Viag Interkom Die Braut trägt Gelb

British Telecom, Telenor oder die neue Mutter Veba-Viag - wer künftig bei der Viag-Telekomtochter das Sagen hat, ist offen. Der Spätstarter unter den deutschen Mobilfunkern ist zur begehrten und wertvollen Braut geworden.

München - Der Mobilfunkmarkt in Deutschland ist umkämpft wie nie zuvor. Die britische Vodafone steht womöglich kurz vor der feindlichen Übernahme von Mannesmann. France Telecom und die niederländische KPN lieferten sich ein spektakuläres Tauziehen um den Mobilfunkbetreiber E-Plus.

Auch die VIAG Interkom, als Spätstarterin anfangs von vielen belächelt, ist mittlerweile zur begehrten Braut geworden. Die Handykunden können sich angesichts des scharfen Wettbewerbs um den deutschen Markt auf weiter fallende Preise freuen.

Im Wert zugelegt

"Wir kommen gerade in die Steilphase der Wertentwicklung", sagte Viag Interkom-Chef Maximilian Ardelt am Mittwoch in München. Dass Telekom-Unternehmen immer wertvoller werden, zeigte sich auch bei den Fusionsverhandlungen zwischen Veba und Viag.

Das Tauschverhältnis zwischen den beiden Konzernen wurde entgegen den ersten Schätzungen vor allem wegen der Beteiligung an der Viag Interkom im Verschmelzungsbericht vom Dezember noch zu Gunsten der Viag verbessert.

Anfangsfehler bremsten den Start

Als Viag Interkom im Herbst 1998 mit dem vierten Mobilfunknetz startete, schien vielen Beobachtern der Markt zwischen den Platzhirschen Mannesmann (D2), Deutscher Telekom (D1) und E-Plus schon verteilt. Zudem verzichtete Viag Interkom anfangs auf die Subventionierung von Handys. Ein Fehler, der zunächst den schnellen Markterfolg verhinderte, wie das Unternehmen einräumen musste.

Mittlerweile hat sich die Spätstarterin gemausert. Die Zahl der Kunden stieg bis Ende 1999 auf eine Million und soll sich in diesem Jahr verdreifachen. Im Jahr 2006 solle fast jeder vierte Handynutzer in Deutschland mit Viag Interkom telefonieren, sagte Ardelt. Dabei will das Unternehmen weiter auf eine aggressive Preispolitik und Innovationen setzen. "Als vierter Anbieter müssen wir den Wettbewerbern immer einen Schritt voraus sein", sagte Finanzchef Joachim Preisig.

Einige Interessenten gibt es schon

Angesichts des rasanten Wachstums würde British Telecom, die derzeit wie die Viag 45 Prozent an Viag Interkom hält, das Unternehmen am liebsten ganz übernehmen. BT-Chef Peter Bonfield betonte: "Wir sind grundsätzlich daran interessiert, bei allen europäischen Gemeinschaftsunternehmen den Anteil zu erhöhen."

Auch Zehn-Prozent-Eigner Telenor setzt auf den deutschen Markt, erst Recht nach der kürzlich gescheiterten Fusion mit der schwedischen Telia. Viag Interkom wäre für die Norweger das richtige Sprungbrett für die Expansion in Mitteleuropa.

Die Spekulationen wurden angeheizt, weil Veba nach Einschätzung von Beobachtern dem Engagement in der Telekommunikation bislang deutlich skeptischer gegenüber steht als Viag. Vorerst soll die Telekommunikation in dem neuen deutschen Energieriesen nur drei bis fünf Jahre "wertorientiert weiter entwickelt" werden. Bei der VIAG Interkom hofft man aber, wegen der guten Perspektiven zu einem unverzichtbaren Bestandteil des neuen VEBA-VIAG-Konzerns zu werden.

"Ich kann mir momentan nicht vorstellen, dass sich der Konzern ganz aus diesem Geschäft zurückzieht", betonte Ardelt. Der Börsengang der Telekom-Holding des neuen Konzerns, Viag Telecom, stehe in etwa zwei Jahren bevor.

Kunden sollen mehr Service erhalten

Ihren Wert weiter steigern will Viag Interkom zunächst vor allem mit einem Ausbau des Service, derzeit nach Einschätzung vieler Beobachter die große Schwachstelle. Immer wieder gab es Kundenklagen über schwer erreichbare Hotlines, doppelt vergebene oder nicht frei geschaltete Nummern oder Probleme mit der Rechnung.

"Bei so einem schnellen Wachstum knirscht es natürlich an allen Ecken und Enden", räumte Ardelt ein. Mit 2.000 neuen Mitarbeitern will der Konzern in diesem Jahr auch beim Service aufholen.