Allianz Bank Verzögerter Start

Europas größter Versicherer Allianz geht mit seinem neu geordneten Bankgeschäft gut zwei Monate später als geplant an den Start. Statt Ende März soll die Allianz Bank jetzt erst am 2. Juni die Geschäfte aufnehmen.

Frankfurt am Main - Der Neustart des deutschen Bankgeschäfts der Allianz  verzögert sich um zwei Monate. Entgegen der ursprünglichen Planungen sollen die rund eine Million Kunden, die der Versicherer über seine Vertreter in den vergangenen Jahren für die Dresdner Bank gewonnen hatte, nun doch mitentscheiden können, ob sie zur neu entstehenden Allianz Bank wechseln wollen. Eigentlich sollten die Verträge einfach auf sie übergehen. Die Allianz Bank, die als Zweigniederlassung der Oldenburgischen Landesbank (OLB) firmiert, geht deshalb statt Ende März erst am 2. Juni an den Start, wie die Allianz am Dienstag mitteilte.

Mit der ausdrücklichen Zustimmung der Bankkunden wolle die Allianz die "Grundlage für eine noch stabilere Kundenbeziehung" legen, sagte eine Sprecherin. Sie erhielten bis Mitte April Post von ihrer Bank. Die Vertragsbedingungen blieben die gleichen.

Die Allianz hatte die Dresdner Bank im Herbst an die Commerzbank  verkauft, wollte aber die über ihre 10.000 eigenen Versicherungsvertreter akquirierten Kunden nicht ziehen lassen. Sie betreibt inzwischen 130 eigene Bankagenturen.

Unter Norddeutschem Dach Angesiedelt wird die neue Bank unter dem Dach der OLB, die bisher nur rund um Bremen vertreten ist. An ihr hält die Allianz knapp 90 Prozent. OLB-Vorstandssprecher Benedikt Buhl sagte in Oldenburg, die Bank habe zur Bewältigung des zusätzlichen Geschäfts 70 Mitarbeiter eingestellt. "Für die OLB bietet das Allianz-Bankgeschäft ein beachtliches Entwicklungspotenzial."

Im vergangenen Jahr hat auch die OLB die Finanzkrise zu spüren bekommen. Das Ergebnis nach Steuern brach um mehr als 70 Prozent auf 21,6 (2007: 75,3) Millionen Euro ein. Die Dividende wird auf 30 Cent gekürzt. Ein Jahr zuvor waren noch 1,90 Euro einschließlich einer Sonderdividende gezahlt worden. Der Provisionsüberschuss ging um 17 Prozent zurück, weil die Kunden weniger Wertpapiere kauften. Die Finanzanlagen brachten einen Verlust von 25,2 Millionen Euro, weil auch sie unter dem Wertverfall an den Märkten litten. Die Risikovorsorge habe zum ersten Mal seit Jahren das Ergebnis belastet, hieß es. Die Kernkapitalquote liege aber noch bei 10,7 Prozent.

Zehn Milliarden Euro bei Allianz Global Investors

Der zum versicherungskonzern gehörende Vermögensverwalter Allianz Global Investors hat im Finanzkrisenjahr 2008 unterdessen den Vertrauensverlust der Privatanleger deutlich zu spüren bekommen.

Fast zehn Milliarden Euro wurden aus Publikumsfonds abgezogen, wie die zum Versicherungskonzern Allianz gehörende Gesellschaft am Dienstag in Frankfurt mitteilte. In Reaktion auf die Staatsgarantien für Bankeinlagen hätten die Anleger ihr Geld vor allem aus Geldmarktfonds und kurzlaufenden Rentenfonds abgezogen, sagte Vorstandschef Thomas Wiesemann. Branchenweit gab es 2008 nach Verbandsangaben Mittelabflüsse in der Rekordhöhe von 27,8 Milliarden Euro bei Publikumsfonds.

Anders war der Trend bei Allianz GI im institutionellen Geschäft: Die Profi-Anleger investierten unter dem Strich acht Milliarden Euro. Das Gros der Gelder floss in Rentenprodukte.

Die ungleiche Entwicklung setzte sich im neuen Jahr fort. Die im Januar und Februar neu eingesammelten 2,1 Milliarden Euro kamen fast ausschließlich von institutionellen Kunden. Privatanleger zogen im Januar investiertes Geld im Februar wieder ab, hieß es.

Um die Flucht der Privatanleger zu stoppen, setzt Allianz GI für 2009 unter anderem auf eine Kombination aus Fonds- und Versicherungsanlage zur Altersvorsorge.

Produktpalette auf dem Prüfstand

Schwerpunkt im laufenden Jahr werde die Integration der Fondsgesellschaft cominvest - einhergehend mit einer deutlichen Verschlankung der Produktpalette. Co-Vorstandschef Horst Eich geht davon aus, dass das Angebot von derzeit insgesamt rund 500 Fonds "um eine dreistellige Zahl von Fonds" reduziert wird.

Dabei würden auch Jobs wegfallen. Ein konkretes Stellenabbauziel gebe es aber nicht. Bis 2011 sollen die Produkte einheitlich unter dem Namen Allianz GI vermarktet werden.

Bei der Übernahme der Dresdner Bank hatte die Commerzbank ihren Fondsanbieter an die Allianz abgegeben. Zusammen mit der cominvest verwaltet Allianz GI jetzt mehr als 300 Milliarden Euro. Damit zählt sie neben der Deutsche-Bank-Tochter DWS, der genossenschaftlichen Union Investment und dem Sparkassen-Fondsanbieter Deka zu den größten Vermögensverwaltern hierzulande.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa