Rezession Ökonomen immer pessimistischer

Banken und Institute überbieten sich mit düsteren Prognosen für die deutsche Wirtschaft. Die Commerzbank sagt für 2009 einen Einbruch der Wirtschaftsleistung von 6 bis 7 Prozent voraus. Auch die Institute IMK und RWI korrigierten ihre Vorhersagen deutlich nach unten.

Berlin - Die Commerzbank  senkte ihre alte Prognose von minus 3 bis 4 Prozent am Montag drastisch. "Das liegt vor allem daran, dass die zuletzt veröffentlichten Auftragseingangs- und Produktionsdaten für Januar mit einer Dramatik eingebrochen sind, die ohne Beispiel in der deutschen Nachkriegsgeschichte ist", schrieb Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer Studie. "Das hat der bisherigen Prognose den Boden unter den Füßen weggezogen."

Bislang galt die Deutsche Bank als Schwarzmaler Nummer eins. Deren Chefvolkswirt Norbert Walter prophezeit seit Wochen einen Einbruch von 5 Prozent - schon das wäre die mit Abstand schärfste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik 1949. Auch das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) sagt jetzt ein Minus von minus 5 (bisher: minus 2,4) Prozent voraus, das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) rechnet mit minus 4,3 (minus 2) Prozent.

"Die globale Wirtschaftsleistung befindet sich im freien Fall", begründete das IMK seine pessimistischen Erwartungen. "Die deutsche Wirtschaft ist von dieser Abwärtsspirale besonders stark betroffen, weil sie sich im vergangenen Jahrzehnt ausgeprägt auf den Export fokussiert hat." Nach Erwartungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Weltwirtschaft in diesem Jahr um bis zu 1 Prozent schrumpfen. Das wäre das erste Minus seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Darunter leidet vor allem die exportabhängige Industrie. Sie erhielt im Januar gut 35 Prozent weniger Aufträge als vor Jahresfrist. Die Produktion brach daraufhin so stark ein wie noch nie seit der Wiedervereinigung. "Die gesamtwirtschaftliche Produktion in Deutschland wird immer stärker vom kräftigen Abschwung der Weltwirtschaft erfasst", schrieb dazu die Bundesbank in ihrem Monatsbericht. Die Commerzbank befürchtet deshalb, dass das Bruttoinlandsprodukt im zu Ende gehenden ersten Quartal um 3,5 Prozent im Vergleich zur Vorperiode einbricht. Das wäre wesentlich stärker als am Jahresende 2008, als es mit 2,1 Prozent den stärksten Rückgang seit 1987 gab.

Eine echte Erholung ist nicht in Sicht. IMK und RWI erwarten für 2010 nur ein Mini-Wachstum von 0,2 bis 0,5 Prozent. "Im kommenden Jahr wird es keine Aufwärtsbewegung geben, die den Namen Aufschwung verdient", sagte auch Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer. Dafür dürfte die Zahl der Arbeitslosen deutlich steigen. "Ende 2010 werden wir nicht mehr weit weg von fünf Millionen sein", sagte RWI-Konjunkturchef Roland Döhrn. Derzeit sind rund 3,5 Millionen ohne Job.

Auch die Staatsfinanzen leiden unter den steigenden Ausgaben - etwa für Konjunkturprogramme - bei gleichzeitig wegbrechenden Steuereinnahmen. Nach Berechnungen des IMK wird die Neuverschuldung auf 3,7 und im kommenden Jahr auf 5,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes steigen. Die EU-Regularien sehen eigentlich eine Defizitgrenze von 3 Prozent vor.

Bei den Deutschen wächst angesichts solcher Hiobsbotschaften die Sorge über die wirtschaftliche Entwicklung. Nur noch 11 Prozent schätzen die Lage als "Gut" oder "Sehr Gut" ein, ergab eine Umfrage der Allianz und der Universität Hohenheim. Vor einem Jahr waren es 26 Prozent. Nur noch 16 (Vorjahr: 29) Prozent sehen die Zukunft optimistisch. Ihre persönliche Situation und Zukunft beurteilt aber weiterhin mehr als die Hälfte der Bundesbürger positiv.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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