HV Infineon rechnet mit Dax-Abstieg

Die Aktionäre des Chipherstellers Infineon hören in München düstere Vorhersagen von Konzernchef Peter Bauer. Ein massiver Markteinbruch werde das Ergebnis belasten. Ernste Sorgen bereiten die Finanzen des Unternehmens. Auch Staatshilfen und der Einstieg eines Finanzinvestors sind kein Tabu.

München - Der Chef des schwer unter Druck stehenden Chipherstellers Infineon , Peter Bauer, sieht für dieses Jahr weiter schwarz. "Was als Finanzkrise begann, entpuppt sich nun als massiver Markteinbruch, wie wir ihn selbst 2001 nicht hatten", sagte Bauer am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in München.

Infineon-Chef Bauer: "Es besteht kein akutes Insolvenzrisiko, aber wir brauchen frisches Geld"Zu erwarten sei 2009 auf jeden Fall ein Umsatzrückgang von mindestens 15 Prozent nach 4,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Auch ein Einbruch um 20 Prozent, wie von manchen Analysten vorhergesagt, sei nicht auszuschließen. Mit einer Besserung sei frühestens 2010 zu rechnen. Angesichts des schwachen Aktienkurses von weniger als einem Euro rechne er außerdem mit einem Abstieg des Konzerns aus dem Leitindex Dax .

Erwartet wird ein turbulentes Treffen, da das Unternehmen schwer unter Druck steht. Neben der desolaten Lage bei der insolventen Speicherchiptochter Qimonda  hat auch die Wirtschaftskrise den Konzern mit voller Wucht erwischt. Infineon hat im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von rund 3,1 Milliarden Euro eingefahren. Auch das neue Geschäftsjahr hatte schlecht begonnen: Von Oktober bis Dezember fiel ein Minus von mehr als 400 Millionen Euro an.

Infineon versucht derzeit deshalb, das Geld zusammenzuhalten. Neben dem bereits angekündigten Abbau von rund 3000 Arbeitsplätzen, Kurzarbeit in den Werken Regensburg und Dresden sowie dem Ausstieg aus dem Arbeitgeberverband will der Konzern auch das Bonussystem umstellen sowie bei den Reisekosten sparen.

Von den Aktionären will sich die Infineon-Führung weiteres genehmigtes Kapital von bis zu 450 Millionen Euro absegnen lassen, wie Finanzchef Marco Schröter sagte. Dies solle "als Baustein in einem umfassenden Finanzierungskonzept" dienen. Aufsichtsrat und Vorstand seien sich bewusst, dass damit die gesetzlichen Höchstgrenzen fast aufgeschöpft seien. 2007 waren bis zu 224 Millionen Euro genehmigt worden. Die Ausgabe neuer Aktien gilt derzeit dennoch als unwahrscheinlich, da sich der Aktienkurs nach wie vor unterhalb der Schwelle von einem Euro bewegt.

Bauer denkt laut über Staatshilfen und Fusionen nach

Bauer liebäugelt angesichts der schlechten Branchenlage immer deutlicher mit Staatshilfen und einer möglichen Partnerschaft mit Konkurrenten oder sogar Finanzinvestoren. Sollte sich die gegenwärtige Wirtschaftskrise weiter verschärfen, werde Infineon ein Alternativkonzept umsetzen, sagte Bauer am Donnerstag auf der Hauptversammlung des Unternehmens in München laut Redetext. "Sie können auch sicher sein, dass ich die Krise nutze, um strategische Optionen auszuloten."

Konkreter wurde Bauer in der "Süddeutschen Zeitung" (Donnerstagausgabe). Infineon werde, falls es sich anbietet, den Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen prüfen, sagte er dem Blatt. "Wenn wir unsere Marktposition verbessern können, ist das allemal positiv." Selbst der Einstieg eines Finanzinvestors sei denkbar. "Der Einstieg eines Finanzinvestors wäre generell möglich. Wir prüfen auch, ob und wie wir einen strategischen Investor einbinden können."

Möglichen Partnern gehe es derzeit aber kaum besser als Infineon selbst, sagte Bauer auf dem Aktionärstreffen. Auch sie litten unter der weltweit drastisch eingebrochenen Nachfrage. Infineon könne sein laufendes Geschäft mit den Geldreserven von zuletzt rund 700 Millionen Euro noch eine ganze Weile bestreiten.

Problem ist derzeit vor allem aber die Ablösung auslaufender Anleihen. Dadurch besteht in den kommenden Monaten ein Geldbedarf von mehreren hundert Millionen Euro. Angesichts der zögerlichen Kreditpolitik vieler Banken ist dieses Geld derzeit aber nur schwer aufzutreiben. Eine Staatsbürgschaft könnte hier helfen, sagte Bauer der "SZ". "Es besteht kein akutes Insolvenzrisiko, aber wir brauchen frisches Geld."

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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