Japan Panasonic streicht 15.000 Stellen

Starker Yen, schwache Preise und weltweit klamme Kunden: Japans Elektronikbranche steckt in der Krise. Panasonic kündigt an, im großen Stil Arbeitsplätze abzubauen, und Sharp steht vor einem operativen Verlust. Die Branchenkrise ist eine ernste Gefahr für Japans Wirtschaft.

Tokio - Der japanische Elektronikkonzern Panasonic  will angesichts von Milliardenverlusten 15.000 Stellen streichen. Dies entspricht rund fünf Prozent seiner weltweiten Belegschaft.

Insgesamt sollten 27 Fertigungsstätten geschlossen werden, erklärte der Konzern am Mittwoch. Panasonic ist im zurückliegenden Quartal in die roten Zahlen gerutscht und rechnet im Gesamtjahr mit dem ersten Verlust seit sechs Jahren. Der weltgrößte Plasma-TV-Hersteller geht in dem Ende März endenden Geschäftsjahr von einem Minus von 380 Milliarden Yen (3,25 Milliarden Euro) aus.

"Die Umsätze sind im dritten Quartal in allen Geschäftsbereichen zurückgegangen. Im laufenden Quartal gehen wir von noch stärkeren Rückgängen aus, die Ergebnisse werden wahrscheinlich in allen Bereichen sinken", sagte Panasonic-Direktor Makoto Uenoyama.

Panasonic leidet unter einer schwachen Nachfrage, dem starken Yen sowie dem Preisverfall bei vielen Produkten. Aus diesen Gründen haben sich auch Panasonics Rivalen Hitachi  und Sony  auf Milliardenverluste im laufenden Geschäftjahr eingestellt.

Der starke Yen setzt Panasonic noch stärker unter Druck als andere japanische Elektronikkonzerne, weil der südkoreanische Hauptkonkurrent Samsung Electronics  gleichzeitig von der schwächeren Landeswährung Won profitiert. Der von Panasonic erwartete Verlust fällt etwas höher als zuvor in der japanischen Finanzpresse berichtet.

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Hersteller von "Viera"-Flachbildfernsehern und "Lumix"-Digitalkameras noch einen Überschuss von knapp 282 Milliarden Yen erzielt. Operativ rechnet Panasonic im Geschäftsjahr mit schwarzen Zahlen. Der Betriebsgewinn werde jedoch um 82 Prozent auf 60 Milliarden Yen (515 Millionen Euro) zurückgehen. Von Oktober bis Dezember summierte sich ein Nettoverlust von 63,1 Milliarden Yen (541 Millionen Euro). Die Firma hat angekündigt, auf die Krise mit Fabrikschließungen und weitergehenden Restrukturierungsmaßnahmen zu reagieren.

Der japanische Elektronikkonzern Sharp  steht wegen der Weltwirtschaftskrise angeblich erstmals vor einem operativen Verlust. Wie die japanische Finanzzeitung "Nikkei" am Mittwoch unter Berufung auf informierte Quellen berichtete, dürfte in dem bis Ende März laufenden Geschäftsjahr ein Minus von mehr als zehn Milliarden Yen (87 Millionen Euro) anfallen. Das wäre der erste operative Verlust seit Veröffentlichung solcher Zahlen 1953. Die Krise habe zu einem Nachfrageeinbruch bei LCD-Fernsehern geführt. Hinzu komme der Preisverfall. Sharp ging zuletzt von 130 Milliarden Yen Gewinn aus.

In der Krise steckt außerdem der weltweit drittgrößte Chiphersteller Elpida Memory. Das Unternehmen erwägt, Hilfe aus einem staatlichen Rettungspaket der japanischen Regierung zu beantragen. "Wir ziehen verschiedene Möglichkeiten in Betracht und schließen auch nicht aus, öffentliche Mittel in Anspruch zu nehmen", erklärte das Unternehmen am Mittwoch in Tokio. Allerdings sei das staatliche Programm zur Stützung der heimischen Unternehmen noch nicht über die parlamentarischen Hürden, betonte das Unternehmen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa