Sonntag, 25. August 2019

Soziale Investments Gutes Geld, Glaube, Gewissen

Professoren der Eliteuni Princeton lesen blamierten Wall-Street-Managern die Leviten. Ihre These: Soziale Investments können in der Krise Vertrauen wiederherstellen - und dabei sogar noch gute Renditen erzielen.

Das Letzte, was Anleger wollen, sei eine innovative Bank: "Das ist eine beängstigende Sache", schimpft Collin Melvin. Mit kaum unterdrücktem Ärger spricht er über diejenigen Banker, die mit ihren ausgeklügelten "innovativen" Investments die Krise erst richtig ins Rollen gebracht hätten. Im Raum herrscht Stille, nur der Beamer brummt. 30 Zuhörer, in U-Form sitzend, schauen verstohlen nach vorn. Die Stimmung ist angespannt, die Atmosphäre ziemlich schwül.

Ethische Wertvorstellungen statt reine Rendite: Mit sozialen Investments verdient man gutes Geld, sauber, sicher, aber längst nicht so profitabel
Die Spekulationsblase, öffentliche Milliardenverluste und private Prämien für Topbanker - das hätte für ein Umdenken unter den Anlegern gesorgt, sagt Harrison Hong vorsichtig. Als Professor für Volkswirtschaft an der Eliteuni Princeton und Zögling des US-Notenbankchefs Ben Bernanke hat er die Konferenz zum Thema "Social Responsible Investing" (SRI) in Princeton organisiert. Unter den Teilnehmern sind prominente Professoren der Ivy-League, Manager und Investoren aus der Praxis.

Manche haben sich erst kürzlich für SRI begeistern können, andere zweifeln weiter an der Umsetzung. "Eine ungewöhnliche Runde als Kick-off zum Thema sozialer Investments", sagt Hong. Das muss sein, weil immer mehr Anleger wissen wollen, wo Investmentbanker ihr Geld anlegen: Ob sie bei ihren Anlageentscheidungen auch nach ethischen Wertvorstellungen fragen statt nach reinen Renditekriterien.

Chancen auf nachhaltigen Gewinn

Collin Melvin steht noch immer am Rednerpult und wirbt offen für SRI. Er ist Oberhirte bei Hermes Equity Ownership Services, einer Tochter des Pensionsfonds der British Telecom. Eine ohnehin konservative Strategie im Kopf, managt seine Firma Privatvermögen in Höhe von 60 Milliarden US-Dollar, verspricht langfristige Renditen mit ethischem Anspruch. Und diese Grundsätze zählen wieder an der Börse, sie sind sogar denkbar als "echte Innovation", munkelt ein Zuhörer. Umweltschutz und Menschenrechte seien nicht mehr bloß Forderungen von Non-Profit-Organisationen, sondern bieten Chancen auf nachhaltigen Gewinn.

Der Tenor der Konferenz: Auch mit sozialen Investments kann man gutes Geld verdienen, sie sind sauber, sicher, kurzfristig aber nicht ganz so profitabel. SRI wirkt bei den Managern in der Runde als Schlüsselwort, um vor allem das verloren gegangene Vertrauen vieler Anleger wiederzugewinnen.

Sozialverantwortliches Investieren ist keine blanke Theorie, sondern längst Praxis in einigen Portfolios, wie Zahlen belegen: Rund drei Billionen US-Dollar sozialer Investments wurden 2008 rund um den Globus gehandelt, vor allem in Großbritannien und in den USA.

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