Wohnungsbau Immer weniger Baugenehmigungen

Die Deutschen bauen immer weniger. Im dritten Jahr nach Streichung der Eigenheimzulage fiel die Zahl der Genehmigungen für den Wohnungsbau auf den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung. Besonders stark sank die Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern.

Berlin - Die zahl der Baugenehmigungen sank im Vergleich zum Vorjahr um 7700 oder 4,2 Prozent auf 174.600, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch mitteilte. Das war bereits das fünfte Jahr in Folge mit einem Rückgang. Die Baubranche rechnet für 2009 mit einem erneuten Minus.

"Die potenziellen Häuslebauer haben sich wegen der ständigen Hiobsbotschaften aus der Wirtschaft die Frage gestellt, ob sie sich in einer so unsicheren Situation langfristig verschulden sollen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB), Heiko Stiepelmann. Wegen der steigenden Arbeitslosigkeit sei in diesem Jahr mit einem weiteren Rückgang zu rechnen. "Der Wohnungsneubau bleibt unser Sorgenkind", sagte Stiepelmann.

Der Wohnungsbau war bereits 2007 nach dem Wegfall der Eigenheimzulage um rund ein Viertel eingebrochen. 1991 wurden mit 406.000 noch mehr als doppelt so viele Baugenehmigungen erteilt wie im vergangenen Jahr. 1994 wurde mit 713.000 Genehmigungen der bisherige Höchstwert erreicht.

Besonders stark sank 2008 die Nachfrage nach Ein- und Zweifamilienhäusern: Die Baugenehmigungen nahmen hier um 6,9 beziehungsweise 6,0 Prozent ab. Bei Häusern mit drei oder mehr Wohnungen gab es ein Minus von 4,2 Prozent.

Der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) befürchtet nun, dass auch die Baufertigstellungen im laufenden Jahr einen neuen historischen Tiefpunkt seit der Wiedervereinigung erreichen könnten. "Nicht jedes Haus, das genehmigt wurde, wird auch gebaut. Gerade in Ballungsräumen wie Hamburg, München, Stuttgart oder der Rheinschiene werden die Menschen dies zu spüren bekommen", sagte BFW-Präsident Walter Rausch in Berlin. Dabei seien gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Investitionen in Sachwerte wie Immobilien eine gute Vermögensanlage.

Der BFW fordert daher ein stärkeres Handeln der Politik. So könne etwa ein befristeter Schuldzinsenabzug zur Einkommensteuer für selbstgenutztes, neues Wohneigentum für die Jahre 2009 und 2010 den Verkauf und den Bau von Neubauwohnungen fördern.

Für nicht zu Wohnzwecken genutzte Gebäude stieg das genehmigte Bauvolumen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum deutlich an: Es legte um 17,7 Prozent auf 249,6 Millionen Kubikmeter umbauten Raum zu. Zweistellige Steigerungsraten gab es dabei zum Beispiel bei landwirtschaftlichen Betriebsgebäuden, Fabrikgebäuden sowie Büros.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ddp und dpa