Dienstag, 28. Januar 2020

Trennung im Streit Kempinski verlässt Heiligendamm

Die Hotelkette Kempinski zieht sich aus dem durch den G8-Gipfel bekannt gewordenen Hotel in Heiligendamm an der Ostseeküste zurück. Das Verhältnis zu dem Investor, der Fundus-Gruppe, ist tief zerrüttet. Die Vorwürfe auf beiden Seiten haben es in sich.

Berlin/Heiligendamm - Die Kempinski AG gibt das Management des Grand Hotels in Heiligendamm, Tagungsort des G8-Gipfel von 2007, mit sofortiger Wirkung auf. Der Hotelbetrieb soll aber regulär weitergehen, die Hotelgäste sollen von den Vorgängen nichts bemerken, wie die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG als Betreiber mitteilte.

Heiligendamms noble Herberge: Die Kempinski AG hat jetzt die Betriebsführung des Grand Hotels im Ostseebad mit sofortiger Wirkung gekündigt. Sie begründet die Trennung von der Betreibergesellschaft des Hotels, der Fundus Gruppe, mit Vertragsbrüchen und einer "ständigen Einmischung in den täglichen Hotelbetrieb" des Heiligendamm-Investors.
DPA
Heiligendamms noble Herberge: Die Kempinski AG hat jetzt die Betriebsführung des Grand Hotels im Ostseebad mit sofortiger Wirkung gekündigt. Sie begründet die Trennung von der Betreibergesellschaft des Hotels, der Fundus Gruppe, mit Vertragsbrüchen und einer "ständigen Einmischung in den täglichen Hotelbetrieb" des Heiligendamm-Investors.

Kempinski-Vorstandsmitglied Markus Semer begründete die Trennung von der Fundus Gruppe (Düren), dem Heiligendamm-Investor, am Dienstag damit, dass Vertragsbrüche vorlägen. Zudem seien die Managementgebühren von 1,1 Millionen Euro für die vergangenen zwei Jahre nicht gezahlt worden. Die Kempinski AG wirft der Fundus-Gruppe zudem "ständige Einmischung in den täglichen Hotelbetrieb" vor. Auf dieser Grundlage sei der Qualitätsanspruch der Kempinski AG nicht aufrecht zu erhalten.

Die Grand Hotel Heiligendamm GmbH & Co KG, deren Geschäftsführer Fundus-Chef Anno August Jagdfeld ist, begrüßte die Kündigung des Vertrags. Die Form sei allerdings nicht korrekt, sagte Hotel- Interimsdirektor Martin Smura. Der Vertrag zwischen beiden Partnern sehe vor, dass eine Kündigung zunächst einem Schiedsgericht zur Klärung vorgelegt werden müsse, wie dies bei internationalen Verträgen üblich sei. Smura wies die Darstellung zurück, dass vonseiten der GmbH Verträge gebrochen worden seien.

Vielmehr sei von Kempinski kein schlüssiges Managementkonzept vorgelegt worden. Außerdem habe es Kempinski in sechs Jahren nicht geschafft, den wirtschaftlichen Erfolg auch nur annähernd zu erreichen, den andere erfolgreich eigentümergeführte Ferienhotels der Spitzenklasse, wie das Bareiss, Schloss Elmau, die Sonnenalp, Brenner's Parkhotel und die Traube Tonbach, seit vielen Jahren aufwiesen, so Smura weiter. Insbesondere die von Kempinski vorgenommene Vermarktung über Tchibo zu Billigpreisen habe zu Unverständnis bei Gästen und Gesellschaftern geführt, und entspriche nicht dem Standard eines Spitzenhotels und schädige dessen Ruf.

Geldgeber wollten Kempinski offenbar nicht mehr

Die Gesellschafter der GmbH & Co. KG, die in der Vergangenheit rund 130 Millionen Euro Kapital in einen Heiligendamm-Fonds investierten, haben deshalb laut Smura Anfang Dezember den Wunsch geäußert, nicht mehr länger mit Kempinski zusammenarbeiten zu wollen.

Wird als eigenes Haus weitergeführt: Fundus-Chef Jagdfeld begrüßt trotzig die Trennung von Kempinski. Das Hotel in Heiligendamm soll als einzelnes Haus weitergeführt werden und nicht unter das Dach einer Hotelgruppe schlüpfen.
Dann könnten andere Möglichkeiten erschlossen werden. Gleichzeitig sei eine Kapitalerhöhung in mehreren Stufen um 40 Millionen Euro beschlossen worden. Es werde nun keine große Hotelgruppe einsteigen, das Grand Hotel werde als einzelnes Haus weitergeführt, sagte Smura.

Das Grand Hotel in der "Weißen Stadt am Meer" Heiligendamm hatte 2003 den Betrieb aufgenommen und litt in den ersten Betriebsjahren unter einer schlechten Auslastung von rund 40 Prozent. Der von der Fundus-Gruppe aufgelegte Fonds erwirtschaftete auch keinen Gewinn. Erst mit dem G8-Gipfel 2007 konnten Auslastungen um die 60 Prozent erreicht werden. Wegen der Weitläufigkeit des Geländes werde eine überdurchschnittlich hohe Zahl von 300 Mitarbeitern bereitgehalten, was die Bilanz nach Informationen aus dem Hotelumfeld erheblich belastet.

Kempinski: Größere Investitionen wurden nicht ausgeführt

Kempinski-Vorstand Semer kritisierte, dass größere Investitionen wie die Entwicklung von Villen am Meer und eines Thalasso- und Ayurveda-Centers nicht ausgeführt worden seien. Dies habe "die Leistung des Hotels gehemmt". Die Kempinski AG sei daran gehindert worden, "ihre international anerkannte Expertise im Luxushotel- Management effektiv auszuüben und das Hotel auf einer soliden wirtschaftlichen Basis zu managen". Ein weiterer Tiefpunkt in der Geschäftsbeziehung zur Fundus-Gruppe sei erreicht worden, nachdem Vorwürfe von Missmanagement erhoben worden seien.

Tatsächlich sei die operative Hotelführung aber nicht mehr unter der Kontrolle des Kempinski-Managements gewesen. In der Folge habe dies dazu geführt, dass "Kundenbeschwerden in unangemessener Weise in die Höhe geschnellt sind". Kempinski habe schließlich keine andere Wahl gehabt, als den Managementvertrag zu kündigen. Semer sagte weiter, aus jetziger Sicht habe dies keine Folgen für die Betriebsführung des Adlon in Berlin, dessen Miteigentümer und Geschäftsführer Jagdfeld ist. Die für das international renommierte Luxushotel am Brandenburger Tor geltenden Verträge laufen den Angaben zufolge bis 2016.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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