Hannover Rück "Krise ist Fluch und Segen zugleich"

Der vor dem Aufstieg in den Dax stehende Versicherer Hannover Rück hat 2008 erstmals in der Firmengeschichte rote Zahlen geschrieben. Nach dem "verlorenen Jahr" rechnet das Unternehmen aber mit Besserung 2009. Die Aktie zieht deutlich an.

Hannover - Wegen massiver Verluste aus Aktienverkäufen verbuchte der Konzern nach Angaben vom Mittwoch einen Fehlbetrag von 127 Millionen Euro. Im Jahr 2007 hatte noch ein Gewinn von 722 Millionen zu Buche gestanden.

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank auf 148 (928) Millionen Euro, die gebuchte Bruttoprämie auf 8,12 (8,26) Milliarden Euro. Das Kapitalanlageergebnis ging auf 278,5 Millionen (1,1 Milliarden) Euro zurück, nachdem Hannover Rück seinen Aktienbestand mit Verlust verkauft hatte. Rückversicherer legen die Beiträge ihrer Kunden an der Börse an, zum großen Teil in festverzinslichen Wertpapieren.

Nach dem "verlorenen" Jahr will Hannover Rück 2009 zu alter Ertragsstärke zurückkehren. Der Konzern erwartet deutliche Impulse durch einen verstärkten Rückversicherungsbedarf infolge der instabilen Lage an den Finanzmärkten.

Für das laufende Jahr rechnet Hannover Rück mit einer Eigenkapitalrendite von mehr als 15 Prozent und einem Gewinn je Aktie von 4,75 bis 5,25 Euro. Die Aktie von Hannover Rück  reagierte mit Zugewinnen und notierte am Vormittag rund 7 Prozent fester.

Erstversicherer suchen Schutz - Prämien steigen

"Für uns ist die Finanzmarktkrise Fluch und Segen zugleich", sagte Firmenchef Wilhelm Zeller. "Nachdem die negativen Auswirkungen hinter uns liegen, können wir nun von den positiven Effekten profitieren."

Erstversicherer hätten viel Kapital verloren und müssten, um gesetzlichen Vorschriften zu genügen, nun stärker Rückversicherungsschutz einkaufen, erläuterte Zeller. Die Preise hätten daher zuletzt teilweise zweistellig zugelegt. Weitere Aufschläge seien zu erwarten.

Andere Sorgen in den USA

Hannover Rück ging es 2008 ähnlich wie der Konkurrenz. Der Branchenprimus Münchener Rück verdiente 2008 zwar noch 1,5 Milliarden Euro - das waren aber knapp zwei Drittel weniger als im Vorjahr. Swiss Re verbuchte wegen Abschreibungen auf riskante Wertpapiergeschäfte hingegen einen Verlust von 864 Millionen Franken.

In den USA haben viele Versicherer noch ganz andere Sorgen: Die AIG fuhr 2008 ein Minus von 99,3 Milliarden Dollar ein, der größte Verlust der Wirtschaftsgeschichte. Der einst weltgrößte Versicherer hat sich ebenfalls mit riskanten Wertpapieren verzockt und wird nun von der Regierung in Washington mit hohen Summen am Leben gehalten.

manager-magazin.de mit Material von reuters