Opec Ölfördermenge bleibt gleich - vorerst

Die Mitgliedstaaten im Ölkartell Opec lassen ihre tägliche Ölfördermenge zunächst unverändert. In der Organisation gibt es aber offensichtlich Streit um den Umgang mit der weltweiten Wirtschaftskrise. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass die Ölländer die Förderung später doch noch drosseln.

Wien - Die Opec-Länder wollen die Öl-Förderung zunächst nicht weiter kürzen und damit die Weltwirtschaft inmitten der Krise nicht zusätzlich belasten. Allerdings sollen die bereits 2008 beschlossenen Kürzungen nun konsequenter umgesetzt werden, teilte das Ölkartell am Sonntag nach einem Treffen in Wien mit.

Die Produktion ist Delegierten zufolge noch nicht um die beschlossenen rund 14 Prozent auf 24,845 Millionen Fass pro Tag (ein Fass = 159 Liter) gesenkt worden. Nach Angaben aus Katar besteht noch Luft für eine Kürzung von bis zu 800.000 Fass. Der weltweit zweitgrößte Ölexporteur Russland kündigte in Wien eine engere Zusammenarbeit mit der Opec an und macht Vorschläge, um eine weitere Ölverbilligung zu verhindern. Termin für das nächste Opec-Treffen ist der 28. Mai.

Der Ölpreis war Mitte 2008 auf knapp 150 Dollar pro Fass geklettert, brach dann aber im Strudel der Wirtschaftskrise auf unter 40 Dollar ein. Derzeit kostet das Fass 46 Dollar. Eine Drosselung der Fördermengen soll das Angebot am Markt verknappen und somit die Ölpreise in die Höhe treiben.

Für Verbraucher kann das das unter anderem höhere Benzinpreise und mit Verzögerung auch höhere Gaspreise bedeuten, da die Gaspreise an die Ölpreise gekoppelt sind. Einige Förderländer sind nach eigenen Angaben dringend auf höhere Öleinnahmen angewiesen, um die Lebensbedingungen für ihre Bürger zu verbessern. Die Opec-Länder zeichnen für etwa ein Drittel der weltweiten Ölproduktion.

Schon vor den Beratungen in Wien hatten mehrere Minister der Opec-Länder dafür plädiert, die bereits beschlossenen Kürzungen von 4,2 Millionen Barrel pro Tag konsequenter einzuhalten. Dies hatte etwa der saudiarabische Ölminister Ali al-Naimi gefordert, dessen Land der weltgrößte Ölexporteur ist. Der Zeitung "al-Hajat" sagte er, eine neue Kürzung der Fördermenge hätte höhere Preise zur Folge und verhindere eine Gesundung der Weltwirtschaft.

Dagegen hatte Algeriens Energieminister Chakib Khelil sowohl die Einhaltung der beschlossenen Drosselung als auch weitere Kürzungen gefordert. Der Markt habe bereits eine Reduzierung von weiteren 500.000 Millionen Fass am Tag eingepreist, sagte er. Werde dies nicht beschlossen, falle der Ölpreis wieder.

An der Sitzung Opec nahm als Beobachter auch der stellvertretende russische Ministerpräsident Igor Setschin teil. Russland ist zweitgrößter Ölexporteur der Welt, aber kein Opec-Mitglied. Setschin schlug der Opec unter anderem eine Reduzierung der Fördermenge vor. Laut Redetext sagte er, die Produktion in seinem Land sei im Januar und Februar um rund 2 Prozent gefallen. Russland spiele bereits eine Rolle bei den Opec-Versuchen, die Produktion zurückzufahren.

Analysten bezweifeln diese Darstellung aber. Die Produktion in Russland sei nicht wegen einer geänderten Politik rückläufig, sondern wegen fehlender Investitionen in die Infrastruktur, sagte David Kirsch von PFC Energy. Eine engere Zusammenarbeit zwischen Russland und den zwölf Opec-Mitgliedern schürt bei Abnehmern wie Deutschland Sorgen vor der Macht des Kartells. Vor allem europäische Staaten, die vor kurzem noch von dem Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine betroffen waren, beobachten die Annäherungen deshalb genau.

manager-magazin.de mit Material von reuters