Fortis Absturz ins Chaos

Chaos beim belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis: Einen Tag nach dem Votum der Anteilseigner gegen eine Zerschlagung sind die Fortis-Aktien zeitweise um ein Viertel ihres Wertes eingebrochen. Nun steht auch der Verkauf einiger Geschäftsbereiche an BNP Paribas auf der Kippe. Wie es weitergeht, ist völlig unklar.

Frankfurt - Die Papiere von Fortis , die am Mittwoch vom Handel ausgesetzt waren, brachen um bis zu 25 Prozent auf 0,99 Euro ein. Mit ihrer Ablehnung der Verstaatlichung einiger Sparten durch die Niederlande und Belgien steht nun auch der Verkauf einiger Geschäftsbereiche an BNP Paribas auf der Kippe. Die französische Bank wollte 10 Prozent des belgischen Fortis-Versicherungsgeschäfts für 550 Millionen Euro erwerben. BNP-Papiere gaben an der Pariser Börse 4,7 Prozent auf 26,50 Euro nach.

Die Aktionäre der schwer angeschlagenen belgisch-niederländischen Bankhatten am Mittwoch den Verkauf von Sparten des Finanzkonzerns an die Niederlande und Belgien abgelehnt. Damit sei es sinnlos, auch über den Verkauf von Geschäftsteilen an BNP Paribas abzustimmen, sagte der amtierende Fortis- Direktoriumschef Jan-Michiel Hessels auf der Versammlung.

Er kündigte ein baldiges Treffen mit BNP Paribas an, um die Auswirkungen des Votums zu erörtern. Fortis-Chef Karel De Boeck warnte, sollte BNP Paribas sein Kaufangebot zurückziehen, werde Fortis um staatliche Hilfe bitten müssen.

Die Versammlung war einberufen worden, nachdem die Aktionäre auf dem Rechtsweg durchgesetzt hatten, dass die staatlich angeordnete Zerschlagung von Fortis und der Verkauf von Geschäftsbereichen an BNP Paribas auf Eis gelegt wurde. Die Fortis-Aktionäre hatten zunächst eine Nachbesserung des Angebots von BNP Paribas gefordert. Die französische Bank wollte für 14,5 Milliarden Euro 75 Prozent der Anteile der Fortis-Operationen in Belgien und Luxemburg übernehmen. Der Vorstandsvorsitzende von BNP Paribas, Baudouin Prot, schloss Nachverhandlungen am vergangenen Wochenende jedoch aus.

Der Verkauf der niederländischen Sparten des Mehrländer-Unternehmens an die Niederlande und des Bankengeschäfts an Belgien ist bereits abgeschlossen, wird jedoch vermutlich noch Schadensersatzklagen nach sich ziehen. BNP Paribas wollte nach geänderten Plänen nur noch 10 Prozent des belgischen Fortis-Versicherungsgeschäfts für 550 Millionen Euro erwerben. Der Rest sollte unter Kontrolle der belgischen Fortis Holding bleiben.

Eine Sprecherin des niederländischen Finanzministeriums sagte, das Votum der Aktionäre beeinträchtige die Rechtsgültigkeit der im Oktober beschlossenen Transaktionen nicht. Diese seien unter außergewöhnlichen Umständen geschehen. "Es bestand das Risiko, dass Fortis innerhalb von ein oder zwei Tagen bankrottgehen würde, mit dem Risiko einer Systemkrise als Folge." In den Niederlanden dürfen die Aktionäre nach einem Gerichtsurteil vom Montag nicht über die Zerschlagung abstimmen.

Fortis vor dem Aus?

Auch BNP Paribas verwies auf die Rechtsgültigkeit der im vergangenen Oktober geschlossenen Vereinbarung. Diese sei noch bis zum 28. Februar gültig, teilte das Institut mit. Die Fortis Bank wollte sich zu einem späteren Zeitpunkt zu der Abstimmung äußern.

Dem Votum in Brüssel vorangegangen war eine fünfstündige erhitzte Debatte. Einige der rund 5000 anwesenden Anleger forderten den Rücktritt von Konzernchef De Boeck. Zudem warfen Investorengruppen der Regierung und Fortis vor, Aktionäre mit Drohungen zur Unterstützung der Zerschlagung gezwungen zu haben.

Belgiens Finanzminister Didier Reynders hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview gesagt, die Regierung werde keine weiteren Zugeständnisse an die Aktionäre machen, sollten diese die Zerschlagung ablehnen.

Hauptaktionär Ping An hatte bereits im Vorfeld angekündigt, sich gegen eine Fortis-Zerschlagung auszusprechen. Der chinesische Versicherer hält knapp 5 Prozent an Fortis. Fortis war die Beteiligung am Kauf des niederländischen Rivalen ABN Amro  zum Verhängnis geworden. Das Institut wurde noch vor der Finanzkrise von einem Bankenkonsortium übernommen.

Die Aktionäre der angeschlagenen Fortis-Bank haben dem seit Monaten geplanten Verkauf an die französische Konkurrentin BNP Paribas eine Absage erteilt. Mit einer hauchdünnen Mehrheit von 51 Prozent der Stimmen votierten die Fortis-Anteilseigner am Mittwoch gegen die Übernahme, mit der BNP Paribas zur größten Privatkundenbank der Eurozone aufgestiegen wäre. "Angesichts dieses Abstimmungsergebnisses kann die Transaktion nicht mehr stattfinden", erklärte Fortis-Vizechef Jan-Michiel Hessels.

Die Übernahme war von der belgischen Regierung eingefädelt worden, die Fortis im September teilverstaatlicht hatte. Die Fortis-Aktionäre hatten zunächst eine Nachbesserung des Angebots von BNP Paribas gefordert. Die französische Bank wollte für 14,5 Milliarden Euro 75 Prozent der Anteile der Fortis-Operationen in Belgien und Luxemburg übernehmen. Der Vorstandsvorsitzende von BNP Paribas, Baudouin Prot, schloss Nachverhandlungen am vergangenen Wochenende jedoch aus.

Der belgische Finanzminister Didier Reynders hatte vor der Aktionärsversammlung vergeblich gewarnt, ein Nein werde für Fortis das endgültige Aus bedeuten. Erst im Oktober 2007 hatte Fortis das größte niederländische Kreditinstitut ABN Amro übernommen, der Banken- und Versicherungskonzern rückte damit zu einem der 20 größten in Europa auf. Ein Justizskandal im Zusammenhang mit der umstrittenen Rettungsaktion für die Bank brachte im vergangenen Jahr den belgischen Ministerpräsidenten Yves Leterme zu Fall.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap und dpa