Schadensersatz Postbank verklagt Krisenbank IKB

Der IKB droht ein neuer Prozess. Nach Kleinaktionären und institutionellen Anlegern hat nun auch ein Postbank-Fonds die Mittelstandsbank und ihren Ex-Chef Stefan Ortseifen verklagt. Der Vorwurf: bewusste Vertuschung der Risiken am US-Hypothekenmarkt.

Düsseldorf - Eine Postbank-Tochter hat die angeschlagene Mittelstandsbank IKB  und ihren früheren Chef Stefan Ortseifen auf Schadensersatz verklagt. Die luxemburgische Fondsgesellschaft der Postbank  fordere wegen falscher Kapitalmarktinformationen rund 138.000 Euro, sagte ein Sprecher des Düsseldorfer Landgerichts am Dienstag.

Ein Verhandlungstermin für die Ende Februar eingegangene Klage stehe noch aus. Die Postbank, die vor knapp zwei Jahren Aktien der IKB gekauft hatte, wirft der Bank laut einem Bericht der "Wirtschaftswoche" vor, ihr die wahren Risiken aus den Investments im US-Hypothekenmarkt verschwiegen zu haben.

Ein Sprecher der Postbank sagte, die Klage sei aus formalen Gründen eingereicht worden, damit die Verjährungsfrist für die Schadensersatzforderungen nicht verstreiche. Eine IKB-Sprecherin wollte sich zu der Klage nicht äußern.

Die IKB war im Juli 2007 nach massiven Fehlspekulationen als erste deutsche Bank in den Sog der US-Immobilienkrise geraten. Ex-Vorstandschef Stefan Ortseifen musste zurücktreten, weitere Vorstände folgten. Ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket der Staatsbank KfW, des Bundes und privater Banken bewahrte die IKB vor der Pleite.

Die inzwischen an den US-Finanzinvestor Lone Star verkaufte Krisenbank streitet bereits mit hundert Kleinaktionären und institutionellen Anlegern vor dem Düsseldorfer Landgericht um Forderungen von insgesamt rund fünf Millionen Euro. Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe drohen laut IKB auch von einer amerikanischen Anlagegesellschaft.

Aus Angst vor weiteren Klagen hatte der Großaktionär in der vergangenen Woche auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine seit einem Jahr laufende Sonderprüfung gestoppt. Sie sollte mögliche Pflichtverletzungen von Vorstands- und Aufsichtsratsmitgliedern aufdecken. Nach dem Willen von Lone Star soll die Prüfung nun intern und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden.

Seit Ausbruch der Krise ermittelt die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft gegen mehrere Manager der Bank wegen Untreue und des Verdachts der Börsenmanipulation. Bereits anhängig ist am Landgericht Düsseldorf auch eine Klage des früheren Vorstandschefs Ortseifen gegen die IKB, mit der er sich gegen seine Entlassung unmittelbar nach Ausbruch der Krise zur Wehr setzen will.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und ddp