Sonntag, 16. Juni 2019

Robert Shiller Der Märkteversteher

Wenn jemand berufen ist, die aktuelle Finanzkrise zu erklären, dann ist es Robert Shiller. Er warnte frühzeitig vor dem drohenden Unheil. Einer der wichtigsten Gradmesser der Krise trägt seinen Namen. Und er entwickelte selbst neue Derivate, die im Lauf der Krise in Verruf gerieten. Sein Vorschlag: noch mehr Finanzinnovation.

Robert Shiller gründet seinen Ruhm bis heute vor allem auf zwei Worte. Der Wirtschaftsprofessor an der Yale-Universität, Spezialist für psychologische Finanzforschung, soll es gewesen sein, der dem damaligen Fed-Präsidenten Alan Greenspan 1996 die Worte vom "irrationalen Überschwang" einflüsterte.

 Robert J. Shiller , geboren am 29. März 1946, ist Professor für Ökonomie an der Yale-Universität in New Haven, US-Staat Connecticut. Er erforscht vor allem die Finanzmärkte. Zu seinen bekannten Werken zählen "Market Volatility" (1993), "Irrational Exuberance" (2000), "The Subprime Solution" (2008) und "Animal Spirits" (mit George Akerlof, März 2009).
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Robert J. Shiller, geboren am 29. März 1946, ist Professor für Ökonomie an der Yale-Universität in New Haven, US-Staat Connecticut. Er erforscht vor allem die Finanzmärkte. Zu seinen bekannten Werken zählen "Market Volatility" (1993), "Irrational Exuberance" (2000), "The Subprime Solution" (2008) und "Animal Spirits" (mit George Akerlof, März 2009).
Der Markt hat nicht immer Recht, lautete die Botschaft. Die Börsenkurse können die Bodenhaftung verlieren, weil die Masse der Anleger dem Herdentrieb folgt - und nicht rationalen Erwartungen von Gewinnchancen, wie die bislang in der Finanzlehre vorherrschende Theorie der effizienten Märkte behauptet. Derart instinktgetriebenes Handeln sei eher die Regel als die Ausnahme, erklärt Shiller.

"Animal Spirits" heißt das neue Buch, das Shiller gemeinsam mit dem Nobelpreisträger George Akerlof geschrieben hat. Der Titel ist eine Referenz an John Maynard Keynes, der seinerzeit mit diesen "tierischen Geistern" das Auf und Ab der Börse erklärte. Shiller und Akerlof sehen im heutigen Keynesianismus zu viel Glauben an die Vernunft der Marktakteure. Die Ökonomie als Wissenschaft müsse mehr Erkenntnisse aus der Psychologie aufnehmen, um das Verhalten der Menschen in der echten Wirtschaft erklären zu können.

Greenspan murmelte die beiden Worte "irrationaler Überschwang" zu einer Zeit in die Öffentlichkeit, als der gefährliche Aktienboom noch in den Anfängen steckte. Doch die heftige Reaktion besonders aus der Finanzbranche brachte ihn schnell dazu, seine Aussage zu widerrufen. Fortan begleitete Greenspan die rasant wachsende Spekulationsblase mit Schweigen.

Nicht so Shiller. Er blieb bei seiner Meinung, dass die Anleger, die in Scharen in überbewertete Technologieaktien strömten, wie die Lemminge blind auf einen Abgrund zurannten. Anfang 2000 dann brachte er die Warnung als Buch heraus - gerade noch rechtzeitig vor dem Crash von Nasdaq Börsen-Chart zeigen, Neuem Markt und Co.

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