Montag, 23. September 2019

Fortis Absturz ins Chaos

Chaos beim belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis: Einen Tag nach dem Votum der Anteilseigner gegen eine Zerschlagung sind die Fortis-Aktien zeitweise um ein Viertel ihres Wertes eingebrochen. Nun steht auch der Verkauf einiger Geschäftsbereiche an BNP Paribas auf der Kippe. Wie es weitergeht, ist völlig unklar.

Frankfurt - Die Papiere von Fortis Börsen-Chart zeigen, die am Mittwoch vom Handel ausgesetzt waren, brachen um bis zu 25 Prozent auf 0,99 Euro ein. Mit ihrer Ablehnung der Verstaatlichung einiger Sparten durch die Niederlande und Belgien steht nun auch der Verkauf einiger Geschäftsbereiche an BNP Paribas Börsen-Chart zeigenauf der Kippe. Die französische Bank wollte 10 Prozent des belgischen Fortis-Versicherungsgeschäfts für 550 Millionen Euro erwerben. BNP-Papiere gaben an der Pariser Börse 4,7 Prozent auf 26,50 Euro nach.

Die Aktionäre der schwer angeschlagenen belgisch-niederländischen Bankhatten am Mittwoch den Verkauf von Sparten des Finanzkonzerns an die Niederlande und Belgien abgelehnt. Damit sei es sinnlos, auch über den Verkauf von Geschäftsteilen an BNP Paribas abzustimmen, sagte der amtierende Fortis- Direktoriumschef Jan-Michiel Hessels auf der Versammlung.

Er kündigte ein baldiges Treffen mit BNP Paribas an, um die Auswirkungen des Votums zu erörtern. Fortis-Chef Karel De Boeck warnte, sollte BNP Paribas sein Kaufangebot zurückziehen, werde Fortis um staatliche Hilfe bitten müssen.

Die Versammlung war einberufen worden, nachdem die Aktionäre auf dem Rechtsweg durchgesetzt hatten, dass die staatlich angeordnete Zerschlagung von Fortis und der Verkauf von Geschäftsbereichen an BNP Paribas auf Eis gelegt wurde. Die Fortis-Aktionäre hatten zunächst eine Nachbesserung des Angebots von BNP Paribas gefordert. Die französische Bank wollte für 14,5 Milliarden Euro 75 Prozent der Anteile der Fortis-Operationen in Belgien und Luxemburg übernehmen. Der Vorstandsvorsitzende von BNP Paribas, Baudouin Prot, schloss Nachverhandlungen am vergangenen Wochenende jedoch aus.

Der Verkauf der niederländischen Sparten des Mehrländer-Unternehmens an die Niederlande und des Bankengeschäfts an Belgien ist bereits abgeschlossen, wird jedoch vermutlich noch Schadensersatzklagen nach sich ziehen. BNP Paribas wollte nach geänderten Plänen nur noch 10 Prozent des belgischen Fortis-Versicherungsgeschäfts für 550 Millionen Euro erwerben. Der Rest sollte unter Kontrolle der belgischen Fortis Holding bleiben.

Eine Sprecherin des niederländischen Finanzministeriums sagte, das Votum der Aktionäre beeinträchtige die Rechtsgültigkeit der im Oktober beschlossenen Transaktionen nicht. Diese seien unter außergewöhnlichen Umständen geschehen. "Es bestand das Risiko, dass Fortis innerhalb von ein oder zwei Tagen bankrottgehen würde, mit dem Risiko einer Systemkrise als Folge." In den Niederlanden dürfen die Aktionäre nach einem Gerichtsurteil vom Montag nicht über die Zerschlagung abstimmen.

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