Märkte JPMorgan hilft US-Börsen

Die US-Börsen haben knapp im Plus geschlossen. Äußerungen von JPMorgan-Chef Jamie Dimon, wonach die Bank ebenso wie die Citigroup trotz der Finanzkrise zu Jahresanfang profitabel gearbeitet habe, bescherten der Wall Street nach der Rally vom Vortag erneut leichte Gewinne.

New York - Angesichts der unklaren Zukunft für das Finanzsystem war die Nervosität unter den Händlern aber groß, so dass die Indizes mehrfach ihre Vorzeichen änderten. Die Hoffnungen, dass Finanzminister Timothy Geithner noch im Handelsverlauf Details zur weiteren Unterstützung angeschlagener Banken präsentieren könnte, erfüllten sich nicht.

Der Dow Jones  schloss 0,1 Prozent im Plus bei 6930 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte er zwischen 6867 und 7015 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 0,2 Prozent auf 721 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq  stieg um rund 1 Prozent und ging mit 1371 Punkten aus dem Handel.

Die Äußerungen von JPMorgan-Chef Dimon sorgten kurz vor Handelsschluss für eine Stabilisierung der Finanzwerte. Im Januar und Februar habe JPMorgan profitabel gearbeitet, sagte Dimon dem Sender CNBC. Bei einer Wirtschaftskonferenz der US-Handelskammer erklärte Dimon zudem, er sehe bescheidene Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. JPMorgan Chase gehört in der gegenwärtige Krise zu den stabilsten US-Instituten. Die Aktien der Bank schlossen 4,6 Prozent im Plus, die von Citigroup  gewannen 6,2 Prozent. Die Papiere von Branchenprimus Bank of America  legten 2,9 Prozent zu. Am Vortag hatten die US-Börsen mit einer Rally auf die Nachricht reagiert, dass die vom Staat gerettete Citigroup laut einem internen Schreiben von Bankenchef Vikram Pandit nach den Milliardenverlusten der vergangenen Quartale zu Jahresbeginn Gewinne verzeichnet habe.

Bei den Hochtechnologiewerten verteuerten sich die Dividendenpapiere des weltgrößten PC-Herstellers Hewlett-Packard  um 5,8 Prozent, nachdem UBS  die Aktie auf "Kaufen" von zuvor "neutral" heraufgestuft hatte. Auch Apple-Aktien  stiegen um 4,6 Prozent.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,75 Milliarden Aktien den Besitzer. 1822 Werte legten zu, 1263 gaben nach und 76 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,23 Milliarden Aktien 1342 im Plus, 1343 im Minus und 115 unverändert. An den US-Kreditmärkten rentierten zehnjährigen Staatsanleihen mit 2,890 Prozent. Die 30-jährigen Bonds hatten eine Rendite von 3,6482 Prozent.

Auch die europäischen Aktienmärkte haben am Mittwoch ihre deutlichen Gewinne vom Vortag verteidigt. Der Dax  baute sein Plus vom Dienstag um 0,7 Prozent auf 3914 Punkte aus.

Gefragt waren vor allem Autowerte, die von Übernahme- und Fusionsgerüchten profitierten. Der europäische Branchenindex stieg um knapp 3 Prozent. In Paris kursierten Spekulationen um eine Fusion von Renault  und Peugeot . Deren Aktien verteuerten sich um 8,5 beziehungsweise 6,8 Prozent. In Frankfurt wetteten Anleger zum wiederholten Mal auf gegenseitige Beteiligungen von BMW  und Daimler  und verhalfen den Aktien 6,5 beziehungsweise 2,3 Prozent ins Plus. Dagegen büßten die Titel des im MDax  notierten Autozulieferers Continental  4,3 Prozent ein. Händler verwiesen auf die Schließung zweier Reifenfabriken, was die schlechte Geschäftslage unterstreiche.

Die Autowerte waren nach Einschätzung von UniCredit-Analyst Volker Bien wie andere zyklische Werte zuletzt zu stark unter Druck geraten und standen deswegen nun wieder auf den Kauflisten. Das verhalf auch BASF  zu einem Plus von 4,5 Prozent. Dagegen wurden als defensiv geltende Werte wie die Aktien des Dialysespezialisten Fresenius Medical Care  (FMC) verkauft - die FMC-Titel gaben gut 2 Prozent ab.

Nach ihrer Vortagesrally zeigten die Finanzwerte in Europa ein uneinheitliches Bild. Die größten Gewinner im Stoxx 50  waren die Aktien der Credit Suisse  und der Deutschen Bank  mit Aufschlägen von 9 beziehungsweise 8 Prozent. Dagegen gaben die Aktien von HSBC  und ING  6,3 beziehungsweise 3,6 Prozent nach. Händlern zufolge schwächten sich Hoffnungen wieder ab, die US-Regierung werde die Banken bald von ihren toxischen Wertpapieren befreien und damit das Vertrauen in die Finanzbranche wieder herstellen.

Der Dax-Aufsteiger Hannover Rück  verbuchte ein Plus von knapp 10 Prozent. "Der Vorstandschef hat gesagt, dass das erste Quartal wohl ganz gut lief, und er hat gesagt, dass sie höhere Preise durchsetzen wollen, das hat der Aktie noch einmal Schwung gegeben", sagte ein Händler. Bereits nach den Geschäftszahlen für 2008 hatte die Aktie am Vormittag zugelegt.

Börsianer blieben trotz der Aufwärtsbewegung skeptisch. "Das ist nichts anderes als eine technische Rally. Diese Niveaus sind nicht notwendigerweise von Dauer. Die gesamtwirtschaftliche Situation sieht nach wie vor düster aus", sagte Aktienstratege Franz Wenzel von Axa Investment Managers.

Die zurückgekehrte Risikofreude der Anleger am Aktienmarkt hat den Euro am Mittwoch nach oben getrieben. Die Gemeinschaftswährung kletterte auf 1,2782 Dollar nach 1,2681 Dollar im späten US-Geschäft. "Wenn die Risikoaversion nachlässt, kann der Euro zulegen. Fundamentale Daten haben keinen nachhaltigen Einfluss mehr", sagte Ralf Umlauf von der Helaba. Deswegen sei der überraschende Einbruch bei den deutschen Industrieaufträgen auch kein Hindernis für den Euro. Dabei sammelten die Firmen preis- und saisonbereinigt 8 Prozent weniger Bestellungen ein als im Dezember. Das ist das zweistärkste Minus seit 1991.

Solange die Risikolust der Anleger weiter zunehme, könnte der Dollar nach Ansicht von Experten weiter Federn lassen, denn zuletzt hatte die US-Währung den Anlegern als eine Art sicherer Hafen gegolten. "Allerdings deuten die katastrophalen chinesischen Handelszahlen im Februar darauf hin, dass diese Stimmungsverbesserung auch schnell wieder umschlagen kann", hieß es in einem Marktkommentar der Commerzbank. Deshalb sei nicht mit anhaltenden Dollar-Rückgängen zum Euro zu rechnen. Am Mittwoch machten der US-Währung Analysten zufolge zudem auch Kursanstiege bei den zuletzt stark abgewerteten osteuropäischen Währungen wie dem ungarischen Forint und dem polnischen Zloty gegen den Dollar zu schaffen.

"Nachwirkungen der Citigroup"

"Das sind letzten Endes die Nachwirkungen der Aussagen von Citigroup  und Deutscher Bank", sagte ein Händler. "Einige Investoren waren gestern noch vorsichtig mit einem Einstieg und wollten abwarten, inwieweit es heute nach unten geht. Da der Markt wieder anzieht, steigen diese Investoren jetzt auch ein."

Die Citigroup hatte am Dienstag gesagt, im Januar und Februar schwarze Zahlen geschrieben zu haben. Die Deutsche Bank hatte noch einen Tag zuvor von einem guten Start ins Jahr gesprochen.

Börse in Japan erholt

Bereits am Dienstag hatte der Leitindex noch 5,3 Prozent auf 3886 Zähler zugelegt, nachdem überraschend gute Nachrichten der US-Großbank Citigroup  ein Kursfeuerwerk bei Bankaktien ausgelöst und den Börsen weltweit Auftrieb verliehen hatten.

In Tokio holte die Börse den Anstieg an der Wall Street nach. Der Nikkei  legte 4,5 Prozent zu. Auch in Japan zählten Bankentiteln zu den größten Gewinnern. An der Wall Street hatten die US-Indizes nach Börsenschluss in Europa ihre Gewinne leicht ausgebaut. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 5,8 Prozent, nachdem er zum Handelsschluss in Europa noch 4,9 Prozent höher gelegen hatte. Der S&P500 schloss mit einem Plus von 6,4 (vorher plus 5,5) Prozent. Der Nasdaq-Composite legte sieben Prozent zu.

Gewinn der Lufthansa schrumpft um zwei Drittel

Der Gewinn der Deutschen Lufthansa ist auf Grund der weltweiten Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr deutlich geschrumpft. Der Nettogewinn fiel um 63,8 Prozent auf 599 Millionen Euro, wie Deutschlands größte Fluggesellschaft bei der Bilanzvorlage am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte.

Aufsichtsrat und Vorstand werden nach eigenen Angaben der Hauptversammlung eine Dividende in Höhe von 70 Cent pro Aktie vorschlagen. Für 2007 hatten die Anteilseigner noch 1,25 Euro je Aktie erhalten.

Konjunkturlage bleibt düster

Konjunkturlage bleibt düster - Japans Aufträge brechen ein

Börsianer rechnen jedoch bereits für heute mit einsetzenden Gewinnmitnahmen. Sofern nicht neue positive Nachrichten nachkommen, dürfte die Erholung rasch verpuffen, hieß es.

Von der Konjunkturseite kam unterdessen neuer Gegenwind: Japans Maschinenbauaufträge sind im Januar angesichts wegbrechender Exporte im vierten Monat in Folge auf den tiefsten Stand seit fast 22 Jahren gesunken. Eine so lange Durststrecke hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt noch nie zuvor verzeichnet.

So schlecht sahen die Auftragsbücher der japanischen Maschinenbauer seit Mai 1987 nicht mehr aus, als sich die Orderhöhe auf 695,5 Millarden Yen belaufen hatte. Eine deutliche Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen