Wirtschaftskrise Steinbrück warnt vor Inflationswelle

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück fürchtet bei einem Ende der Wirtschaftskrise eine weltweite Inflation. Denn die Staaten pumpten mit ihren Konjunkturprogrammen so viel Geld in den Markt, dass die Gefahr einer Überlastung der Kapitalmärkte und einer Inflation im Aufschwung drohe. Forderungen nach einem dritten Konjunkturpaket lehnt er entschieden ab.

Berlin - Kurzfristig gebe es kein Inflationsproblem, erklärte sagte der SPD-Politiker der "Bild"-Zeitung (Samstagausgabe). "Mittelfristig müssen wir uns aber darum kümmern, wie wir die Milliarden an Liquidität wieder aus der Welt bekommen, die wir jetzt in die Wirtschaft pumpen." Das werde eine besondere Herausforderung für alle Zentralbanken. Auch die Europäische Zentralbank müsse dann für Geldwertstabilität sorgen wie früher die Bundesbank.

"Wir sollten nicht schon wieder zappelig werden": Bundesfinanzminister Steinbrück erteilt dem Ruf nach einem dritten Konjunkturpaket eine Absage

"Wir sollten nicht schon wieder zappelig werden": Bundesfinanzminister Steinbrück erteilt dem Ruf nach einem dritten Konjunkturpaket eine Absage

Foto: REUTERS

Jetzt gebe es aber keine vernünftige Alternative zu klugen Investitionsprogrammen, sagte der Bundesfinanzminister weiter. Er verteidigte die Aufstockung der staatlichen Ausgaben für die Abwrackprämie auf fünf Milliarden Euro. Die Prämie wirke sehr gut und sorge für eine spürbare Stabilisierung einer der wichtigsten Leitindustrien: "Wegen der Prämie hat die deutsche Autoindustrie bisher keinen solchen Absturz erlebt wie in den USA."

Dem Ruf nach einem dritten Konjunkturprogramm erteilte Steinbrück aber eine entschiedene Absage. Diesen ständigen Überbietungswettbewerb lehne er ab: "Wir sollten abwarten, welche Kraft unsere bereits beschlossenen Maßnahmen entfalten und nicht schon wieder zappelig werden."

Unterstützung bekam Steinbrück von Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser und seinem Amtsvorgänger und Parteifreund Hans Eichel. Die Gewerkschaft Verdi erklärte dagegen, die bisherigen Konjunkturpakete reichten nicht aus.

Kannegiesser sagte der "Bild": "Was die Regierung bisher getan hat, kann sich sehen lassen. Es darf aber keine weiteren Konjunkturpakete geben. Das restliche Pulver muss trocken gehalten werden, um beispielsweise Entlassungen im Herbst sozial abzufedern."

Verdi fordert neues Konjunkturpaket

Ex-Finanzminister Eichel sagte in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa, das erste Konjunkturpaket habe außer bei der Abwrackprämie noch gar nicht wirken können. Dennoch werde schon über ein drittes Paket gesprochen. "Ich halte es für richtig, was die Bundesregierung, was die Kanzlerin, was der Finanzminister wollen: jetzt sehen, wie das wirkt und dann bilanzieren."

Verdi-Chef Frank Bsirske forderte dagegen weitere öffentliche Investitionen im Kampf gegen die Wirtschaftskrise. Es sei nicht auszuschließen, dass die Wirtschaft so stark schrumpfe wie zuletzt 1931/32, schrieb er in einem Beitrag für die in Dresden erscheinende "Sächsische Zeitung" (Samstagausgabe). "Gemessen daran reichen die bisherigen Konjunkturpakete nicht aus. Als das zweite geschnürt wurde, ging die Regierung von einer Prognose aus, die mittlerweile überholt ist."

Damit die Krise eingedämmt und eine schwere Depression verhindert werden könne, "brauchen wir deutlich mehr öffentliche Investitionen". "Das kostet Geld und wird kurzfristig zu neuen Schulden führen. Aber wer jetzt knausert, wird später einen wesentlich höheren Preis zahlen müssen."

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters