Fischer-Kolumne Unfallschäden steuerlich absetzen

Bei einem Unfall sind die gesundheitlichen Folgen natürlich die schlimmsten. Doch auch die finanziellen Belastungen können schmerzhaft sein. Da ist es gut, zu wissen, in welchem Maß man Unfallschäden zumindest von der Steuer absetzen kann. Die Faustregel hiefür lautet: Ist die Fahrt steuerlich absetzbar, können auch die bei dieser Fahrt entstandenen Unfallkosten geltend gemacht werden.
Von Hartmut Fischer

Unfälle bei Fahrten zwischen Wohnung und Betrieb

Hier hat die inzwischen zurückgenommene Änderung der Entfernungspauschale für ein wenig Verwirrung gesorgt. Denn zunächst galt bis 2006, dass Aufwendungen aufgrund der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte oder der Heimfahrten im Rahmen der doppelten Haushaltsführung als Werbungskosten absetzbar waren. Dazu gehörten auch die Kosten, die durch einen Unfall auf diesen Fahrten entstanden. 2007 wurde dann die Entfernungspauschale neu gefasst und gleichzeitig die Absetzbarkeit der Unfallkosten als Werbungskosten abgeschafft. Aufgrund der "Ohrfeige", die der Gesetzgeber jedoch vom Bundesverfassungsgericht erhielt, wurde zwischenzeitlich das "Gesetz zur Fortführung der Gesetzeslage 2006 bei der Entfernungspauschale" die alte Gesetzeslage wieder hergestellt.

Wer deshalb in 2007 oder 2008 einen Verkehrsunfall auf der Fahrt zur Arbeit erlitten hat, sollte - auch bei einem bereits rechtskräftigen Steuerbescheid - einen formlosen Antrag bei dem für ihn zuständigen Finanzamt stellen und darin die Schadenskosten geltend machen.

Unfälle auf Dienstfahrten

Bei einer Dienstfahrt (Fahrt aus beruflicher Veranlassung) sind Schäden, die durch Unfall, Beschädigung oder Diebstahl entstehen, steuerlich als Werbungskosten absetzbar. Als beruflich veranlasste Fahrt gilt eine Fahrt, wenn sie mit der Entfernungs- oder Dienstreisepauschale beziehungsweise mit dem tatsächlichen Kostensatz pro Kilometer abgesetzt werden kann.

Normalerweise gilt für eine beruflich verursachte Fahrt immer der kürzeste beziehungsweise übliche Weg. Bei Umwegen kommt es darauf an, ob diese beruflich veranlasst sind. Liegt keine berufliche Veranlassung vor, können Unfallkosten, die sich auf der Umwegstrecke ereignen auch nicht steuerlich geltend gemacht werden. Häufige Umwegfahrten, die nicht anerkannt werden können, sind beispielsweise:

  • Umweg, um Kinder in die Schule oder den Kindergarten zu bringen (dabei spielt es keine Rolle, dass die Tätigkeit nur ausgeübt werden kann, wenn das Kind im Kinderhort betreut wird).
  • Umweg, um im Supermarkt einzukaufen (das gilt allerdings nicht, wenn im nahegelegenen Supermarkt gleichzeitig getankt wird).

Kegelabend und höhere Gewalt

Durch private Unterbrechungen kann die berufliche Fahrt auch komplett beendet werden. Wenn Sie beispielsweise von der Arbeit aus direkt zu einer privaten Feier, dem Stammtisch oder Kegelabend fahren, wird die dienstlich veranlasste Fahrt nicht für einen Umweg unterbrochen sondern beendet, weil das private Ereignis die Fahrt so stark prägt, dass der restliche Teil als Privatfahrt angesehen wird.

Wenn Sie von Ihrem Partner zur Arbeit gefahren oder von dort abgeholt werden, gelten die Leerfahrten grundsätzlich als privat veranlasst, weil dadurch das Fahrzeug dem Partner zur Verfügung steht. Anders kann dies gesehen werden, wenn Sie der Partner aufgrund einer Dienstreise oder doppelten Haushaltführung zu einem öffentlichen Verkehrsmittel fährt, das notwendig ist, um die Dienstreise anzutreten beziehungsweise den zweiten Haushalt zu erreichen.

Nicht anerkannt werden auch Unfälle, die durch Alkoholeinfluss, grob fahrlässig oder vorsätzlich entstanden sind. Auch wenn diese Tatbestände nicht vorliegen, können Verwarnungsgelder oder Geldbußen, die im Zusammenhang mit einem Verkehrsverstoß auf einer Dienstfahrt stehen, nicht steuerlich abgesetzt werden.

Wenn das Fahrzeug während der Dienstzeit beschädigt wird

Die berufliche Fahrt beginnt entweder mit dem Verlassen und der Rückkehr zur Wohnung oder dem Verlassen und der Rückkehr zum Arbeitsplatz (Dienstreise). Schäden, die innerhalb dieses Zeitraums entstehen, sind deshalb steuerlich absetzbar. Das gilt also auch für Schäden, die am Fahrzeug beispielsweise auf dem Firmenparkplatz oder in einem Parkhaus während eines Kundenbesuches verursacht werden. Zieht sich eine Dienstreise über mehrere Tage, gelten auch die Übernachtungen zur beruflich veranlassten Fahrt.

Wenn das Fahrzeug nahezu ausschließlich dienstlich genutzt wird

Wird ein Fahrzeug zu über 90 Prozent dienstlich genutzt, gilt es als Arbeitsmittel, bei dem Schäden auch dann als Werbungskosten abgesetzt werden können, wenn sie während der Nichtbenutzung eintreten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Fahrten zwischen der Wohnung und der Arbeitsstätte oder etwaige Heimfahrten bei einer doppelten Haushaltsführung nicht zu der dienstlichen Nutzung gezählt werden. Machen diese Fahrten also schon 10 Prozent der Gesamtfahrleistung aus, kann das Fahrzeug nicht als Arbeitsmittel gesehen werden.

Bei einem Unfall, der während einer rein privaten Fahrt entsteht, können die Kosten nicht geltend gemacht werden, auch wenn die Privatfahrten weniger als 10 Prozent der Gesamtfahrten ausmachen.

Höhere Gewalt

Schäden die durch Naturereignisse (Hagel, Hochwasser, Sturm) oder andere Einflüsse der höhen Gewalt (etwa einen Brand) entstehen, werden anteilmäßig den dienstlichen Fahrten zugerechnet. Das gilt auch dann, wenn der Schaden außerhalb einer beruflich veranlassten Fahrt entstanden ist, weil er nicht allein dem privaten Bereich zugeordnet werden kann. Angenommen Sie haben eine jährliche Kilometerleistung von 50.000 km zu verbuchen, wovon 35.000 km dienstlich veranlasst sind. Dann können Sie bei Schäden höherer Gewalt die entstandenen Kosten zu 70 Prozent steuerlich geltend machen.

Schäden am Firmenwagen

Schäden am Firmenwagen

Bei Firmenfahrzeugen werden die Kosten für Beschädigungen meist vom Arbeitgeber übernommen. Doch Sie müssen ja den Nutzungswert versteuern. Es bleibt also die Frage offen, wie sich der Unfall auf die Versteuerung des geldwerten Vorteils auswirkt.

Bei der 1-Prozent-Methode gingen die Finanzbehörden bisher davon aus, dass sich ein Schaden während einer dienstlichen Fahrt nicht auf den Nutzungswert des Fahrzeuges auswirkt. Auch bei einem Schaden, der während der Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsplatz oder bei einer Privatfahrt entstand, waren die Leistungen des Arbeitgebers ebenfalls über die 1-Prozent-Methode als "gewollte Pauschalierung des Gesetzgebers" abgegolten.

Das war einmal! Leider hat der Bundesfinanzhof inzwischen entschieden, dass die Unfallkosten nicht durch die 1-Prozent-Methode abgegolten werden. Das hat zur Folge, dass die Kosten zur Behebung eines Unfallschadens, der während einer Privatfahrt oder eine Fahrt zwischen Arbeitsstätte und Wohnung entstand, als geldwerter Vorteil angesehen werden, wenn der Arbeitgeber diese Kosten übernimmt und nicht von Ihnen zurückverlangt. Dieser Vorteil ist dann zusätzlich als Arbeitslohn zu versteuern.

Das Gleiche gilt auch bei dienstlichen Fahrten, wenn der Fahrer alkoholisiert fährt oder grab fahrlässig beziehungsweise vorsätzlich einen Unfall herbeiführt.

Bei der Fahrtenbuchmethode gehören auch die Schadenskosten zu den Gesamtkosten des Dienstwagens. Dadurch führen die Unfallkosten zu einem höheren privaten Nutzwert, der versteuert werden muss. Ob der Unfall auf einer dienstlichen oder privaten Fahrt entstanden ist, spielt dabei keine Rolle. Ein Abzug des erhöhten Nutzwertes als Werbungskosten ist ebenfalls ausgeschlossen, da der erhöhte Nutzwert vom Fiskus nicht als Unfallfolge sondern als Folge der Bewertung der Fahrzeugüberlassung angesehen wird.

Verlangt der Arbeitgeber, dass Sie Schäden selbst tragen, die während einer dienstlichen Fahrt oder eine Fahrt zwischen Arbeitsstätte und Wohnung entstanden sind, können Sie diese Kosten allerdings als Werbungskosten absetzen.

