2008 LBBW macht 2,1 Milliarden Euro Verlust

Die größte deutsche Landesbank LBBW muss im Jahr 2008 einen Verlust von rund 2,1 Milliarden Euro verkraften. Allein das Engagement in Island kostete die Bank rund 350 Millionen Euro, der Bankrott von Lehman Brothers verschlang etwa 250 Millionen Euro. Gutachter empfehlen eine Neupositionierung der Bank.

Stuttgart - Zu schaffen gemacht hätten der Landesbank Baden-Württemberg (LLBW) vor allem Bewertungsverluste von Wertpapieren und Kreditderivaten sowie Ausfälle wegen des Zusammenbruchs der US-Investmentbank Lehman Brothers. Dies teilte das Institut am Mittwoch in Stuttgart mit. Außerdem kämpfe die Bank wegen der Wirtschaftskrise mit einem Anstieg der Risikovorsorge.

Die Eigner - Land Baden-Württemberg, Sparkassen und die Stadt Stuttgart - diskutieren derzeit über eine Finanzspritze von rund fünf Milliarden Euro für das von der Krise schwer getroffene Institut.

Gutachter empfehlen den Eigentümern, der LBBW unter die Arme zu greifen, hieß es aus Kreisen der Trägerversammlung. Dadurch steige die Eigenkapitalquote der LBBW auf acht Prozent und bis 2011 auf über zehn Prozent, hätten die Unternehmensberater erklärt. Derzeit liegt die Kapitalquote, die das Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgegebenen Krediten widerspiegelt, bei rund sechs Prozent.

Wappnung gegen mögliche Ausfälle

Mit der Erhöhung der Risikovorsorge will sich die LBBW gegen mögliche Kreditausfälle wappnen. Denn wegen der Wirtschaftskrise steigt die Gefahr, dass Kreditnehmer ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Die Risikovorsorge soll Angaben aus Finanzkreisen zufolge für 2008 auf rund eine halbe Milliarde Euro fast verdreifacht worden sein. 2007 lag sie noch bei 186 Millionen Euro. Ein Sprecher der Bank wollte sich dazu am Mittwoch nicht äußern und verwies auf die Jahrespressekonferenz der LBBW am 31. März.

Gutachter empfehlen Neupositionierung

Als Konsequenz aus den Verlusten empfehlen die Gutachter der LBBW einem Bericht der "Stuttgarter Nachrichten" (Donnerstag) zufolge eine Neupositionierung. Neben dem Abschmelzen des Kreditersatzgeschäfts soll sich die zum Konzern gehörende BW-Bank bundesweit ausdehnen. Die Gutachter rechnen dadurch mit Bruttoerlösen von einer Milliarde Euro bis zum Jahr 2015. Durch die Fusion von Dresdner Bank und Commerzbank sowie den Rückzug der IKB sei "eine echte Versorgungslücke" in der deutschen Bankenlandschaft entstanden, zitierte das Blatt die Gutachter. Die BW-Bank könne diese nutzen und so das gehobene Unternehmenskundengeschäft ausbauen. "Spätestens im zweiten Quartal 2009" solle die Bank in Bayern und Nordrhein-Westfalen aktiv werden.

Fusion mit BayernLB "strukturpolitisch naheliegend"

Eine Fusion der LBBW mit der zweitgrößten Landesbank BayernLB, über die seit Monaten diskutiert wird, sei "strukturpolitisch naheliegend", zitiert das Blatt aus dem Gutachten. "Betriebswirtschaftlich wäre ein Zusammengehen allerdings mit großen Herausforderungen verbunden." Um die neue Südbank wettbewerbsfähig zu halten, seien "Kosteneinsparungen im hohen dreistelligen Millionenbereich erforderlich." Der Verwaltungsrat der Bank will am Donnerstag über die Gutachten beraten.

Im operativen Geschäft hätten sich die Erträge 2008 "als stark und stabil behauptet", teilte die LBBW mit. Dies habe die Verluste aus der Finanzkrise aber nicht wettmachen können, teilte die LBBW mit. Bereits nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2008 hatte LBBW-Chef Siegfried Jaschinski ein Minus von rund 800 Millionen Euro eingeräumt.

Island und Lehman Brothers kosten Bank 600 Millionen Euro

Allein das Engagement in Island kostete die Bank rund 350 Millionen Euro und der Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers bescherte der LBBW einen Verlust von etwa 250 Millionen Euro. Schon zuvor war das Institut wegen Wertberichtigungen auf strukturierte Wertpapiere (ABS) und Bewertungskorrekturen bei Kreditausfallversicherungen (CDS) in die roten Zahlen gerutscht. Zwei Drittel der Belastungen im Jahr 2008 hat die Bank nach eigenen Angaben mit der Übernahme der früheren SachsenLB und Landesbank Rheinland-Pfalz eingekauft.

Die Finanzkrise hatte die größte deutsche Landesbank bereits 2007 massiv belastet. Der Jahresüberschuss war um zwei Drittel auf 311 Millionen Euro eingebrochen. Nach dem deutschen Handelsgesetzbuch schreibt die LBBW anders als nach den internationalen Rechnungslegungsvorschriften IFRS auch 2008 Gewinn, weil Reserven aufgelöst wurden.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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