Chemiebranche BASF plant Spartenverkauf

Der Chemiekonzern BASF trennt sich von seinem Geschäft mit Textil- und Lederchemikalien und gründet die neue Sparte Paper Chemicals, um den neu erworbenen Spezialchemiekonzern Ciba schneller zu integrieren. Anleger honorieren die Pläne: Die Aktie legt deutlich zu.

Ludwigshafen - Die bisherigen Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit genügten nicht, "um das Geschäft nachhaltig profitabel zu machen", teilte BASF  am Mittwoch mit. Welche Einsparaktionen jetzt angestrebt würden, wurde nicht genannt.

Nach BASF-Angaben stellt sich das Unternehmen zudem organisatorisch neu auf. Es würden strategische Optionen für das Geschäft mit Leder- und Textilchemikalien geprüft.

Dazu zählten die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens und der komplette Verkauf des Geschäfts, das zum Segment "Performance Chemicals" gehört.

Durch die Neustrukturierung werden nach Unternehmensangaben die Voraussetzungen für die schnelle Integration des schweizerischen Spezialchemiekonzerns Ciba geschaffen.

Ciba soll zum Teil in Paper Chemicals aufgehen

Auch andere Sparten will BASF neu aufstellen. So sollen ab April in der neuen Sparte Paper Chemicals die Ciba-Geschäfte mit Papierchemikalien integriert werden. Ciba ist der weltweit drittgrößte Hersteller solcher Chemikalien.

BASF rechnet mit dem Abschluss der Übernahme und den ausstehenden Genehmigungen der Kartellbehörden für Ende des ersten Quartals. Danach sollen zwei Monate lang die Ciba-Geschäfte unter die Lupe genommen werden. In der zweiten Jahreshälfte soll der Baseler Konzern dann in die BASF-Strukturen eingebaut werden.

Die Übernahme kostet BASF nach früheren Angaben 6,1 Milliarden Franken (3,8 Milliarden Euro). Neben dem US-Katalysatoren-Hersteller Engelhard ist Ciba der größte Firmenkauf in der BASF-Geschichte. Mit Ciba will BASF vor allem sein Spezialchemiegeschäft ausbauen, das höhere Margen abwirft als das Geschäft mit Massenchemikalien.

Ciba ist unter anderem der weltgrößte Produzent von Zusatzstoffen für Plastik. Dazu gehören Produkte, die Kunststoffe vor ultravioletter Strahlung schützen oder ihre Reaktion mit Sauerstoff verhindern.

Scharfe Konkurrenz bei Leder- und Textilchemie

BASF sei mit der Ertragsstärke der Leder- und Textilchemie nicht zufrieden, sagte ein Sprecher. Der Konzern prüft nun die Einbringung in ein Gemeinschaftsunternehmen, aber auch einen Komplettverkauf.

Einen Zeitplan für die Trennung nannte BASF nicht. Bis 2011 sollen die Kosten mit einem weiteren Sparprogramm um 25 Millionen Euro sinken. Das Geschäft mit Chemikalien für die Weberei und Färberei sowie für die Leder- und Pelzindustrie erwirtschaftete 2007 mit weltweit 1300 Beschäftigten rund 400 Millionen Euro Umsatz. Produktionsstätten liegen in Deutschland, in Spanien und in der Türkei sowie in Brasilien, Indien und in China.

Eine Reihe von deutschen Chemiefirmen hatte sich zuletzt wegen schwacher Wachstumsperspektiven und der scharfen Konkurrenz aus Fernost von der Textilchemie getrennt. So verkaufte der Chemiewettbewerber Lanxess 2006 sein Geschäft mit Chemikalien für die Textilverarbeitung. Der Spezialchemiekonzern Cognis trennte sich 2008 von seiner Leder- und Textilchemiesparte Pulcra.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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