Henkel Die verkappte Gewinnwarnung

Zahlen vorzeitig verkündet, Anleger verprellt - auf diesen Nenner lässt sich der Donnerstag für Henkel bringen. In der Spitze verlor die Aktie zweistellig an Wert. Unternehmenschef Kasper Rorsted erklärt indes, 2009 sei kein verlorenes Jahr.

Düsseldorf - Der schwierige Start von Henkel  in das neue Geschäftsjahr 2009 hat die Henkel-Aktien am Donnerstag an der Börse zeitweise um mehr als zehn Prozent einbrechen lassen.

Sowohl die im wichtigsten deutschen Börsenindex Dax notiert Vorzugsaktie als auch die Stammaktie standen am Vormittag stark unter Druck. Der Düsseldorfer Konzern hat durch massive Rückgänge in seiner dominierenden Klebstoffsparte im ersten Quartal einen operativen Gewinneinbruch erlitten. Das geht aus vorläufigen Quartalszahlen hervor, die Henkel überraschend am Mittwochabend vier Wochen vor dem eigentlichen Termin bekanntgab. Händler sprachen von einer Gewinnwarnung. "Auch wenn der mittelfristige Ausblick bestätigt wurde, so liegen die angekündigten Quartalszahlen doch deutlich unter den Erwartungen", sagte ein Händler. Da passt es ins Bild, dass die Ratingagentur Moody's prüft, das Rating von Henkel herabzustufen.

Die Zahlen machen deutlich, dass auch der weltweit führende Klebstoffhersteller die Absatzkrise der Autoindustrie und anderer großer Industriezweige zu spüren bekommt. In den ersten drei Monaten ging das Betriebsergebnis (Ebit) um ein Drittel auf etwa 215 Millionen Euro zurück. Die Sparten Waschmittel (Persil, Spee) und Kosmetik (Schwarzkopf, Fa) steigerten zwar den operativen Gewinn. Das reichte jedoch bei weitem nicht aus, um den massiven Rückgang in der dominierenden Klebstoffsparte (Pritt, Pattex) auszugleichen.

Das Bild im Einzelnen. Der Konzernumsatz stieg im ersten Quartal 2009 nach vorläufigen Zahlen um etwa 3 Prozent auf rund 3,25 Milliarden Euro. Dieser Anstieg war aber Folge eines Großeinkaufs. Henkel hatte das Klebstoffgeschäft im April 2008 mit dem größten Zukauf in seiner mehr als 130-jährigen Firmengeschichte ausgebaut. Die Düsseldorfer übernahmen für eine Milliardensumme das US-Klebstoffunternehmen National Starch, das vorwiegend Industrieklebstoffe herstellt. Die Klebstoffsparte macht nun etwa die Hälfte des Konzernumsatzes aus. Bereinigt um Firmenzukäufe und -verkäufe sowie Wechselkurseffekte ging der Henkel-Umsatz im ersten Quartal 2009 um rund 7 Prozent zurück. Den Quartalsgewinn will Henkel am 6. Mai bekanntgeben.

In der Klebstoffsparte ging der Quartalsumsatz bereinigt um fast ein Fünftel zurück. Darin machten sich Nachfragerückgänge bei Industrieklebstoffen unter anderem für Autos und Elektronik bemerkbar. Andere Geschäfte wie Klebstoffe für Verpackungen sowie für Handwerker und Konsumenten entwickelten sich stabiler. Der operative Gewinn der Klebstoffsparte (Ebit) schrumpfte um mehr als zwei Drittel auf etwa 45 Millionen Euro. Dagegen steigerte die Waschmittelsparte den operativen Gewinn um etwa 5 Prozent auf 105 Millionen Euro. Der Waschmittelumsatz lag knapp unter dem Niveau des ersten Quartals 2008. Die Kosmetiksparte verbesserte den operativen Gewinn um 3,4 Prozent auf rund 90 Millionen Euro bei einem leichten Umsatzanstieg.

"Wir sind mit dem Start in das Jahr 2009 nicht zufrieden, wir haben aber die notwendigen Maßnahmen eingeleitet und verfügen über die notwendige Finanzkraft, um gestärkt aus dem nach wie vor schwierigen Umfeld hervorzugehen", erklärte Henkel-Chef Kasper Rorsted. 2009 werde aber kein verlorenes Jahr, sondern eine Etappe zum Erreichen der langfristigen Ziele sein. Er verwies auf das seit gut einem Jahr laufende Sparprogramm, das dauerhafte Einsparungen von 150 Millionen Euro pro Jahr bewirken soll. Allein in Deutschland fallen 1000 Arbeitsplätze weg. Nach Angaben eines Sprechers gibt es derzeit keine Kurzarbeit bei Henkel Deutschland. In den deutschen Klebstoffwerken seien in der Woche nach Ostern Betriebsferien vorgesehen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.