Arcandor Abschied in Rot

Der Handels- und Reisekonzern Arcandor ist noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht und kassiert wegen der Wirtschaftskrise seine Prognose für das Gesamtjahr. Im Weihnachtsquartal stand ein Minus von 58 Millionen Euro zu Buche.

Düsseldorf - Wegen der "fehlenden Visibilität" sei eine Prognose nicht "sinnvoll und seriös", sagte der scheidende Konzernchef Thomas Middelhoff am Donnerstag in Düsseldorf. Bislang hatte das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2008/2009 ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) der operativen Bereiche von mehr als 1,1 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Arcandor  sei aber vorsichtig optimistisch, sagte Middelhoff. In das zweite Geschäftsquartal sei der Konzern "ordentlich gestartet".

Auch mit seinem Weihnachtsquartal zeigte sich Arcandor zufrieden. Es sei in den Handelssegmenten "normal und solide" verlaufen, sagte der neue Finanzchef Rüdiger Günther. Das Weihnachtsquartal ist für die Karstadt-Warenhäuser und die Versandhandelssparte Primondo das stärkste Quartal. Für die Reisetochter Thomas Cook, die 60 Prozent zum Umsatz und über 90 Prozent zum bereinigten Ebitda beiträgt, ist es hingegen eines der beiden schwächsten.

Arcandor steigerte von Oktober bis Dezember den bereinigten Umsatz im Konzern um 1,1 Prozent auf 4,8 Milliarden Euro, das bereinigte Ebitda verbesserte sich um 18 Prozent auf 180 Millionen Euro. Durch die Umstellung des Geschäftsjahres von Cook von Ende Oktober auf Ende September wurden zum Vorjahreswert die Cook-Ergebnisse aus dem Oktober pro-forma hinzuaddiert, um die Zahlen vergleichbar zu machen. Cook steigerte den Umsatz um 2,9 Prozent und das bereinigte Ebitda auf 9,3 Millionen Euro von minus 32,2 Millionen Euro im Vorjahr.

Der Reiseveranstalter erlitt einen drastischen Einbruch bei den Urlaubsbuchungen: In Kontinentaleuropa mit dem wichtigsten Markt Deutschland liegen die Buchungen derzeit um 20 Prozent unter den Vorjahreswerten, in Nordeuropa sogar um 24 Prozent, wie die Arcandor-Tochter am Donnerstag in London mitteilte. "Die Buchungen haben in den letzten vier Wochen wieder angezogen", zeigte sich das Management dennoch optimistisch.

Die Versandhandelssparte Primondo konnte ihren Umsatz leicht um 0,4 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro steigern. Das bereinigte Ebitda von Primondo belief sich auf 54 Millionen Euro nach 70 Millionen Euro im Vorjahr, wobei einzelne Kosten anders bilanziert wurden. Schließungskosten für Fox-Märkte führten jedoch zu einem Verlust vor Steuern und Zinsen von 22 Millionen Euro.

Das Kostensenkungsprogramm sei im Quartal noch nicht berücksichtigt, ebenso nicht bei Karstadt, erklärte Günther. Bei den Warenhäusern könne man "sicherlich von einer Trendumkehr sprechen", sagte der Finanzchef. "Dazu beigetragen hat eine gute Rabattpolitik, die wir im Weihnachtsgeschäft nur selektiv eingesetzt haben." Der Umsatz blieb stabil bei 1,35 Milliarden Euro, das bereinigte Ebitda verbesserte sich leicht auf 139 Millionen Euro. Der Konzernumbau und hohe Verluste von Karstadt hatten Arcandor im abgelaufenen Geschäftsjahr tief in die roten Zahlen gezogen. Richten soll es ein Stellenabbau in der Karstadt-Zentrale und Kostensenkungen von jährlich 115 Millionen Euro über drei Jahre.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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