Thilenius-Kolumne Chancen mit Öl

Der Ölpreis dürfte seinen Boden gefunden haben. Und die Preise könnten schon bald wieder anziehen, sagen Experten. Bei aller gebotenen Vorsicht gegenüber Ölpreisprognosen sollte der Anleger aber über ein Investment nachdenken - gerade wenn es sich durch eine hohe und konstante Dividendenrendite auszeichnet.

Der Ölpreis dürfte unter großen Schwankungen bei etwa 40 Dollar pro Barrel seinen Boden gefunden haben. Der Abstieg vom Hoch bei 147 Dollar pro Barrel Mitte letzten Jahres bis zum Tiefstand knapp unter 40 Dollar kurz vor dem Jahreswechsel verlief nahezu linear, nur von wenigen Korrekturen unterbrochen. Seither bildet sich ein stabiler und breit angelegter Boden zwischen ungefähr 35 und 45 Dollar.

Nach der von den Regierungen weltweit betriebenen Reflationierung der Wirtschaft ist ab dem zweiten Halbjahr 2009 ein höherer Ölpreis wahrscheinlich. Die US Energy Information Administration erwartet 43 Dollar im Durchschnitt für 2009. Die Opec strebt auf die Dauer etwa 70 Dollar an. Damit ist Öl als mittel- bis langfristige Anlage jetzt wieder interessant. Die Prognostiker des Ölpreises haben sich im letzten Jahr allerdings wenig Glorie verdient und wir glauben nicht, dass sich ihre prognostischen Fähigkeiten seither weiter verbessert haben.

In dieser Lage ist es bemerkenswert, dass der französische Ölkonzern Total  die Dividende für 2008 um 10 Prozent auf 2,28 Euro erhöhen will. Dies zeigt neben den guten Ergebnissen für das Jahr 2008 die Zuversicht dieses großen europäischen Unternehmens, auch in Zukunft angemessene Gewinne zu erwirtschaften und nicht etwa für 2009 die Dividendenerhöhung gleich wieder einkassieren zu müssen. Daraus ergibt sich vor Abgeltungssteuer eine Dividendenrendite von 5,8 Prozent.

Demgegenüber liegt die Rentenrendite für öffentlichen Anleihen nach Berechnung der FAZ bei 3,44 Prozent. Hier tritt die seltene Situation ein, dass ein erstklassiges Unternehmen eine höhere Rendite anbietet als der Durchschnitt der öffentlichen Emittenten. Zum ersten Mal seit 1957 liegen derzeit die Dividendenrenditen in Europa über den Renditen der Anleihen.

Dazu kommt, dass gute Unternehmen, zu denen auch Total gehört, wie auch die BASF , Eon  und RWE  Ihre Dividenden im Laufe der Zeit kontinuierlich erhöhen. Die Stabilität der Total Aktie zeigt sich auch daran, dass sie im laufenden Jahr um 1,2 Prozent gestiegen ist, während der Euro Stoxx 50, dessen Mitglied Total auch ist, um 13 Prozent gefallen ist.

Bei einer Erholung der Märkte kann der Total-Investor keine großen Sprünge erwarten, wie sie dann etwa bei mehr zyklischen Werten zu erwarten sind. Wer aber langfristig und renditebewusst anlegen möchte, hat jetzt nach unserer Meinung die seltene Gelegenheit, ein erstklassiges Unternehmen mit einer weit überdurchschnittlichen Dividendenrendite zu erwerben.

Der Autor geschäftsführender Gesellschafter der Stuttgarter Vermögensverwaltungsgesellschaft Dr. Thilenius Management GmbH in Stuttgart. Das Unternehmen unterliegt der BaFin.