US-Banken Bilanzregeln werden aufgeweicht

Die USA verabschieden sich von der Bilanzierung zum Marktwert. Banken dürfen künftig illiquide Wertpapiere nach eigenem Gutdünken in ihren Büchern bewerten. Das soll die Abwärtsspirale aus Abschreibungen, Notverkäufen und Preisverfall stoppen. In Europa gelten bereits flexible Regeln, auch hier soll weiter gelockert werden.

New York - Angesichts der Finanz- und Wirtschaftskrise bekommen Banken und Unternehmen in den USA mehr Spielraum bei ihren Bilanzen. Die für Bilanzierungsstandards zuständige US-Organisation FASB hat die Regeln für die Bewertung etwa von faulen Wertpapieren am Donnerstag entscheidend gelockert. Besonders die Finanzbranche begrüßte die Aufweichung und erwartet nun unter dem Strich weniger Verluste. Kritiker warnen dagegen massiv vor weniger Transparenz.

Die für die Rechnungslegungsstandards zuständige Organisation FASB kündigte am Donnerstag an, ihre Regeln zu ändern und den Finanzinstituten mehr Flexibilität bei der Bewertung von Papieren in illiquiden Märkten einzuräumen. Die Regelung werde ab dem zweiten Quartal gelten, viele Banken könnten sie bereits für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres anwenden.

Besonders in der US-Finanzbranche rechnen Experten nun mit deutlich niedrigeren Abschreibungen, als bisher gefordert waren. So könnten Banken und Unternehmen geringere Verluste ausweisen oder mehr Gewinn machen. Die US-Börsen legten in einer ersten Reaktion klar zu. Aktien der Großbanken Citigroup  und Bank of America  gewannen zweistellig.

Zahlreiche Vertreter der Finanzbranche und Politiker in Washington hatten schon lange die Lockerung der Bestimmungen durch das FASB gefordert. Kritiker beklagen hingegen, so würden lediglich Verluste und Risiken verheimlicht.

Die bisherigen Regeln verlangten eine Bewertung der Investments zum gegenwärtigen Marktpreis ("mark-to-market-Regel"). Da es etwa für giftige Kreditpapiere in der Krise praktisch keine Käufer mehr gibt und der Preis damit gegen null geht, mussten Banken und Unternehmen drastische Abschreibungen vornehmen. Nun sollen sie bei der Bewertung neben dem Marktpreis auch eigene Modelle anwenden dürfen.

Analysten erwarten nun bereits für die in den nächsten Wochen vorliegenden Zahlen zum ersten Quartal deutlich bessere Zahlen der Banken als bislang erwartet. Viele Häuser mussten bisher in der Krise zweistellige Milliardensummen für faule Investments abschreiben.

In Europa sind Banken ähnliche Erleichterungen bereits seit dem vergangenen Jahr erlaubt. Auch deutsche Institute machten davon Gebrauch. Die für Europa verantwortliche Rechnungslegungsorganisation IASB werde in den nächsten Wochen zusammenkommen und weitere Lockerungen beschließen, hieß es in Branchenkreisen. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück machte in London beim Treffen der G20-Staaten deutlich, die prozyklische Wirkung der Bilanzierungsregeln solle abgeschafft werden. Weltweit einheitliche Standards gibt es nicht.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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