Märkte Kreditsorgen lassen Euphorie verfliegen

Den ganzen Tag über hatte neue Zuversicht zum Zustand der US-Banken die Aktien an der Wall Street beflügelt. Am Abend dann die Ernüchterung. American Express rechnet mit mehr Kreditausfällen. In Frankfurt setzten Finanzwerte ihre Rally fort.

New York/Frankfurt am Main - Die US-Börsen haben am Montag nach frühen Gewinnen kurz vor Handelsschluss noch ins Minus gedreht. Zunächst hatte sich Erleichterung nach positiven Aussagen der britischen Barclays Bank  breit gemacht und den gesamten Finanzsektor nach oben getrieben.

Im späten Handel kamen allerdings Sorgen um American Express  auf, was die Anleger wieder vorsichtiger werden ließ und zu Gewinnmitnahmen führte. Das kräftige Minus bei den Technologietiteln erklärten Händlern mit Umschichtungen in den Finanzsektor.

Der Dow Jones  fiel um 0,10 Prozent auf 7217 Zähler nachdem er im frühen Handel noch bis auf 7392 Punkte geklettert war. Der marktbreite S&P-500-Index gab um 0,35 Prozent auf 754 Zähler nach. An der Technologiebörse Nasdaq  verlor der Composite-Index 1,92 Prozent auf 1404 Zähler. Der Nasdaq 100 fiel um 1,97 Prozent auf 1145 Punkte.

Banken setzten sich wie bereits in den vergangenen Tagen an die Spitze im Dow Jones. Als Antrieb verwiesen Händler auf Aussagen der britischen Barclays. Wie schon zahlreiche andere Großbanken verbreitet nun auch das britische Bankhaus Optimismus und spricht von einem guten Geschäft in den ersten Monaten des Jahres 2009. Zudem sehe es so aus, als ob die Branche mittlerweile ihren Boden gefunden haben könnte, sagten Börsianer. Daraufhin gewannen Aktien der Citigroup  an der Indexspitze 30,90 Prozent auf 2,33 US-Dollar, für die Titel der Bank of America  ging es ebenfalls um deutliche 7,29 Prozent auf 6,18 Dollar nach oben.

Für Titel von American Express  ging es derweil um 3,28 Prozent auf 12,66 Dollar nach unten. Im frühen Handel war die Aktie noch bis auf 14,15 Dollar gestiegen. Die Zahl der Kunden, die ihre Kreditkartenschulden nicht bezahlen könnten, sei im Februar gestiegen, hatte der US-Kreditkartenanbieter mitgeteilt.

AIG sorgt für neuen Skandal und legt 66 Prozent zu

Aktien von American International Group (AIG)  sprangen trotz großer Empörung über den Abfluss von US-Staatsgeldern in Höhe von rund 120 Milliarden Dollar an Geschäftspartner weltweit sowie Bonuszahlungen um 66 Prozent auf 0,83 Dollar in die Höhe. US-Präsident Barack Obama will mit allen juristischen Mitteln gegen die Bonuszahlungen für Manager des Versicherungsriesen vorgehen.

Die Liste der Verlierer im Dow Jones führten derweil die Aktien des angeschlagenen Autobauers General Motors  (GM) mit minus 7,35 Prozent auf 2,52 Dollar an. GM sieht im März bislang keine Besserung des Geschäfts im Vergleich zum schwachen Jahresauftakt und schließt weitere Staatshilfe nicht aus. Der Absatz im März liege bislang in etwa auf gleichem Niveau wie im Januar und Februar, sagte Nordamerika-Chef Troy Clarke dem Fernsehsender "CNBC". Im Januar war der US-Absatz von GM um 49 Prozent eingebrochen, im Februar gar um mehr als 50 Prozent.

Bei den Technologietiteln verloren Cisco  mit 0,39 Prozent auf 15,45 Dollar weniger als der Markt. Der Netzwerkausrüster steigt in den Server-Markt ein und will die Konkurrenz mit einem Rundum-Angebot aus einer Hand angreifen. Für den Vorstoß verbündet sich Cisco mit einer Reihe von Partnern, darunter sind der weltgrößte Chiphersteller Intel , der Windows-Riese Microsoft  sowie der Unternehmenssoftware-Spezialist Oracle .

Damit dringt Cisco in das angestammte Geschäft bisheriger Partner-Unternehmen wie Hewlett-Packard  und IBM  vor. HP-Aktien verloren 1,46 Prozent auf 29,02 Dollar, IBM-Titel zeigten sich mit plus 0,95 Prozent auf 91,22 Dollar unbeeindruckt.

Bankenwerte in Frankfurt auf der Überholspur

Der deutsche Leitindex Dax  hatte zuvor bis zum Handelsschluss auf Xetra 2,3 Prozent auf 4044 Punkte gewonnen. Der MDax  der mittelgroßen Werte verzeichnete Aufschläge von 2 Prozent, für den Technologiewerte-Index TecDax  zeigten die Kurstafeln ein Plus von 2,4 Prozent.

Fed-Chef Ben Bernanke hatte bereits am Morgen den Optimismus am Markt mit Aussagen geschürt, wonach er weiter davon ausgeht, ein Ende der schweren Rezession in den USA sei bereits in diesem Jahr möglich und es werde im kommenden Jahr eine Erholung geben.

Für negative Impulse sorgten am Mittag zeitweise schwache Konjunkturdaten aus den USA. So trübten sich die vom Empire State Index gemessenen Geschäftsaussichten im Verarbeitenden Gewerbe im US-Bundesstaat New York im März stärker als erwartet ein und sanken erneut auf ein Rekordtief. Doch dies konnte die Indizes nicht weiter aufhalten.

Börsianer blieben aber skeptisch. "Die Gefahr eines Rückschlags ist nicht gebannt", warnte ein Händler. Die niedrigen Umsätze zeigten, dass vielen Anlegern doch noch das Vertrauen fehle. Schon in der Vorwoche hatten die Börsen Boden gutgemacht. Allerdings notierten die großen Indizes weiter über 15 Prozent unter ihren Schlussständen vom Vorjahr.

Finanztitel im Dax weiterhin gefragt

Im Dax gehörten Finanztitel nach positiven Branchennachrichten aus Großbritannien erneut zu den Favoriten der Anleger. Barclays  sprach wie zuvor zahlreiche andere Großbanken von einem guten Geschäft in den ersten Monaten des Jahres.

In der vergangenen Woche hatten unter anderem die US-Banken Citigroup , Bank of America , JPMorgan sowie die Deutsche Bank und die Credit Suisse ebenfalls über einen positiven Verlauf des Geschäfts in den ersten Monaten des Jahres berichtet.

Papiere der Commerzbank  legten um 6,7 Prozent zu und waren damit Spitzenreiter im Dax. Für Aktien der Deutschen Bank  ging es um 4,5 Prozent hoch. Auch Titel des Versicherers Allianz  gewannen überdurchschnittliche 3,6 Prozent an Wert.

Deutsche Börse: Ausstieg von TCI?

Die Titel der Deutschen Börse  profitierten Händlern zufolge von Gerüchten über einen möglichen Ausstieg der Großaktionäre TCI und Atticus und stiegen um knapp 5 Prozent. Knapp vier Jahre nach dem folgenschweren Aufstand der beiden mächtigen Hedge-Fonds gegen das Management des Börsenbetreibers kursierten im Markt entsprechende Spekulationen. "Die Gerüchte tauchen nicht zum ersten Mal auf, stützen den Kurs aber dennoch", sagte ein Aktienhändler.

Linde nach Zahlen schwächer

Größter Dax-Gewinner waren die Infineon-Titel mit einem Plus von 15 Prozent auf 54,5 Cent. "Es gibt Spekulationen, Qimonda könnte durch eine chinesische Firma gerettet werden", sagte ein Händler. Kreisen zufolge könnte sich die chinesische Staatsfirma Inspur an der insolventen Chiptochter von Infineon beteiligen.

Die Aktien von Eon machten einen Teil ihrer Verluste in der Vorwoche von rund neun Prozent wieder gut und stiegen um sieben Prozent. Auch im Stoxx50 waren Versorger gefragt. Die Aktien der französischen GDF Suez stiegen um 7,5 Prozent.

Auf der Verliererseite waren die Linde-Aktien mit einem Minus von 0,2 Prozent. Der Industriegasespezialist hat wegen des Konjunktureinbruchs seine Gewinnziele kassiert. Im Stoxx50 fielen die Aktien von Arcelor Mittal nach einem kritischen Analystenkommentar um 3,8 Prozent.

SGL Carbon: Susanne Klatten steigt ein

Im MDax schnellten die Aktien von SGL Carbon  mit plus 18 Prozent auf 20,12 Euro an die Indexspitze. Die Quandt-Erbin Susanne Klatten übernahm über ihre Beteiligungsgesellschaft SKion beim Kohlenstoff-Spezialisten 7,92 Prozent der Anteile.

Der Einstieg komme überraschend und sorge entsprechend für ein Kursfeuerwerk, schrieb Analyst Harald Schnitzer von der DZ BANK in einer ersten Einschätzung. "Fundamental betrachtet steht das operative Geschäft aber unter Druck", so der Analyst weiter. Klattens Beteiligungsfirma Skion will ihre Beteiligung an dem Grafit-Spezialisten zudem unter 25 Prozent halten.

Conergy verliert weitere Führungskraft

Im TecDax notierten Conergy-Titel  mit 0,39 Euro prozentual kaum verändert. Konzernchef Dieter Ammer verliert einem Pressebericht zufolge weitere Führungskräfte. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (FTD) wird der für das Projektgeschäft verantwortliche Vorstand Nikolaus Krane das angeschlagene Solarunternehmen Anfang April verlassen. "Damit verliert Conergy die letzte Führungskraft mit Solar-Kenntnissen und das sind keine guten Nachrichten", sagte ein Händler.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afxp