbesicherten Anleihen von Investoren gehalten.

Die HRE wird mit 102 Milliarden Euro Garantien künstlich am Leben gehalten. Rund die Hälfte der Summe kommt vom Bund, den Rest stellten andere Banken zur Verfügung. Der Bund will die HRE nun komplett in seinen Besitz bringen und hat den Aktionären ein Übernahmeangebot gemacht.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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