Adidas-Salomon Analysten setzen auf den neuen Chef

Analysten erwarten einen raschen Wechsel in der Führungsspitze des angeschlagenen Sportartiklers. Dreyfus-Nachfolger Robert Hainer könnte den Aktionären wieder Kursgewinne bescheren.

Herzogenaurach - Kurz hintereinander und schon deshalb recht geräuschvoll traten bei der adidas-Salomon AG in den vergangenen Wochen zwei Vorstände und der Nordamerika-Chef zurück. Eher unspektakulär vollzieht sich dagegen der gleitende Wechsel in der Führungsspitze des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach.

Seit Jahresbeginn ist Herbert Hainer nicht nur Stellvertreter des amtsmüden und offenbar gesundheitlich angeschlagenen Vorstandschefs Robert Louis-Dreyfus. Er trägt auch den erstmals vergebenen Titel des Chief Operating Officer (COO). Die Entscheidung, Abschied zu nehmen von der Idee einer zweiten Marke für Freizeitmode, trägt bereits die Handschrift des neuen starken Mannes bei Adidas.

Analysten bewerteten diesen Schritt als positiv. Hohe Marketing-Aufwendungen bei der Einführung der neuen Marke und das Risiko eines Fehlschlags hätten den Aktienkurs weiter belastet, heisst es etwa in einer aktuellen Studie des niederländischen Bankhauses ABN Amro.

Nachfolge gilt als geregelt

Offiziell soll der 45-jährige Niederbayer seinen Co-Chef Louis-Dreyfus zwar vorerst nur im Tagesgeschäft entlasten. Allerdings ist er es auch, der sich in der Mitteilung vom Donnerstag zu diesem Strategiewechsel äußert. Und das kommt nicht von ungefähr.

Den Zeitpunkt für seinen angekündigten Abschied hatte der 53 Jahre alte Franzose zwar noch offen gelassen, intern erwartet man bei Adidas den Wachwechsel auf dem Chefposten für die zweite Hälfte des Jahres. Die Gründe lägen im persönlichen Bereich, heißt es lediglich. Gerüchten zufolge ist Dreyfus schwer erkrankt.

Dass sein Nachfolger Herbert Hainer heißen wird, steht für Vorstandskollegen und Mitarbeiter seit dessen Beförderung Ende des vergangenen Jahres ebenfalls fest. Die Diadochenkämpfe dauerten nicht lange: Marketingchef Jan Valdmaa, der sich selbst Hoffnungen gemacht hatte, räumte am vergangenen Montag seinen Schreibtisch, US-Chef Steve Wynne erklärte einen Tag nach dem Schweden seinen Rücktritt. Um einen Nachfolger will sich Hainer nun persönlich kümmern.

Denn auf dem weltgrößten Sportmarkt tut sich Adidas zunehmend schwer. Das Marketingressort übernimmt Erich Stamminger, der als engster Vertrauter des designierten Adidas-Chefs gilt. Finanzchef Dean Hawkins hatte bereits Mitte Dezember seinen Rücktritt erklärt, er kehrt Ende des Monats zu seiner Familie nach London zurück.

Tandem Hainer - Stamminger

Seit Herbert Hainer 1987 von Procter & Gamble zu Adidas wechselte, traten er und Stamminger stets als "Tandem" auf, zunächst als Vertriebs- und Marketingdirektor für Deutschland, später für ganz Europa und zuletzt als gemeinsame Vorstände für Europa und Asien/Pazifik. Bereits 1997 hatte Louis-Dreyfus, gerade zum Manager des Jahres gewählt, das Duo gelobt: In dem für ein Unternehmen hierzulande ungewöhnlich international besetzten Vorstand machten die beiden Deutschen "den besten Job", sagte er im Gespräch mit Journalisten.

Weitere Weichenstellungen von Hainer und Stamminger dürften nicht lange auf sich warten lassen. Das Personalkarussell werden sie für eine Verkleinerung des von neun auf sieben Mitglieder geschrumpften Vorstands nutzen. Robin Stalker, der Dean Hawkins ersetzt, ist zunächst nur Chief Financial Officer, Vorstandsrang hat er nicht. Die Mitarbeiter erhoffen sich nun klarere Strukturen, nachdem die Effizienz der Vorstandsarbeit unter dem Machtkampf doch gelitten habe.

Der in der Schweiz lebende Millionenerbe Louis-Dreyfus war 1993 bei Adidas eingestiegen und hatte den Konzern zwei Jahre später an die Börse geführt. Eigentlich wollte er schon 1998, zur Fußball-Weltmeisterschaft, zurücktreten, fand dann aber doch länger Gefallen an seinem Unternehmen. Seine eigene Beteiligung freilich reduzierte er auf weniger als fünf Prozent.

Zu teuer sei die Übernahme der französischen Ski- und Golfmarke Salomon SA bezahlt worden, räumte Louis-Dreyfus ein, und lange hing sie, nach Ansicht von Analysten wie ein Klotz am Bein von Adidas, inzwischen aber scheint Salomon auf dem richtigen Weg zu sein. Einen Wechsel in den Aufsichtsrat hat Louis-Dreyfus frühzeitig ausgeschlossen.

Schweres Erbe

Dennoch hinterlässt Dreyfus Hainer ein schwieriges Erbe. Die zumindest angepeilten zehn Prozent Gewinnsteigerung vor Steuern dürfte Adidas im vergangenen Jahr noch erreicht haben, doch die Umsätze stagnierten. "2000 wird sicher kein einfaches Jahr", heißt es im Unternehmen. Weder von den Olympischen Spielen noch von der Fußball-Europameisterschaft seien ähnliche Impulse zu erwarten wie von einer WM.

Erst gegen Ende des Jahres sieht Adidas in Nordamerika wieder Licht am Horizont. Und in den USA machen erfolgreiche Freizeitmarken Adidas Marktanteile streitig. Louis-Dreyfus hatte erwogen, amerikanischen Marken wie Tommy Hilfiger oder Gap Konkurrenz im Stammgeschäft zu machen. Doch Hainer will sich nicht auf Nebenschauplätzen verzetteln. Er hält die Konzentration auf die Sportmarken für Erfolg versprechender.