Bilanzvorlage Deutsche Bank unter Zugzwang

Die Deutsche Bank wird mit ihrer Bilanzvorlage am Mittwoch einen Milliardenverlust für 2008 eingestehen müssen - und damit eine historische Niederlage: Nie zuvor in ihrer Nachkriegsgeschichte hat das größte hiesige Geldhaus einen Verlust im Gesamtjahr verzeichnet. In diesem Jahr könnte es aber besser werden.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank hat 2008 Verlust gemacht. Nach den vorläufigen Zahlen von Mitte Januar rutschte der deutsche Branchenprimus im vergangenen Jahr mit 3,9 Milliarden Euro in die roten Zahlen. Am Mittwoch wird nun die Endabrechnung präsentiert. Investoren hoffen gleichzeitig, dass Bankchef Josef Ackermann auch Hoffnungszeichen für 2009 präsentiert: Die Aktie der Deutschen Bank  hat am Dienstag und Mittwoch, im Vorfeld der Bilanz-Pk, deutlich zugelegt.

Sollte sich das vorläufige Ergebnis bestätigt haben, mussten die Aktionäre der Deutschen Bank 2008 einen herben Rückschlag hinnehmen. Für 2007 hatte der Dax-Konzern noch einen Rekordgewinn in Höhe von 6,5 Milliarden Euro ausgewiesen, obwohl auch damals die Krise an den internationalen Finanzmärkten schon spürbar war.

Richtig schlecht lief das Geschäft der Deutschen Bank aber anscheinend im vierten Quartal 2008. Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers  Mitte des vergangenen Septembers hatte sich die Krise zugespitzt. Weltweit eilten Staaten den Banken mit Milliardenrettungspaketen zu Hilfe. Die große Wende brachte das der Deutschen Bank aber anscheinend nicht: 4,8 Milliarden Euro Verlust nach Steuern wiesen die Banker nach den vorläufigen Zahlen für das Schlussquartal des Vorjahres aus.

Die Belastungen aus der Krise finden sich vor allem im Handelsergebnis: Die Schätzungen für diese Ertragsgröße liegen bei minus 5,8 Milliarden Euro nach einem Plus von 897 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahresquartal. Auch im Provisionsgeschäft musste die Bank Federn lassen: Die Experten rechnen mit knapp 2,3 Milliarden Euro und damit einem Rückgang von 29 Prozent.

Einzig im Zinsgeschäft dürfte die Deutsche Bank mit einem Plus von knapp 7 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro Verbesserungen verbucht haben. Für die Risikovorsorge haben die Analysten im Schnitt 309 Millionen Euro veranschlagt.

Das abgelaufene Jahr dürfte damit unter dem Titel Krisenjahr abgehakt werden. Mit Spannung wird nun auf eine Prognose für das laufende Jahr gewartet. Der "Platow Brief" hatte Ende Januar unter Berufung auf Bankenkreise geschrieben, das operative Geschäft der Deutschen Bank sei in den ersten drei Wochen des Jahres "sensationell" gut gelaufen. Im Bericht wurde allein für den Januar ein Vorsteuergewinn von fast einer Milliarde Euro in Aussicht gestellt. Die Bank äußerte sich dazu nicht.

Ob Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage morgen überhaupt eine Prognose für das Gesamtjahr 2009 wagen wird, ist unter Experten umstritten.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx