Lloyds Aktie bricht nach Verstaatlichung ein

Die Aktien von Lloyds sind am Montag nach der angekündigten Verstaatlichung um mehr als 14 Prozent eingebrochen. Gleichzeitig machten neue Gerüchte die Runde, der Staat könne seine Beteiligung an der Bankengruppe auf 100 Prozent aufstocken.

Frankfurt am Main - Die Aktien der Lloyds Banking Group waren am Montag mit einem Minus von mehr als 14 Prozent schwächster Wert im britischen FTSE-100-Index. Wie das Finanzministerium am Samstag in London mitteilte, stockt die Regierung ihren Anteil von 43 auf 65 Prozent auf. Zusammen mit nicht stimmberechtigten Aktien steigt der Anteil damit sogar auf 77 Prozent.

Im Gegenzug sichert der Staat faule Papiere im Wert von 260 Milliarden Pfund (290,5 Milliarden Euro) ab. Damit verpflichtet sich die Lloyds Banking Group, über die kommenden zwei Jahre wieder Kredite an Privatleute und Unternehmen im Wert von mindestens 28 Milliarden Pfund bereitzustellen.

Ein Händler bemängelte vor allem die Kosten, die der Bankengruppe alleine dafür entstünden, dass sie unter den Rettungsschirm der Regierung schlüpfen darf. "Die Kosten für die Versicherung sollen bei 15,6 Milliarden Pfund liegen!", zeigte sich der Börsianer schockiert.

Gleichzeitig machten neue Gerüchte über eine komplette Verstaatlichung die Runde. "Die Regierung hält zwar Anteile an Lloyds, verfügt aber nicht über die unternehmerische Kontrolle", betonte Aktienmarktexperte Justin Urquhart von Stewart Seven Investment Management. Da sie ihre Politik damit nicht durchsetzen könne, drohe eine vollständige Verstaatlichung.

Im Sog von Lloyds gerieten die Bankenwerte europaweit unter Druck, der Branchenindex fiel um bis zu 5 Prozent auf den tiefsten Stand seit September 1992. Mit Kursverlusten zwischen 7 und 10 Prozent belegten neben Llyods die Konkurrenten HSBC , Barclays , Royal Bank of Scotland  und Standard Chartered  die ersten fünf Plätze auf der Verliererliste des britischen Auswahlindex FTSE.

Die Bankengruppe war im vergangenen Herbst aus der Notfusion von Lloyds TSB und der wankenden Halifax Bank of Scotland (HBOS)entstanden. Die Übernahme von HBOS hatte der Gruppe einen Verlust von fast elf Milliarden Pfund beschert.

Die sogenannten "Giftpapiere", die jetzt abgesichert werden, stammen zu 83 Prozent von HBOS. Kritiker monierten, dass eine eigentlich gesunde Bank wie Lloyds durch die Übernahme - die die Regierung unterstützt hatte - in den Strudel der Finanzkrise gerissen wurde.

Lloyds zahlt für die Versicherung eine Gebühr von 15,6 Milliarden Pfund. Für die ersten Zahlungsausfälle von bis zu 25 Milliarden Pfund haftet die Bankengruppe selbst - für den Rest steht der Steuerzahler gerade. Das Unternehmen betonte, dass der stimmberechtigte Anteil des Staates auf höchstens 75 Prozent beschränkt sein wird.

Die Versicherung der Wertpapiere wird durch ein zweites staatliches Rettungspaket für die Bankenlandschaft ermöglicht. Als erstes britisches Kreditinstitut hatte die Royal Bank of Scotland (RBS) ihre "toxischen Wertpapiere" im Volumen von 325 Milliarden Pfund versichert. Die möglichen Belastungen aus diesen Ramschpapieren gelten als Grund dafür, dass die Banken nur zögerlich Kredite vergeben, wodurch Unternehmen das Geld ausgeht und Stellen abgebaut werden. Der Staat hatte bisher vergeblich versucht, den Kreditfluss wieder ins Laufen zu bringen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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