US-Banken Wie lang hält das Frühlingserwachen?

Jüngste Nachrichten von US-Banken wirken wie das ersehnte Frühlingserwachen. Die Stunde der Wahrheit jedoch schlägt in der Woche nach Ostern, wenn die Institute ihre Quartalszahlen vorlegen. Analysten erwarten bessere Ergebnisse. Kritiker der neuen Bilanzregeln aber warnen bereits vor der nächsten Krise.

New York - Gerade rechtzeitig zu Ostern keimt in der US-Bankenbranche Hoffnung auf neues Leben nach der Finanzkrise. Erste Häuser zahlen staatliche Kapitalspritzen zurück und die führenden Banken des Landes haben Medienberichten zufolge den "Stress-Test" der Regierung zu ihrer Überlebensfähigkeit im Prinzip bestanden. Die Stunde der Wahrheit schlägt aber nach den Feiertagen, wenn die meisten Finanzkonzerne ihre Zahlen zum ersten Quartal vorlegen.

Ein unerwartetes Ostergeschenk machte die zu den führenden US- Instituten zählende Großbank Wells Fargo den Anlegern. Weil sie im ersten Quartal einen Rekordgewinn von drei Milliarden Dollar einfuhr, zog die Bank stolz die Bekanntgabe erster Zahlen vor. "Unser Geschäft ist gut in Schwung", sagte Chef John Stumpf. Die Börsen auf beiden Seiten des Atlantiks legten prompt einen Freudensprung hin.

Nagelprobe beginnt mit Goldman Sachs am Dienstag

Einige Top-Banken hatten zuletzt ebenfalls signalisiert, dass es zu Jahresbeginn etwas besser gelaufen sei. Im Schnitt erwarten Analysten für den US-Finanzsektor im ersten Quartal zwar 33 Prozent niedrigere Gewinne als vor einem Jahr. Dies wäre aber immerhin weniger schlecht als der Schnitt aller Branchen mit einem Minus von knapp 37 Prozent, wie Thomson Financial ermittelte.

Die erste Nagelprobe steht am Dienstag Goldman Sachs  bevor. Zuletzt war die Investmentbank erstmals seit dem Börsengang vor zehn Jahren in die roten Zahlen gerauscht. Nun sagen Experten wieder einen klaren Gewinn vorher. Den soll es am Donnerstag auch bei JPMorgan geben. Trotz eines heftigen Gewinneinbruchs steuert der Tanker bisher besser durch den Sturm als der große Rest der Branche.

Auch Bankenchefs müssen um ihre Posten zittern

Erneut tiefrote Zahlen sind dagegen laut Analysten am kommenden Freitag bei einem der größten Verlierer der Finanzkrise zu erwarten: Der einst weltgrößte Finanzkonzern Citigroup  kämpft weiter schwer, auch wenn sich Chef Vikram Pandit zuletzt optimistisch gab und der gebeutelten Aktie einen Schub bescherte. Höchste Zeit. Schon lange wird über die Zukunft des erst seit gut einem Jahr amtierenden Bosses spekuliert. Pandits Schicksal hängt auch von US-Präsident Barack Obama ab. Der Staat hält nach Milliardenhilfen inzwischen bis zu 36 Prozent an der Citigroup. Seit Obama vor zwei Wochen General-Motors-Chef Rick Wagoner absägte, müssen auch Bankenchefs zittern. Finanzminister Timothy Geithner drohte "außergewöhnlich" hilfsbedürftigen Banken offen mit einem Chefwechsel.

Die Branche nimmt die Warnschüsse aus dem Weißen Haus ernst. Wer immer kann, will erhaltene Staatsgelder alsbald zurückzahlen und so auch Washingtons Zugriff auf Strategie und Managerboni abschütteln. Allen voran ist Goldman Sachs die im Herbst eher unwillig angenommene Staatshilfe mehr als lästig. Inzwischen spricht Chef Lloyd Blankfein nur noch vom Zurückzahlen.

Wohl auch, um in Washington den politischen Boden für die Rückgabe zu bereiten, geißelte Blankfein die eigene Branche ungewohnt heftig: Die Banken seien durch ihr Versagen in der Krise "tief gedemütigt", einige Managergehälter seien "selbstsüchtig" und "gierig" gewesen. Blankfein selbst bekam zwar 2008 keine Prämie, hatte aber für das Jahr 2007 mit einem Bonus im damaligen Volumen von 67,9 Millionen Dollar einen Wall-Street-Rekord aufgestellt.

Kritiker warnen bereits vor der nächsten Krise

Ans Zurückzahlen denken aber längst noch nicht alle Banken. Im Gegenteil: Der "Stress-Test" zur Belastbarkeit der 19 größten Finanzhäuser ergab laut "New York Times" auch, dass eine ganze Reihe noch einen Nachschuss brauchen wird. Von einer Erholung auf breiter Front ist die Branche weit entfernt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet nach unbestätigten Berichten, das sich die Summe von Giftpapieren bei Banken und Versicherungen im Vergleich zu früheren Schätzungen auf vier Billionen Dollar verdoppeln könnte.

So mancher Analyst bremst zudem voreilige Freude über kommende bessere Bankenzahlen. Schon bald könnten einige Finanzhäuser von einer Lockerung der Bilanzregeln profitieren. Sie bekommen mehr Spielraum etwa bei der Bewertung fauler Papiere. Banken könnten sich damit "schönrechnen", schimpfen Kritiker und warnen bereits vor der nächsten Krise.

Roland Freund, dpa

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