Renault-Chef Ghosn "Koordiniert, ergreift die Initiative!"

Renault-Chef Carlos Ghosn redet dem Staat das Wort. Europa solle die Führung in der Krise übernehmen und nicht nur kritisieren. Eine verständliche Forderung - Renault ist im vergangenen Jahr voll von der Autokrise erwischt worden. Im zweiten Halbjahr fuhr der französische Autobauer so tief in die Verlustzone, dass der Nettogewinn im Gesamtjahr um fast 80 Prozent auf knapp 600 Millionen Euro zusammenschmolz.

Paris - Trotz der Milliardenhilfen vom Staat will Renault  in diesem Jahr 9000 seiner 129.000 Stellen abbauen. Davon entfällt rund die Hälfte auf Frankreich. Es werde aber keine Sozialpläne geben, sagte Konzernchef Carlos Ghosn am Donnerstag bei Vorstellung der Jahreszahlen in Boulogne-Billancourt bei Paris. Der Stellenabbau geschehe wie geplant über Aufhebungsverträge und natürliche Fluktuation. "Derzeit ist es nicht nötig, mehr zu tun - ich spreche von 2009." Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hatte die Kredithilfen an den Verzicht auf Entlassungen geknüpft.

Ghosn nannte es einen "Vorteil, heute den Staat als Aktionär zu haben". Die Kritik an den französischen Staatshilfen wies er zurück. "Europa muss die Führung übernehmen" und nicht nur Maßnahmen zu kritisieren, sagte er. "Koordiniert, ergreift die Initiative!". Die Industrie brauche "keine Geschenke", sondern Finanzierung und Stimulierung der Nachfrage. "Bisher haben sieben EU-Staaten die Initiative ergriffen. Und das funktioniert."

Protektionismus werde es "überall" geben, sagte Ghosn. "Sie werden sehen, dass andere Staaten folgen werden, und das erscheint mir normal." Es sei "nicht realistisch", die Arbeitsplätze aufzugeben. Deutschland, Japan oder die USA täten das auch nicht. Die Befürchtung des Protektionismus sei aber größer als der reale Protektionismus.

Frankreich gewähre (Renault und PSA Peugeot Citroen jeweils drei Milliarden Euro) Darlehen für 6 Prozent Zinsen, die bei steigenden Gewinnen bis auf 9 Prozent klettern könnten. "Früher hatten wir 3,4 Prozent am Markt bezahlt. Jetzt zahlen wir 6. Am Markt würden wir vielleicht 9 Prozent zahlen. Das ist sicherlich eine Hilfe, wenn man die Umstände ansieht. Aber wir zahlen mehr als früher. Das ist ein Darlehen zu vernünftigen Bedingungen", sagte Ghosn.

Der Nettogewinn des Unternehmens brach 2008 auf 599 Millionen Euro ein. 2007 hatte Renault noch 2,7 Milliarden Euro verdient. Beim Umsatz gab es auf vergleichbarer Basis einen Rückgang von 7 Prozent auf 37,79 Milliarden Euro, was ebenfalls unter den Erwartungen lag.

Deshalb hat sich der Konzern einen einschneidenden Sparkurs verordnet: Die ursprünglichen Ziele für 2009 bei der operativen Gewinnmarge und beim Absatz seien nicht erreichbar, teilte Renault mit.

Für 2008 soll keine Dividende gezahlt werden, und die Investitionen im laufenden Jahr werden um mindestens 20 Prozent zurückgefahren. "Die Priorität liegt jetzt bei der Sicherung der Liquidität", erklärte Konzernchef Ghosn.

Zum Gewinn im vergangenen Jahr trugen die Beteiligung an Nissan  345 Millionen und die Beteiligung am Lkw-Bauer Volvo  226 Millionen Euro bei. Die Verschuldung des Autobauers stieg wegen der Yen- Aufwertung und der Produktionskürzungen um 5,86 Milliarden auf 7,94 Milliarden Euro. Das entspricht 40,9 Prozent des Eigenkapitals.

Um den Kapitalabfluss zu begrenzen, kürzt Renault die Investitionen in Werke im Ausland und konzentriert sich auf strategische Vorhaben wie das Elektroauto. Das Projekt Chennai (Indien) wird eingefroren, der Aufbau der Fertigung in Tanger (Marokko) verzögert.

manager-magazin.de mit Material von reuters, ap, dpa-afx und dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.