Zugeständnisse in der Not Schaeffler fehlen sechs Milliarden Euro

Im Ringen um Staatshilfe ist der angeschlagene Familienkonzern Schaeffler zu erheblichen Zugeständnissen bereit. Der Autozulieferer will im Schulterschluss mit der IG Metall erstmals Mitbestimmung einführen. Zudem wollen die Gesellschafter - Familie Schaeffler also - zwecks Schuldenabbau ihre Anteile reduzieren.

Hamburg - Um sich die Unterstützung der einflussreichen IG Metall zu sichern, werden die jahrzehntelang verschlossenen Herzogenauracher Mitbestimmung einführen, teilten Schaeffler und die IG Metall am Montag in einer gemeinsamen Erklärung zu einem Eckpunktepapier mit.

Demnach ist das Unternehmen zudem bereit, ein Beteiligungsprogramm für die Mitarbeiter aufzulegen. Die Schaeffler-Gesellschafter wiederholten ihre Bereitschaft zur Abgabe von Anteilen an der Schaeffler-Gruppe. Die Unternehmerfamilie Schaeffler solle aber auch zukünftig wesentlicher Ankergesellschafter der Conti/Schaeffler-Gruppe bleiben.

IG-Metall-Chef Berthold Huber sagte in Frankfurt, in der Gruppe würden Mitbestimmungsrechte wie in einer Aktiengesellschaft eingeführt. Das sei unabhängig von der tatsächlichen Rechtsform. Hintergrund: Derzeit ist Schaeffler als Kommanditgesellschaft (KG) organisiert. Schon im Oktober vergangenen Jahres hat das Unternehmen aber mit Blick auf eine mögliche Hereinnahme zusätzlicher Investoren die Umwandlung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) prüfen lassen. Dies ist nach wie vor die favorisierte Rechtsform.

Allerdings mag der Aufsichtsrat einer KGaA zwar paritätisch mit Vertretern der Arbeitnehmer- sowie der Kapitalseite besetzt sein. Sein Einfluss auf die Unternehmensführung ist aber geringer als jener bei einer "echten" Aktiengesellschaft. Denn die Geschäftsführung einer KGaA obliegt allein den Komplementären - und die können vom Aufsichtsrat einer KGaA weder bestellt noch abberufen werden.

Familie Schaeffler sei zudem bereit, sich von einem wesentlichen Teil ihrer Beteiligung zu trennen, um die milliardenschwere Verschuldung des Konzerns abzubauen, wurde weiter mitgeteilt.

Das Unternehmen brauche die vorübergehende Unterstützung des Bundes und der Länder, sagte Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler. Auch die Mitarbeiter sollten an Schaeffler beteiligt werden.

Schaeffler fehlen nach eigenen Angaben fünf bis sechs Milliarden Euro. Georg Schaeffler, zusammen mit seiner Mutter Maria-Elisabeth persönlich haftender Gesellschafter des Unternehmens, sagte am Montag in Frankfurt, es liege eine "Eigenkapitallücke" in dieser Höhe vor.

Wie viel Eigenkapital Schaeffler brauche, hänge von der Unterstützung Dritter ab. Das Unternehmen sehe sich aber "nicht in einem Insolvenzszenario". "Es wird nur so gehen, dass Unternehmensanteile verkauft werden", sagte Georg Schaeffler. Welchen Anteil die Familie abgeben müsse, sei offen. Das hänge von einer Unternehmensbewertung ab. Der Sanierungsplan werde "in kürzerer Zeit" vorliegen, sagte Maria-Elisabeth Schaeffler.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dow jones

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