Mittwoch, 24. Juli 2019

Robert Shiller Der Märkteversteher

3. Teil: Warum die Welt mehr Kreditderivate braucht

Beim Kauf von Finanzprodukten sei unabhängiger Rat vonnöten. Man solle sich also beim Hauskauf nicht auf das Urteil des Maklers verlassen, sein Vermögen nicht dem Bankberater anvertrauen und auf niemanden hören, der mit Provisionen am Verkauf von Fonds oder Versicherungen mitverdient. Verbraucherzentralen im großen Stil gewissermaßen müssten her. Bei deren Aufbau könne die Regierung helfen, ebenso wie mit der Einrichtung unabhängiger Prüfstellen für Finanzprodukte.

Am Abgrund der Märkte: Grund für geordneten Rückzug?
"Die jetzige Finanzkrise wird oft als ein Grund für einen geordneten Rückzug gesehen, für ein Zurück zur einfachen Finanzwelt von gestern", konstatiert Shiller. Das sei jedoch ein Fehler. "Im Gegenteil, diese Situation ist eine Gelegenheit, sich doppelt so stark um eine Verbesserung unserer Institutionen im Risikomanagement zu bemühen." Die Menschen sollten wirtschaftliche Risiken nicht scheuen, sondern eingehen - sich zugleich aber gegen die Folgen absichern.

Keineswegs solle man deshalb Finanzinnovationen wie Kreditderivate eindämmen oder gar verbieten. Wer ein Haus kaufe und auf steigende Preise hoffe, könne sich mit Indexzertifikaten gegen sinkende Preise in seiner Stadt absichern. "Solche Verträge könnten viel dazu beitragen, Hauseigentümer vor Überschuldung zu bewahren, sodass sie in ihren Häusern bleiben können", erklärt Shiller den Vorteil. Auch Staaten könnten ihre Bürger so gegen eine Rezession im eigenen Land versichern. Solch ein Markt funktioniere jedoch nur, wenn sich ein großer Teil der Bevölkerung daran beteilige.

Vom Erfolg dieser Vision würde Shiller allerdings auch geschäftlich profitieren. Er ist Mitgründer der Investmentfirma Macromarkets, die Futures auf den Case-Shiller-Index zum Handel an der Chicagoer Warenterminbörse anbietet. Bisher ist dieser Nischenmarkt jedoch nicht viel mehr als eine Spielwiese für Spekulanten. Insgesamt ist Shiller als Investor wenig erfolgreich. Er kreierte Fonds, die an den Ölpreis gekoppelt sein sollten. Doch die Konstruktion funktionierte nicht, Shiller und seine Anleger verloren Geld. Wohler fühle er sich ohnehin in der Wissenschaft, lässt Shiller wissen - auch wenn es dort ebenfalls nicht immer rational zugehe.

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