Bei Fahrten in alkoholisiertem Zustand oder bei einem grob fahrlässigen beziehungsweise vorsätzlichen Verhalten hat der Arbeitgeber grundsätzlich einen Anspruch auf Ersatz der Unfallkosten, gleichgültig, ob die Fahrt dienstlicher oder privater Natur war. Verzichtet er darauf, ist dies ein geldwerter Vorteil, den Sie versteuern müssen, ohne diesen Vorteil als Werbungskosten absetzen zu können.

Unfall mit einem geliehenen Fahrzeug

Fahren Sie mit einem geliehenen Fahrzeug zur Arbeit, müssen Sie Unfallschäden fast immer auf Ihre Kosten beheben lassen oder den Schaden ersetzen. Die dadurch entstandenen Aufwendungen können Sie als Werbungskosten absetzen. Auch bei Bagatell- oder Totalschäden, die nicht behoben werden, sind nur tatsächlich geflossene Zahlungen für die Wertminderung absetzbar. Eine Absetzung für außergewöhnliche Abnutzung (AfaA) ist nicht möglich. Diese Regelung gilt auch bei Partnern einer nicht ehelichen Lebensgemeinschaft.

Bei Eheleuten hingegen muss keine direkte Zahlung erfolgen, wenn der eine Partner mit dem Fahrzeug des anderen bei einer beruflich bedingten Fahrt einen Unfall hatte. Hier ist auch eine AfaA möglich.

Sonstige absetzbare Fahrten

Haben sich die Kinder das Auto der Eltern geliehen, um beispielsweise zur Berufsschule oder zur Arbeit zu fahren, können weder Eltern noch Kinder die Kosten eines Unfalls steuerlich absetzen. Für die Eltern - die die Kosten tragen - liegt keine beruflich veranlasste Fahrt vor und den Kindern sind keine Kosten entstanden.

Sonstige absetzbare Fahrten

Es gibt auch noch andere Fälle, in denen die Unfallkosten steuerlich geltend gemacht werden können. Der Grundsatz, dass die Unfallkosten rechtlich wie die Fahrkosten zu behandeln sind, gilt auch für Fahrten, die als Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden können.

So sind die Fahrten während einer erstmaligen Berufsausbildung oder eines Erststudiums zu Ausbildungs- oder Studienstätte Ausbildungskosten, die bis zu einem Maximalbetrag von 4000 Euro als Sonderausgaben absetzbar sind. Unfallkosten, die auf diesen Fahrten entstehen, können ebenfalls abgesetzt werden.

Fahrten zum Steuerberater oder zum Finanzamt (zur Klärung steuerlicher Fragen) können als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgesetzt werden, wenn sie in Zusammenhang mit Einkünften bestehen. Soll die Steuererklärung lediglich beim Finanzamt abgegeben werden, ist jedoch kein Abzug möglich. Ein Sonderausgabenabzug ist seit 1. Januar 2006 grundsätzlich nicht mehr möglich.

Fahrten, die als außergewöhnliche Belastungen angesehen werden, sind beispielsweise Fahrten

  • im Zusammenhang mit der Ehescheidung (beispielsweise Fahrten zum Anwalt oder zum Gericht zur Wahrnehmung des Scheidungstermins.
  • im Rahmen der Wiederherstellung der Gesundheit (Arzt, Apotheke, Massage)
  • zu Beginn und Ende eines Krankenhausaufenthalts (An- und Abreise)
  • zur Kur, wenn der Fahrer aufgrund einer Behinderung oder Krankheit auf das Fahrzeug angewiesen ist.
  • mit einem nahen Angehörigen (Kind oder Ehegatte) zur Heilbehandlung. Kann dem Fahrer aufgrund der Länge der Behandlung nicht zugemutet werden, dass er das Ende abwartet, sind auch die Leerfahrten für eine zwischenzeitliche Heimfahrt hiervor erfasst.

Auch Unfallkosten bei behinderungsbedingten Fahrten sind zusätzlich zu den Kosten für die Fahrten nach absetzbar. Bei Behinderten mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 80 oder mindestens 70 und dem Merkzeichen "G" (erhebliche Bewegungsunfähigkeit im Straßenverkehr) im Ausweis, wird eine Fahrleistung von mindestens 3000 km anerkannt.

Behinderte mit dem Merkzeichen "aG" (außergewöhnliche Gehbehinderung), "H" (hilflose Person) oder "Bl"(blinde Person) dürfen neben den behinderungsbedingten auch andere private Fahrten bis zu einer nachgewiesenen Fahrleistung von 15.000 km mit der Dienstreisepauschale absetzen.

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