Artnet.com Rätselhaftes Plus freut die Aktionäre

Mit einem Plus von zeitweise 74 Prozent sorgten die Aktien des Internet-Kunsthändlers gestern für Aufsehen. Heute gibt es schon wieder Gewinnmitnahmen - minus 20 Prozent am Morgen.

Frankfurt - Artnet.com sorgen für bisher eher seltene Kurskapriolen am Neuen Markt. Bis gestern nachmittag stiegen die Papiere um 73,53 Prozent auf 29,50 Euro. Gestern früh notierten Artnet noch bei knapp 18 Euro - vorläufiger Endpunkt eines langen und stetigen Kursverfalls. Bereits seit mehreren Tagen registrierte der Markt deutlich höhere Umsätze, weil großvolumige Aktienpakete den Besitzer wechselten.

Den kräftigen Kursanstieg nutzten heute jedoch schon wieder die ersten Aktionäre. Sie verkauften, freuten sich über den Gewinn und drückten den Kurs am Vormittag um rund 20 Prozent.

Ein Frankfurter Händler war wegen der Ordergrößen gestern noch überzeugt, jemand bereite eine Übernahme oder einen Einstieg vor. "Bei dem Umfang kann das keine Shorteindeckung mehr sein und auch Preistreiberei fällt bei solchen Stückzahlen als Erklärung aus."

Marktteilnehmer spekulierten im Verlauf des Tages darauf, dass AOL Europe oder Kling, Jelko, Dr. Demel die Käufer seien. Bereits am Vormittag dementierte Joachim Jelko, Mitbegründer von Kling, Jelko, Dr. Demel entsprechende Vermutungen: "Wir sind Skrontoführer, wir erhöhen unseren Anteil nicht." Am Nachmittag dementierte auch AOL-Sprecher Alexander Adler die Spekulationen.

Grace Schalkwyk, Sprecherin von Artnet.com, sagte, es gebe im Unternehmen keine Entwicklungen, die in dieser Woche die Kurse bewegen könnten. "Wir glauben, dass der Börsengang von Artprice.com am französischen Neuen Markt das Geschäft wieder ins Bewußtsein der Anleger gebracht hat."

Wie immer auch Artprice.com das Geschäft mit der Kunst im Internet angeht - sie können es offenbar nur besser machen als ihr deutscher Konkurrent. Der gilt mittlerweile als "schwarzes Schaf" des Neuen Marktes und als möglicher erster Pleitekandidat dieses Börsensegmentes.

Alle Fehler, die man machen kann

Die Geschichte von Artnet zeigt, daß die jüngste Kursexplosion nicht unbedingt rationale Gründe haben muss. Bei Artnet finden Kritiker nahezu alle Fehler, die ein am Neuen Markt notiertes Unternehmen machen kann. So kamen schon kurz nach dem Börsengang Gerüchte über Fehleinschätzungen der Emissionsbanken auf. Grossanleger verkauften. Der Kurs der Aktie fällt.

Dann gab Artnet-Chef Neuendorf bekannt, dass er für 1999 einen Umsatz von 2,8 Millionen Dollar anpeile. Vor dem Börsengang war noch von 5,9 Millionen Dollar die Rede. Gleichzeitig schnellen die Verluste nach den ersten sechs Monaten 1999 fast auf ein Niveau, wie es für das ganze Jahr vorgesehen war. Der Kurs rutscht nocht tiefer.

Schliesslich kommen Spekulationen auf, Alt-Aktionäre hätten ihre im Wert verfallenden Aktien früher verkauft, als es das Börsenrecht erlaubt. Die Vorwürfe werden dementiert, schärfere Börsenregeln angekündigt.