Postbank-Chef Klein "Dann gnade uns Gott"

Die Postbank ist 2008 erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt in die Verlustzone gerutscht. Vorstandschef Wolfgang Klein drängt auf eine Form von "Bad Bank" zur Lösung der Finanzkrise. Für 2008 verzichten der oberste Postbanker und seine Kollegen auf Bonuszahlungen.

Frankfurt am Main - Die Postbank, die bald zum Teil der Deutschen Bank gehört, erzielte im vergangenen Jahr einen Fehlbetrag vor Steuern von 974 Millionen Euro. Dies teilte das in Bonn ansässige Institut am Donnerstag mit. Im Jahr zuvor hatte noch ein Vorsteuergewinn von 992 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Postbank-Chef Wolfgang Klein erwartet für 2009 weitere Belastungen. Es sei damit zu rechnen, dass die angespannte Situation an den Märkten die Ertragslage weiterhin beeinträchtigen werde. Zudem sei wegen steigender Kreditausfälle eine höhere Risikovorsorge vor allem außerhalb Deutschlands zu erwarten.

Der Vorstand bekräftigte dennoch das Ziel, mittelfristig eine Eigenkapitalrendite von 13 bis 15 Prozent nach Steuern zu erwirtschaften. Grund für das Minus 2008 waren Belastungen von insgesamt über einer Milliarde Euro, die vor allem im vierten Quartal anfielen. So musste die Postbank  allein 336 Millionen Euro auf das Engagement bei dem Pleite gegangenen US-Institut Lehman Brothers abschreiben.

Hinzu kamen Wertkorrekturen auf Kreditpapiere sowie erhebliche Belastungen durch den Abbau von Wertpapierbeständen. Die Bank ist seit einigen Monaten dabei, risikobehaftete Papiere zu verkaufen und nimmt dafür negative Auswirkungen auf ihren Gewinn in Kauf. Der Abbau der Portfolios werde künftig noch stärker forciert, kündigte der Vorstand an. Im operativen Geschäft machte die auf deutsche Privat- und Geschäftskunden spezialisierte Bank dagegen Fortschritte.

Der Zinsüberschuss legte um 255 Millionen Euro auf 2,5 Milliarden Euro zu. Das Provisionsergebnis kletterte um zwei Millionen auf 1,43 Milliarden Euro. Die Risikovorsorge im Kreditgeschäft stieg allerdings um 70 Millionen auf 408 Millionen Euro. Die Kernkapitalquote, eine der wichtigsten Kennziffern zur Beurteilung der Kapitalkraft einer Bank, lag Ende 2008 dank einer Kapitalerhöhung durch die Muttergesellschaft Post bei 7,4 Prozent.

Das ist international gesehen relativ gering, im Vergleich zu früheren Kapitalquoten der Postbank aber deutlich besser. September 2008 war die Quote wegen Abschreibungen auf nur noch 5,5 Prozent gesunken.

"Bad Bank"-Lösung gefordert, Verzicht auf Boni

Dennoch drängt die Postbank auf eine Form von "Bad Bank" zur Lösung der Finanzkrise. "Wir müssen diesen Teufelskreis an immer neuen Wertkorrekturen durchbrechen", sagte Klein. "Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass man etwas machen muss, weil ich nicht glaube, dass wir sonst diese Krise schnell überstehen können."

Die wirtschaftlichen Risiken seien enorm. "Wenn wir im zweiten Halbjahr auch noch die gesamte Exportwirtschaft in der Krise drin haben, dann Gnade uns Gott." Eine Möglichkeit sei, dass Banken eine zeitlang nur die tatsächlichen Ausfälle von betroffenen Papieren verbuchten, sagte Klein. Es müsse aber eine Lösung gefunden werden, die dem Steuerzahler keine Verluste aufbürde. Die Postbank selbst würde gerne ihr Portfolio an strukturierten Krediten auslagern, um weitere Belastungen durch Wertkorrekturen zu vermeiden.

"In dieses Portfolio zu investieren, war sicher ein Riesenfehler der Postbank", räumte Klein ein. "Wir wollen die Suppe jetzt selbst auslöffeln", dafür brauche die Bank aber Zeit. Das betroffene Portfolio der Postbank hat ein Volumen von sechs Milliarden Euro, knapp zwei Milliarden davon sind bereits abgeschrieben. Bislang müssen Geldinstitute immer zu einem Stichtag diese Papiere bewerten, was angesichts der Turbulenzen an den Märkten und stark gefallener Preise zu hohen Bewertungsverlusten führt.

Um die Suppe selbst auszulöffeln, verzichtet der Postbank-Vorstand auf seine Bonuszahlungen. "Ich gehe davon aus: Für den Postbank-Vorstand wird es keinen Bonus geben", sagte Klein. "Für unsere Führungskräfte möchte ich die gute Gewohnheit beibehalten, dass wir die Verträge, die wir mit ihnen geschlossen haben, auch einhalten." Die Postbank habe vor, "genauso individuell zu honorieren, wie wir es vereinbart haben".

Klein betonte: "Die Tatsache, dass wir durch die Finanzmarktkrise so schlechte Zahlen ausweisen müssen, wird jeder Mitarbeiter bei uns spüren, aber in einer sinnvollen, strukturieren, verantwortlichen Weise." Bei Führungskräften betrage die Bonuskomponente am Gesamtgehalt 40 Prozent.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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