Zinsentscheid EZB senkt Zinsen auf Rekordtief

Der Rat der Europäischen Zentralbank hat den Leitzins um 50 Basispunkte auf 1,5 Prozent gesenkt. Das ist der niedrigste Stand seit der Einführung des Euro. Zuvor hatte bereits die Bank of England ihren Zinssatz nahe null gedrückt.

Frankfurt am Main - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihren Leitzins im Kampf gegen die Wirtschaftskrise auf den tiefsten Stand seit Einführung des Euro vor zehn Jahren gesenkt. Der Schlüsselzins für die Refinanzierung der Banken sinke auf 1,5 von 2 Prozent, teilte die Notenbank am Donnerstag nach einer Sitzung des EZB-Rats in Frankfurt mit.

EZB-Präsident Jean-Claude Trichet begründete den Zinsbeschluss des EZB-Rats mit der sich vertiefenden Rezession in den Ländern der Währungsunion und der weiter nachlassenden Kreditvergabe durch die Banken in den vergangenen Monaten. Zwar werde sich die Konjunktur im kommenden Jahr graduell erholen.

Die EZB-Volkswirte hätten jedoch ihre Prognosen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in diesem Jahr deutlich gekappt. Sie rechnen nun damit, dass die Konjunktur 2009 um bis zu 3,2 Prozent schrumpfen wird.

Die Wirtschaft begrüßte die Zinsentscheidung der EZB. "Sie nutzt den Spielraum, den ihr der sinkende Preisdruck eröffnet", sagte der Chefvolkswirt des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Volker Treier. Angesichts der schwierigen konjunkturellen Situation sei die Zinssenkung angemessen. Sie trage zur Stabilisierung der Finanzmärkte bei.

Der DGB ging die EZB dagegen scharf an. "Sie reagiert zu spät und zu zögerlich auf die historische Wirtschaftskrise", sagte der Chefvolkswirt der Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), Dierk Hirschel, zu Reuters. "Sie hätte sich ein Beispiel an den angelsächsischen Banken nehmen und die Zinsen schnell und drastisch senken sollen." Die Meinung vertritt auch Dekabank-Volkswirt Sebastian Wanke.

"Die EZB hätte den Zinssatz schon im Dezember auf 1,50 Prozent senken müssen, die Indikatoren hatten den scharfen Rückgang der Wirtschaftskraft schon angezeigt", sagte Wanke. Und Sal.-Oppenheim-Volkswirt Norbert Braems geht moch einen Schritt weiter: "Die EZB wird voraussichtlich schon im April auf 1 Prozent nach unten gehen", sagte Braems. Nach Meinung der Notenbanker selbst wird es dann allerdings kaum noch tiefer gehen.

"Wir haben uns nicht darauf festgelegt, dass dies der niedrigste Punkt ist", sagte Trichet auf die Frage nach einer Untergrenze des Leitzinses. "Ich bestätige aber, dass wir einige Nachteile bei einer Nullzinspolitik sehen", sagte EZB-Chef Trichet heute.

In den USA liegt der Leitzins nahe null Prozent. Vor der EZB hatte am Mittag bereits die Bank von England ihren Leitzins auf das historische Tief von 0,5 Prozent gekappt und den Ankauf von Staatsanleihen angekündigt um zusätzlich Milliarden in die Wirtschaft zu pumpen. Vor der EZB hatte bereits die Bank von England den Leitzins für Großbritannien auf ein Rekordtief von 0,5 Prozent gedrückt. Die Krise hat das Land besonders stark im Griff.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

Preisentwicklung: "Zinsen auf null"

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