Fortis Kursfeuerwerk nach BNP-Deal

Die Aktien von Fortis haben am Montag mit Kurssprüngen von bis zu 44 Prozent auf den Verkauf an BNP Paribas reagiert. Belgien will in einem dritten Anlauf 75 Prozent seiner Anteile an dem Finanzkonzern an die französische Großbank verkaufen.

Frankfurt am Main - Eine Händlerin werte die Einigung vom Wochenende als positiv. "In unseren Augen ist der Deal gut genug, um von den Aktionären angenommen zu werden", sagte die Börsianerin. Der belgische Staat und die französische Großbank BNP Paribas hatten sich am Wochenende im dritten Versuch auf neue Bedingungen zur Übernahme bestimmter Bereiche von Fortis  geeinigt.

Dabei zeigten sich die Vorstände beider Institute zuversichtlich, dass auch bislang widerspenstige Fortis-Aktionäre diesem dritten Versuch, das Geschäft über die Bühne zu bringen, zustimmen würden. Damit stiege BNP  zur größten Bank in der Euro-Zone nach Einlagen auf.

Der Plan sieht vor, dass BNP Paribas weiterhin 75 Prozent an der Fortis Bank übernimmt. Die ehemalige Bankensparte der börsennotierten Fortis Holding ist mittlerweile im Besitz des belgischen Staates. Nach dem neuen Vorschlag soll die Fortis Bank von der Holding zugleich einen 25-prozentigen Anteil am Versicherungsgeschäft Fortis Insurance Belgium für 1,375 Milliarden Euro erwerben. Die Finanzierung wird dem Plan zufolge von der BNP garantiert. Der überarbeitete Plan ermöglicht der Holding damit, ihr Versicherungsgeschäft fortzuführen.

Im Februar hatten die Fortis-Aktionäre mit einer hauchdünnen Mehrheit gegen die Pläne des belgischen Staates für eine Aufspaltung des Finanzkonzerns gestimmt und damit die Expansionspläne der BNP Paribas infrage gestellt. BNP wollte schon damals den Mehrheitsanteil an der Fortis Bank übernehmen und ihr Geschäft damit auf Belgien und Luxemburg ausweiten. Bislang ist BNP vor allem in Frankreich und Italien präsent.

Aktionärsvertreter reagierten auf den nun vorgelegten Vorschlag unterschiedlich: Die flämische Vereinigung VFB, die rund 5600 Fortis-Aktionäre vertritt, begrüßte den überarbeiteten Plan. Sie rechnet bei der für April erwarteten erneuten Aktionärsabstimmung mit einer ausreichenden Zustimmung.

Gegen das Vorhaben votieren will der Anwalt Mischael Modrikamen, der 2400 Anteilseigner vertritt. Der Plan gebe den Aktionären keinen Anlass zur Freude. "Für den belgischen Staat ist es die komplette Niederlage", sagte er. Hauptaktionär von Fortis ist der chinesische Versicherer Ping An. Auch er hatte sich im Februar gegen die Zerschlagungspläne gesperrt.

Geteiltes Echo bei Aktionären

Marc Debrouwer, Analyst bei Petercam, stufte die Papiere von Fortis von "Hold" auf "speculative Buy" hoch. Die Höhe der Barmittel sei verbessert worden, was vorteilhaft wäre, sollte der Konzern planen, die niederländischen Versicherungsaktivitäten zurückzukaufen.

Ein anderer Analyst erklärte, er sehe immer noch ein gewisses rechtliches Risiko, was den Kurs etwas zügeln könnte. Dennoch: Das jetzige Abkommen zwischen der BNP und dem belgischen Staat sei fundamental anders als das ursprüngliche.

Mit Blick auf BNP wertete ein weiterer Analyst die geplante Transaktion als teuer. Das Abkommen werde 2011 die Gewinnbasis um etwa 4,7 Prozent verbessern, während sich gleichzeitig die Zahl der Aktien um 14,5 Prozent erhöhe. Daher rechnete er damit, dass die Gewinnerwartungen für die Franzosen um 10 bis 13 Prozent gesenkt werden.

Fortis war im Zuge der weltweiten Finanzkrise vor allem die Beteiligung am Kauf des niederländischen Rivalen ABN Amro zum Verhängnis geworden. Ende Oktober beschlossen die Regierungen Belgiens, Luxemburgs und der Niederlande die Zerschlagung des Instituts.

Die Aktien von BNP, die mit diesem Geschäft gemessen an den Einlagen zum größten Institut der Euro-Zone aufstiegen, legten gegen den Branchentrend zeitweise 4,4 Prozent auf 22,69 Euro zu, konnten die anfänglichen Gewinne aber nicht halten und notierten zuletzt mit einem Plus von 0,12 Prozent bei 21,76 Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa