Continental/Schaeffler Das jüngste Gerücht

In unruhigen Marktphasen genügt schon ein leises Raunen, um Aktien zu bewegen. Das hat sich am Donnerstag im Falle Continental einmal mehr bestätigt. Aber auch in Sachen Schaeffler gibt es Neuigkeiten - die SPD scheint sich mit einer Rettung anfreunden zu können.

Hannover - Erneute Gerüchte über eine angeblich anstehende Kapitalerhöhung haben die Aktie des Autozulieferers Continental  am Donnerstag auf Talfahrtgeschickt. Mit einem Minus von mehr als 6 Prozent gehörten sie zu den größten Verlierern im Nebenwerteindex MDax.

"Die Gerüchte sind nicht nachvollziehbar", sagte ein Firmensprecher. "Der Markt ist derzeit nicht in der Verfassung, eine Kapitalerhöhung machen zu können." Der in Kürze zu Thyssenkrupp wechselnde Finanzvorstand Alan Hippe hatte vor kurzem gesagt, der Konzern erwäge eine milliardenschwere Kapitalerhöhung. Für Verwirrung an der Börse sorgten Conti-Aktien mit einer eigenen Wertpapierkennnummer (WKN), die für ein Aktienoptionsprogramm für leitende Angestellte gedacht sind. Viele Börsianer sahen in der neuen Nummer einen Hinweis darauf, dass die Ausgabe neuer Aktien bevorstehe. "Bei der neuen WKN handelt es sich um Aktien, die aus dem bedingten Kapital 2004 entstehen könnten und nicht aus dem genehmigten Kapital", sagte allerdings der Firmensprecher.

Spekulationen über eine Kapitalerhöhung hatten in den vergangenen Wochen ebenso für Ausschläge der Conti-Aktie gesorgt wie Gerüchte über ein angebliches Interesse von Investoren am Unternehmen und dessen angeschlagenem Großaktionär Schaeffler. Am Mittwoch hatte aber zum einen der als Käufer der Conti-Reifensparte gehandelte Reifenkonzern Pirelli  jegliches Interesse abgestritten. Außerdem erklärte der von der "Financial Times Deutschland" als Conti/Schaeffler-Interessent ins Gespräch gebrachte arabische Staatsfonds IPIC: "Es gab weder Kontakt zwischen IPIC und Schaeffler oder Conti, noch hat IPIC vor, in einen Dialog mit ihnen zu treten, an dem Gerücht ist also kein Fünkchen Wahrheit dran."

Nun sorgt die Politik für neue Bewegung. Denn die SPD ist nun doch zu Staatshilfen für den schwer angeschlagenen Schaeffler-Konzern bereit. Das ist das Ergebnis eines Gesprächs von örtlichen SPD-Politikern, Gewerkschaftern und Betriebsräten am Donnerstag bei SPD-Fraktionschef Peter Struck in Berlin. Voraussetzungen seien ein tragfähiges Sanierungskonzept, eigene finanzielle Anstrengungen der Eigentümer-Familie Schaeffler und der Banken sowie mehr Transparenz im Unternehmen, hieß es in einer Mitteilung der Nürnberger SPD-Bundestagsabgeordneten Renate Schmidt.

Die Hilfe müsse gemeinsam vom Bund und den beteiligten Ländern geleistet werden. Das Sanierungskonzept, an dem die Arbeitnehmervertreter beteiligt werden müssten, dürfe keine Zerschlagung des Konzerns enthalten, hieß es weiter. "Die Transparenz im Betrieb muss erhöht und die Offenlegung der persönlichen Beteiligungen der Familie Schaeffler einschließlich der bisherigen Reinvestitionen der Gewinne gewährleistet werden."

Helfen, aber wie

Helfen, aber wie

Unter diesen Bedingungen "werden notwendige staatliche Hilfen ernsthaft geprüft". Ziel sei es, die Arbeitsplätze an den bisherigen Standorten zu erhalten. Mögliche Hilfen bedeuteten auch, dass Mitbestimmungsmöglichkeiten für den Staat und die Arbeitnehmervertreter gewährleistet würden.

Struck habe sich bei dem von der früheren Bundesfamilienministerin Schmidt eingefädelten Treffen deutlich offener für Staatshilfengezeigt als noch vor einigen Wochen, sagte der Landrat des Kreises Erlangen-Höchstadt, Eberhard Irlinger, der dpa. Bislang hatten sich führende SPD-Politiker wie Bundesfinanzminister Peer Steinbrück strikt gegen Unterstützung für Schaeffler ausgesprochen.

Irlinger hatte gemeinsam mit dem Herzogenauracher Bürgermeister German Hacker (SPD) sowie Vertretern der IG Metall und des Schaeffler-Betriebsrats bei Struck um Verständnis für die Notlage des fränkischen Unternehmens geworben. An dem Treffen nahmen weitere hochrangige SPD-Politiker wie die Fraktionsvize Joachim Poß und Walter Kolbow, der bayerische SPD-Landesvorsitzende Ludwig Stiegler und der bayerische SPD-Landesgruppenchef Florian Pronold teil.

Schaeffler bittet Berichten zufolge um staatliche Bürgschaften in Höhe von vier Milliarden Euro. Der Herzogenauracher Konzern ist nach der Übernahme des Autozulieferers Continental mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldet.

Auch die Mitarbeiter des angeschlagenen Autozulieferers wollen dem Konzern zur Seite stehen und die Politik zu einer überbrückenden Finanzspritze bewegen. "Ziel ist, dass wir kurzfristig - bis man einen Investor findet - Unterstützung von der Bundesregierung bekommen", sagte Michael Huss am Donnerstag in Herzogenaurach. Der langgediente Angestellte gehört zum Koordinationsteam, das auch eine finanzielle Beteiligung der Mitarbeiter in Erwägung zieht. Die Schaeffler-Beschäftigten initiierten eine Unterschriftenliste und verfassten einen Aufruf sowie ein Positionspapier. Am kommenden Mittwoch wollen die Beschäftigten in Herzogenaurach demonstrieren.

Zu Berichten, wonach der angeblich an einem Einstieg interessierte arabische Staatsfonds IPIC doch kein Engagement plane, wollte Schaeffler unterdessen keine Stellung nehmen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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