Samstag, 19. Oktober 2019

Robert Shiller Der Märkteversteher

2. Teil: Das Versprechen der "finanziellen Demokratie"

Eine zweite Auflage von "Irrational Exuberance" erschien 2005, darin warnte Shiller vor der sich auftürmenden Preisblase am US-Immobilienmarkt, dem Auslöser der jetzigen Krise. Er war zwar nicht der einzige und auch nicht der erste Mahner, lag mit seinem Timing aber besser als alle anderen. Zudem sah er bedrohliche Folgen für das ganze Finanzsystem voraus.

"Eine Epidemie irrationaler öffentlicher Begeisterung für Immobilieninvestments war der Kern des Problems", sagt Shiller heute. Die Amerikaner hätten sich gegenseitig mit ihrem Glauben an die Wachstumsstory angesteckt. Makler und Banken hätten mit Erfolg den "Mythos" verbreitet, "dass Immobilienpreise wegen des Wachstums von Bevölkerung und Wirtschaft bei begrenzter Landfläche unvermeidlich anstiegen" - eine durch nichts gestützte Behauptung.

Shiller stieß bei seiner Forschung verblüfft darauf, dass es bis dahin keinen belastbaren Maßstab der langfristigen Entwicklung von Häuserpreisen gab. Zusammen mit dem Kollegen Karl Case schuf er Abhilfe. Der Case-Shiller-Index für Hauspreise ist heute das meistbeachtete Barometer der Immobilienkrise in den USA. Damals bekamen jedoch nur wenige die unbequeme Wahrheit mit, dass Hauspreise auf sehr lange Sicht - Shiller rechnete bis 1890 zurück - gerade mal mit der Inflation Schritt halten. Der rasante Anstieg seit Ende der 90er Jahre konnte nur einer Spekulationsblase geschuldet sein - und die musste platzen.

Hätten mehr Menschen diese einfache Wahrheit früh mitbekommen, wäre uns einiges erspart geblieben, erklärt Shiller. "Finanzielle Demokratie" lautet sein Lösungsvorschlag, den er in seinem Buch "The Subprime Solution" darlegt. "Finanzen sind ein starkes Werkzeug, das auch genutzt werden kann, um Ungleichheit zu verringern." Dazu müsste aber der Zugang zu Informationen demokratisiert werden. Gegen die "Animal Spirits" sei zwar kein Kraut gewachsen, man müsse mit der Realität von Spekulationsblasen und deren Platzen einfach zu leben lernen. Helfen könnte dabei jedoch mehr Transparenz.

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