Firmenjäger Überlebenskampf statt Superrendite

Die Finanzkrise zwingt Private-Equity-Investoren zum Umdenken. Schwadronierte Blackstone-Chef Stephen Schwarzman noch im Jahr 2007 von Traumrenditen von 50 Prozent, geht es heute für viele mit Schulden beladene Firmen im Portfolio der Firmenjäger um das nackte Überleben. Die Investoren satteln derweil auf Schuldenkauf um.

Berlin - "In Zeiten wie diesen können wir uns nicht nur auf die Rendite konzentrieren", sagte der Mitgründer des US-Private-Equity-Hauses KKR, Henry Kravis, am Dienstag in Berlin. "Mehr denn je kommt es darauf an, unsere Unternehmen im Portfolio operativ zu verbessern."

Kravis räumte ein, dass das traditionelle - auf schuldenfinanzierten Übernahmen - basierende Geschäftsmodell der Firmenjäger einem Stresstest unterzogen werde. "Wenn wir uns nicht anpassen, werden wir überflüssig", betonte der Private-Equity-Manager der ersten Stunde auf dem jährlichen Branchen-Stelldichein "SuperReturn".

Die Themen auf der Messe haben sich im Vergleich zu den Boom-Jahren Mitte des Jahrzehnts dramatisch verändert. Sprach Blackstone-Chef Stephen Schwarzman 2007 noch von guten Chancen für Transaktionen im Rekordvolumen von 50 Milliarden Dollar und Traumrenditen von 50 Prozent, geht es nun oft um das Überleben der teils hoch verschuldeten Firmen im Portfolio.

Erst am Montag hatte der Remscheider Automobilzulieferer Edscha, der dem Private-Equity-Haus Carlyle gehört, Antrag auf Insolvenz gestellt. Im Dezember hatte bereits der Autozulieferer TMD Friction, der nach einer Übernahme durch Finanzinvestoren zuletzt von Hedgefonds kontrolliert wurde, Insolvenz angemeldet.

"Das traditionelle Geschäft ist bis auf Weiteres tot"

Die Krise macht die Finanzinvestoren kleinlauter: "Mangels Krediten ist das traditionelle Private-Equity-Geschäft bis auf Weiteres tot", sagt Leon Black, Mitgründer des US-Investmenthauses Apollo Management, das mit KKR und Blackstone in der ersten Liga der Beteiligungsfirmen mitspielt. Eine Wiedergeburt erwartet er frühestens in zwei Jahren. "Bis dahin ist unsere Strategie zu zwei Dritteln defensiv und nur zu einem Drittel offensiv."

Chancen sehen Black und Kravis vor allem im indirekten Firmenkauf über die Kredite von Unternehmen (Debt-to-Equity-Swap). Viele Darlehen würden derzeit zu hohen Abschlägen gehandelt und versprächen daher attraktive Renditen, sagten beide Manager. Diese Kredite kann der Investor dann später in Eigenkapital wandeln und sich so direkt an den Firmen beteiligen. "Bis auf weiteres sind wir eine Kreditfirma und kein Private-Equity-Haus mehr", betonte der Apollo-Gründer.

"Wir haben Fehler gemacht"

Die Probleme bei der Kreditbeschaffung lässt die Finanzinvestoren auch immer stärker früher fast undenkbare Strategien durchspielen: So erwartet Kravis eine weitere Zunahme von Minderheitsbeteiligungen. "Wir müssen zudem akzeptieren, dass die Deals kleiner werden." Seit Beginn der Finanzkrise vor anderthalb Jahren haben Private-Equity-Häuser kaum mehr Milliardenübernehmen gestemmt.

In der Kritik stehen die vom SPD-Chef Franz Müntefering als "Heuschrecken" gebrandmarkten Finanzinvestoren vor allem deshalb, weil sie den übernommenen Firmen traditionell hohe Schulden aufbürden. Dies kann viele Unternehmen im Wirtschaftsabschwung in finanzielle Probleme bringen.

Die Branche gibt sich angesichts dessen mittlerweile selbstkritisch "Auch KKR hat Fehler gemacht", räumt Kravis ein. "Wir hoffen aber, aus diesen Fehlern gelernt zu haben." Wichtig sei nun eine neue Offenheit der Branche auch gegenüber Gewerkschaften, um Vertrauen wiederherzustellen. "Wir müssen die Tatsache akzeptieren, dass Private Equity nicht wirklich privat ist."

manager-magazin.de mit Material von reuters

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