Metro Noch mehr Fusions-Kandidaten

Nach dem Bericht von manager magazin haben die Metro-Gesellschaft Gespräche bestätigt. Man wäre allerdings angesprochen worden und hätte "nicht von sich aus" Kontakt gesucht.

Hamburg - Die Konzernmutter Metro Holding im schweizerischen Baar erklärte, man sei im Zuge der im vergangenen Jahr vollzogenen Fusion der französischen Ketten Carrefour und Promodes, die unter den internationalen Handelsunternehmen "eine Vielzahl von Kontakten" zur Folge gehabt habe, "von verschiedenen Seiten auf Kooperationen" angesprochen worden.

Die Metro-Gesellschafter hätten sich dabei aber "grundsätzlich passiv" verhalten und nie von sich aus Kontakte gesucht. Sie betonten, weiter bei der Metro engagiert bleiben zu wollen.

Die britische "Financial Times" griff die von manager magazin gestern erstmals berichtete Möglichkeit eines Verkaufs der Metro auf. Das Blatt bringt heute den britischen Einzelhandelskonzern Kingfisher als möglichen Interessenten ins Spiel. Diese Option hatten gestern auch Bankanalysten in einer Reaktion auf die Meldung von manager magazin angedeutet.

Danach hätten die verkaufsbereiten Metro-Gesellschafter nicht nur mit Wal-Mart verhandelt, sondern auch mit Kingfisher, will das Blatt aus Bankenkreisen erfahren haben. Der neue Konzern würde mit einer Marktkapitalisierung von rund 27 Milliarden Dollar zum Branchenprimus Europas aufsteigen. Weltweit käme das fusionierte Unternehmen auf den zweiten Platz - hinter dem Weltmarktführer Wal-Mart und vor dem geplanten Zusammenschluss der französischen Handelsriesen Carrefour und Promodes.

An der Börse legen Metro gestern zeitweise um mehr als 13 Prozent zu. Auch heute liegen Metro gegen den Trend der Börse im Plus.

Analysten: Verkauf ist wahrscheinlich

Es sei wahrscheinlich, dass alle drei Großaktionäre ihre Anteile veräussern werden, erklärt das Investmenthaus Warburg Dillon Read.

Die Haniel-Familie etwa könne einen Teil der Einnahmen in Höhe von acht Milliarden Mark für Investitionen in ihre Industrie-Holding verwenden. Was immer auch passiere, Metro müsse seine Konzernstruktur neu ordnen. Die Sparte Kaufhäuser sei ein Aufgabengebiet, die Heimwerkermärkte ein anderes.

Metro sei ein augenscheinlicher Kandidat für Wal-Mart. Der US-Konzern wolle unbedingt in Deutschland expandieren, bei den Hypermärkten sei Metro die Nummer Eins. Obwohl das Geschäftsfeld Cash&Carry für Wal-Mart nicht das bevorzugte Einzelhandels-Geschäft in Europa sei, gewähre dies dem Konzern den sofortigen Zugang zu vielen Ländern, in denen das US-Unternehmen noch nicht vertreten sei.

Das von manager magazin genannte Preisziel von 40 Milliarden Mark oder 62 Euro je Aktie sei realistisch und einer der Gründe, warum Warburg Dillon Read sein Kursziel auf 61 Euro heraufsetzte. Die Analyse der einzelnen Firmenteile ergebe sogar ein Kursziel von 70 Euro.

Merrill Lynch: "Alles ist möglich"

Die Analysten von Merrill Lynch (ML) halten in einer Reaktion auf die Meldung von manager magazin ein Zusammengehen von Metro und Wal-Mart ebenfalls für möglich. "Da ist nichts auszuschließen", sagt die zuständige Analystin Vera Diehl.

Immerhin habe der Metro-Vorstand selbst die Spekulation mit angeheizt, so die Analystin mit Blick auf Aussagen, Metro müsse zu den weltweit führenden Handelshäusern gehören. Wal-Mart stehe unter Zugzwang, da der Marktanteil in Deutschland mit drei Prozent zu klein sei, eine Übernahme der Real- und Extra-Märkte könnte diesen erhöhen. Vorstellbar seien viele Szenarien, so die Analystin weiter.

Metro brauche Geld zur Expansion im Bereich Cash & Carry, wobei besonders Asien im Focus stehe. Andererseits sei wiederum Kingfisher an den Bereichen Media Markt und Praktiker interessiert. Die Analystin hält zunächst an ihrer Einstufung für Metro als "Mittelfristig Neutral" und "Langfristig Akkumulieren" fest. Eine Neueinstufung könnte mit konkreten Aussagen der Unternehmen zu den Spekulationen nötig werden, glaubt sie.